Nach Straftaten in Köln Flüchtlinge fordern Durchgreifen der Polizei

Von Jürgen Bock 

Immer wieder kommt es – wie hier in Hamburg – auch innerhalb von Flüchtlingsunterkünften zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Deshalb fordern viele Flüchtlinge ein konsequentes Vorgehen der Polizei gegen Straftäter Foto: dpa
Immer wieder kommt es – wie hier in Hamburg – auch innerhalb von Flüchtlingsunterkünften zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Deshalb fordern viele Flüchtlinge ein konsequentes Vorgehen der Polizei gegen StraftäterFoto: dpa

Die Diskussion über die Vorfälle in Köln beschäftigt auch viele Flüchtlinge. Sie fürchten, als Straftäter abgestempelt zu werden – und fordern ein hartes Durchgreifen der Polizei gegen Kriminelle in den Unterkünften.

Stuttgart - Zahlreiche Flüchtlinge fordern ein konsequenteres Vorgehen der Polizei gegen schwarze Schafe unter ihnen. In den größeren Unterkünften der Region haben die Vorkommnisse in Köln, Stuttgart und anderswo große Verunsicherung ausgelöst. „Das ist ein Thema bei uns“, erzählen etwa die Bewohner einer Turnhalle in Stuttgart.

Viele seien entsetzt über die Vorfälle, gerade weil in der Halle viele Familien lebten. Auch in einem Notquartier in Ostfildern ist das Thema Gesprächsstoff. „Die Gesetze in Deutschland sind nicht streng“, sagt dort ein Mann aus Syrien. In den meisten der Herkunftsländer gingen die Behörden viel härter gegen Störer vor. Die Polizei und die Strafverfolgung in Deutschland erschienen manchem deshalb schwach.

Die Bewohner in der Unterkunft in Ostfildern kennen Aggressionen selbst nur zu gut. Dort ist es in den vergangenen Wochen immer wieder zu Streitigkeiten gekommen, zum Teil musste die Polizei mehrmals am Tag anrücken. „Wenn es Probleme gibt, kommt zwar die Polizei und nimmt die Störenfriede mit, aber nach ein paar Stunden sind sie schon wieder da“, klagt ein junger Mann aus Afghanistan.

In diversen Unterkünften ist zu hören, dass speziell Nordafrikaner häufiger in Auseinandersetzungen verwickelt seien. Dabei spielten manchmal auch Alkohol und Drogen eine Rolle. „Wir fürchten, dass manche Leute nur hierher kommen, um Stress zu machen“, sagt der Flüchtling aus Syrien. In fast jeder größeren Unterkunft gebe es drei, vier oder mehr Männer, die immer wieder auffällig seien und die ganzen Probleme auslösten.

„Gute und schlechte Menschen gibt es überall“

Erst in dieser Woche sind in Ostfildern bei einer Schlägerei zehn Beteiligte auch mit Eisenstangen aufeinander losgegangen. Zwei wurden verletzt, einer musste ins Krankenhaus. Passiert sei danach nicht viel, klagen Augenzeugen.

„Wir haben fünf Personen vorläufig festgenommen“, sagt ein Polizeisprecher. Sie seien am nächsten Tag wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Unter den Streitenden seien nicht nur Bewohner der Unterkunft gewesen, sondern auch Flüchtlinge aus anderen Quartieren. „Für die Sicherheit in den Unterkünften ist zunächst der jeweilige Betreiber zuständig“, so der Polizeisprecher. Der müsse im Zweifel mit einem Sicherheitsdienst „die Lage in den Griff bekommen“.

Viele Flüchtlinge fürchten, dass sie nun mit Straftätern in einen Topf geworfen werden könnten. „Gute und schlechte Menschen gibt es überall“, sagt einer. „Aber solche Vorkommnisse wie in Köln und Stuttgart sind für uns alle ganz schlecht.“ Er hofft, dass die Einheimischen weiterhin differenzieren – und „dass die Polizei etwas gegen solche Kriminelle unternimmt“.

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