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Debatte - nach Übergriffen an Silvester Attackierte Frau floh panisch vom Schlossplatz

Von Carolin Klinger 

Auch die Stuttgarter Polizei untersucht Überfälle aus der Silvesternacht. Foto: dpa
Auch die Stuttgarter Polizei untersucht Überfälle aus der Silvesternacht.Foto: dpa

15 Frauen haben inzwischen Vorfälle aus der Silvesternacht in Stuttgart zur Anzeige gebracht. Eine Schorndorferin berichtet von sexuellen Übergriffen. Die Polizei hält diese für Ablenkungsmanöver der Täter - diskutieren Sie mit!

Stuttgart - Eigentlich wollte Daniela S. (Name von der Redaktion geändert) nur auf dem Stuttgarter Schlossplatz das Neue Jahr begrüßen. Doch als sie gemeinsam mit ihrer Freundin um kurz vor Mitternacht am Königsbau ankam, fühlte sie sich plötzlich von Männern mit nordafrikanischem Aussehen umzingelt. Einer von ihnen fasste der 28-Jährigen an den Po. „Als ich mich zu ihm umdrehte, um ihm die Meinung zu sagen, lachte die ganze Gruppe nur“, berichtet die junge Frau. Währenddessen nutzte ein weiterer Mann die Gelegenheit, und bedrängte ihre Freundin. Auch der erste Täter ging noch einmal zum Angriff über und betatschte Daniela S. „am Po und im Intimbereich“. Die beiden Frauen gerieten in Panik und flohen aus der Menschenmenge. Nach der Berichterstattung und dem Zeugenaufruf in unserer Zeitung erstattete Daniela S. Anzeige in ihrem Wohnort Schorndorf.

Von einem ähnlichen Vorfall berichtet ein Passant, der sich in der Stuttgarter Innenstadt um kurz nach Mitternacht vor dem Kunstmuseum aufhielt. Auch in diesem Fall näherte sich eine kleine Gruppe von Männern zwei Frauen und bedrängten sie. Die Frauen schrien und rannten davon.

Immer mehr Übergriffe werden in Stuttgart bekannt

Anders als zunächst vermutet kam es in Stuttgart zu mehreren Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht. Die Polizei war erst von einem Einzelfall ausgegangen, bei dem am Schlossplatz zwei Frauen von 15 Männern unsittlich berührt und bestohlen wurden. Inzwischen sind jedoch 15 Anzeigen von Frauen zwischen 15 und 25 in den Revieren der Landeshauptstadt eingegangen.

Wie erst jetzt bekannt wurde, hat die Polizei bereits in der Silvesternacht einen Tatverdächtigen aufgrund von Zeugenhinweisen festgenommen: Der 20-jährige Mann soll zwei junge Frauen im Alter von 15 und 18 Jahren sexuell belästigt haben. Bei dem Verdächtigen, der nun in Untersuchungshaft sitzt, handelt es sich um einen irakischen Asylbewerber. „Wir prüfen, ob es einen Zusammenhang zu den Vorfällen am Schlossplatz gibt“, sagt Polizeisprecher Jens Lauer. Zudem seien bei dem jungen Mann zwei Smartphones sichergestellt worden. Momentan untersucht die Polizei, ob diese Handys aus Straftaten stammen. Ermittlungen zu Hintergründen, Motivation und möglichen Komplizen dauern noch an. Die Übergriffe, von denen die Zeugen berichten, spielten sich laut Lauer rund um den Schlossplatz und in der näheren Umgebung ab.

Auch die Täterbeschreibungen und die Vorgehensweise ähnelten sich: Demnach handelte es sich um Männer, die ein nordafrikanisches oder arabisches Aussehen haben. Sie hinderten die Frauen am Weitergehen, bedrängten und berührten sie unsittlich. In manchen Fällen raubten die Täter Handys und Handtaschen. „Auffällig ist, dass die Männer meist in Gruppen auftraten“, sagt Lauer. Dies sei eine Vorgehensweise, die der Polizei bisher unbekannt war. „Es hatte aber nicht die Dimension wie in Köln“, sagt Lauer.

Die Täter hatten es auf Handys und Handtaschen abgesehen

Bei den Fällen in Stuttgart war es den Tätern vor allem um Diebstahl gegangen, mutmaßt die Polizei. „Wenn man eine Frau in der Menge anrempelt, wird sie sofort nach ihrer Handtasche greifen. Berührt man sie aber unsittlich, wird ihr ihre Handtasche erst einmal egal sein“, erklärt Lauer die Vorgehensweise der Täter. Die sogenannte Antanz-Masche, bei der Täter ihre Opfer in Diskotheken antanzen, um sie dann zu beklauen, komme immer wieder vor. „Auf offener Straße haben wir das aber noch nicht erlebt.“

Die Kriminalpolizei Stuttgart hat inzwischen eine Ermittlungsgruppe gebildet und prüft, ob es Zusammenhänge zwischen den Taten gibt. Ob die Polizei aus den Vorfällen aus der Silvesternacht im Hinblick auf Großveranstaltungen Konsequenzen zieht, kann Lauer noch nicht sagen: „So weit sind wir noch nicht. Wir müssen zunächst die weiteren Ermittlungen abwarten, bevor wir daraus Schlüsse für andere Veranstaltungen ziehen.“

Restaurant Cavos lobt Stuttgarter Polizei

Ein Lob an die Stuttgarter Polizei verfasste das Restaurant Cavos auf seiner Facebook-Seite. Die Betreiber verwiesen auf einen Vorfall vom Dienstag, bei dem eine Gruppe von „acht halbstarken Afghanen, Pakistanis, oder was auch immer“ die Türsteher des griechischen Restaurants beleidigten und bespuckten. Die alarmierte Polizei sei innerhalb kürzester Zeit zur Stelle gewesen und habe die Männer abgeführt. „Weil die Polizei aktuell in der Kritik steht, wollten wir die Stuttgarter Polizei ausdrücklich für ihre Arbeit loben“, begründet Betreiber Hiki Shikano Ohlenmacher die öffentliche Nachricht, die im Netz für Diskussionen sorgte.

Kritik erntete Ohlenmacher dafür, dass er die Nationalität der Unruhestifter – die in Wahrheit eine indische Abstammung haben – in den Vordergrund stellte. „Von unseren 65 Mitarbeitern sind nur zwei Deutsche. Wir sind bestimmt nicht rechtsradikal“, kontert Ohlenmacher. Dass die Polizei nun auf „null Toleranz umgeschaltet hat“, wie in der Facebook-Nachricht behauptet, revidiert Ohlenmacher jedoch: „Eigentlich hat die Polizei schon vorher so gehandelt.“ Das Cavos bietet seinen weiblichen Gästen nun an, sich von Türstehern in die Tiefgarage begleiten zu lassen.

Ein Angebot, auf das Daniela S. nicht so schnell zurückkommen wird. Abends will sie erst gar nicht mehr ohne Begleitung nach Stuttgart kommen: „Dieses Gefühl der Erniedrigung und der Hilflosigkeit kann ich nicht vergessen.“

2 Kommentare

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Um die Strafverfolgung zu erleichtern, sollten alle ihre IMEI (sowas ähnliches wie die Fahrgestellnummer) ihres Handys oder Smartphones kennen.. Die sollte dann der Polizei mitgeteilt werden, auch der Provider kann dann evtl. das Handy orten oder sperren. Nur wenige kennen ihre IMEI. Also, so kriegen Sie die raus: Drücken Sie nacheinander folgende Tasten auf dem Telefon: 1) * (Stern) 2) # (Raute) 3) 0 (Zahl NULL) 4) 6 (Zahl 6) 5) # (Raute) Notieren Sie sich diese IMEI. Das materiell wertvollste, das Sie bei solchen Verantsaltungen mit sich führen und das deshalb auch geklaut wird, ist eben Ihr Handy oder Smartphone. Dieser Tipp ist sicher besser als der, eine Armlänge Abstand zu halten.

Zur Stuttgarter Polizei und Staatsanwaltschaft muss man nur 2 Namen nennen: Stump und Häussler ! Jetzt sind halt ihre loyalen Stellvertreter im Amt. Wer geglaubt hat, unter Kretschmann würde sich das ändern, hat sich geirrt.

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