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Nach Sanierung SWSG: Mieterbund kritisiert massive Teuerung

Von Eva Funke 

Bis zu 64 Prozent mehr müssen Mieter der Stuttgarter Wohnungs- und Städte­baugesellschaft (SWSG) nach einer Sanierung bezahlen. Für den Mieterbund ein Negativbeispiel. Konstanz zeige, dass es auch anders geht.

Stuttgart - Viele Kunden der städtischen SWSG sind Sozialmieter, aber auch viele andere ihrer Mieter müssen auf Cent und Euro achten. Für nicht preisgebundene Wohnungen erhöht die SWSG systematisch die Mieten. Derweil häuft sich die Kritik, dass es in Stuttgart immer weniger be­zahlbare Wohnungen gebe. Und die Hans-Böckler-Stiftung vermeldet, dass in Stuttgart fast 92.000 Einwohner weniger Geld zum Leben hätten als nötig.

Die Kritik an der SWSG

Rolf Gaßmann, Chef des Mietervereins Stuttgart und Vorsitzender des Mieterbunds Baden-Württemberg, sagt: „Seit dem Wechsel in der Geschäftsführung 2005 rückte der soziale Auftrag bei der SWSG in den Hintergrund.“ Er meint den Einstieg von Wilfried Wendel in die SWSG. Aber auch der Rückgang des Wohnungsangebots wird kritisiert.

Lag der Bestand vor zwölf Jahren bei 19.614 Wohnungen, waren es 2011 nur noch 17.988. Ein Grund dafür ist, dass immer mehr alte Wohnungen abgerissen, neue gebaut und dann verkauft werden. Hunderte verschwanden allein in den vergangenen fünf Jahren: 220 Wohnungen in der Falchstraße in Steinhaldenfeld, 48 Wohnungen in der Karlshofstraße in Steckfeld, 24 Wohnungen im Barbenweg in Mönchfeld, 18 Wohnungen im Schimmelreiterweg in Möhringen, 51 Wohnungen in der Düsseldorfer Straße in Bad Cannstatt und 16 Wohnungen im Krötenweg in Giebel. Fast immer ging es um Wohnungen, die mit einer Monatsmiete von vier bis fünf Euro pro Quadratmeter bezahlbar waren.

Plötzlich 300 Euro mehr Kaltmiete im Monat

Dagegen wäre nichts einzuwenden, meint Gaßmann, würde der Profit aus Verkäufen verwendet, um die Mieten zu subventionieren und zu stabilisieren. Doch nach Modernisierungen steigen die Preise um bis zu 60 Prozent. Wer zum Beispiel vorher 500 Euro Kaltmiete im Monat bezahlte, muss plötzlich 300 Euro mehr aufbringen. Betroffen sind pro Jahr um die 400 Mieter. Da in den vergangenen Jahrzehnten besonders im Fall der von der Stadt übernommenen Wohnungen wenig in den Bestand investiert wurde und 12 000 Wohnungen vor 1975 gebaut wurden, knapp 6000 Wohnungen sogar vor 1946, sollen in den kommenden Jahren „400 bis 450 Wohnungen pro Jahr“ (Wendel) auf den neuesten Stand gebracht werden. „Danach sind die Mieten für Geringverdiener kaum noch finanzierbar, und die bezahlbaren Alternativen nehmen weiter ab“, sagt Gaßmann und sieht die soziale Balance durch Verdrängung dieser Mieter in Gefahr.

Drei Beispiele: In der Bottropper Straße im Hallschlag steigen die Kaltmieten von 3,80 bis vier Euro pro Quadratmeter und Monat um über 60 Prozent auf 6,30 bis 6,50. Auf der Rohrer Höhe sind nach Neubau der Siedlung etwa zehn Euro Kaltmiete statt zuvor fünf bis sieben Euro fällig. Und in der Böheimsiedlung in Stuttgart-Süd müssen die Mieter statt 6,50 Euro 9,30 Euro bezahlen – rund 43 Prozent mehr.

Auch der Stuttgarter Haus- und Grundbesitzerverein übt Kritik. Verfolge sie ihren Kurs weiter, werde die SWSG bald nicht mehr über einfache Wohnungen verfügen. Dann baue sie vielleicht zwar im Sinne von Stadtverwaltung und Gemeinderat, „aber wo liegt dann der soziale Auftrag der SWSG?“, fragt Haus-und-Grund-Chef Klaus Lang. Mit Geschäftsführer Ulrich Wecker ist er sich einig, dass ein Bedarf an bezahlbarem Wohnraum bestehe. Hier seien Stadt und Land gefordert. Einen generellen Wohnungsmangel gebe es nicht.

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