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Nach der Alpenüberquerung lächelt nur noch die Trainerin

"Kornwestheim und Kreis Ludwigsburg", vom 08.09.2010 02:36 Uhr
Breitensport Beim Cycling im Funsportzentrum bringen mehrere imaginäre Bergtouren die Teilnehmer ins Schwitzen. Von Melanie Bürkle

Wir fahren gemütlich los", schnauft Dagmar Dautel in ihr Head-Set und tritt dabei kräftig in die Pedale. Die 13 Radfahrer ihr gegenüber radeln dagegen schon seit einigen Minuten. Denn bereits vor Beginn der Cycling-Stunde im Funsportzentrum haben sich fast alle auf ihre Räder geschwungen und angefangen sich gemächlich - oder teilweise auch recht zügigen Trittes - warm zu fahren. So ist es mit dem angekündigten gemütlichen Radfahren auch recht schnell wieder vorbei. Kaum hat Dautel die Gruppe mit ihrem "Tritt, tritt, hopp, hopp" richtig in Takt gebracht, steht die erste Bergetappe auf dem Programm. "Den Widerstand erhöhen und dann geht"s bergauf", ruft Dautel strahlend. Gesagt, getan - und noch schaut ihr die Gruppe ebenso mit einem Lächeln auf dem Gesicht entgegen. Noch. Spätestens als der Berg steiler wird und dieser nur im Stehen bezwungen werden kann, sinken bei einigen Teilnehmern die Mundwinkel. Lächelnd blickt nur noch die Fitnesstrainerin in die Runde.

Ab sofort wird also stehend weiter geradelt. Das freut die Oberschenkelmuskulatur und Dagmar Dautel, die ihre Gruppe mit einem "Ja, super! Weiter so!" motiviert. Nach einigen Sekunden dürfen die Damen und Herren dann vorerst im Sitzen weitertreten. Vorerst. Denn bald heißt es wieder: "4, 3, 2, 1 und wieder hoch." Alle erheben sich abermals aus dem Sattel.

Zugegeben, gemütlich ist der Sattel wahrlich nicht, doch das unbequeme Sitzen stellt sich während der gut 50-minütigen Fahrt durchaus als angenehmer heraus als das Treten im Stehen. Die ständige Stehfahrt macht sich nämlich bereits nach wenigen Sekunden immer deutlicher in den Oberschenkeln bemerkbar. Je länger die imaginäre Bergfahrt dauert, umso mehr brennen die Muskeln in den Beinen. Nach gerade einmal zehn Minuten Fahrt und einer gefühlten Alpenüberquerung geht es dann aber erst richtig los.

"Immer schön in die Eisen treten. Hopp!", ruft die 54-Jährige und schwingt sich - wie sollte es auch anders sein - aus dem Sattel. Die angeblich erste richtige Bergtour steht bevor. "Na, wie fühlt sich das an?", hakt die Übungsleiterin immer noch lächelnd nach. Die Antwort: ein leises Stöhnen. Alle radeln weiter und Dautel bemerkt so ganz nebenbei: "Gleich wird"s noch steiler." Tritt, hopp, tritt, hopp - immer weiter geht es den fiktiven Berg hinauf. Und bald wird es wieder so steil, dass erneut im Stehen geradelt werden muss. Dieses Mal eine ganze Minute. 60 Sekunden, die sich ziehen wie ein Kaugummi. 60 Sekunden, in denen die Oberschenkel überhitzen. Aber der Berg ist noch lange nicht bezwungen. Abwechselnd fordert Dautel die sieben Damen und sechs Männer auf, wiederum stehend in die Pedale zu treten. Nach mehreren Wiederholungen sind die Teilnehmer dann endlich auf der Ebene angelangt. Freies Fahren ist angesagt. Alle greifen nach ihren Trinkflaschen und wischen sich den Schweiß von der Stirn.

Die kurze langsamere Fahrt ist eine willkommene Verschnaufpause, bevor es natürlich zügig weiter geht. Im erdachten Ziel ist die Truppe nämlich noch lange nicht angekommen. Allerdings darf nun jeder seine erfundene Lieblingsstrecke abfahren. Super, endlich keine Berge mehr, nur ebene Straßen. Zügigen Trittes wird nun so vor sich dahingeradelt. Die einen etwas schneller, die anderen nicht ganz so flott, aber flink genug. Langsam wird hier wahrlich niemand. Kaum ist die eher kurze Etappe geschafft und hat jeder noch einmal Flüssigkeit zu sich genommen, steht ein Sprint bevor. Wer möchte, kann sich auf Kommando aus dem Sattel erheben und kräftig in die Pedale treten. Und natürlich haben alle den Willen dazu. Beim "und hopp" erhebt sich die gesamte Mannschaft. Nichts mit fiktiven Überholmanövern. Hypothetisches Windschattenfahren ist angesagt.

Dann steht die letzte und die schwerste Bergetappe des Abends an. Der Berg ist nämlich so steil, dass er abermals zur Herausforderung wird. Abermals kann er nur im Stehen bezwungen werden. "Und hopp", ruft die Vorradlerin immer noch grinsend. Von den Teilnehmern keine Reaktion. Sie radeln einfach weiter - im Stehen, ohne zu grinsen. Bei einigen läuft der Schweiß mittlerweile fast schneller als die Trittfrequenz hoch ist. Durchhalten ist angesagt. Aber keiner gibt auf und so ist letztendlich auch diese Etappe geschafft. "Wir sind im Ziel", ruft es unerwartet und die Hände werden in die Höhe gerissen. Geschafft. Die Truppe fängt wieder an zu lächeln. Alle sind ausgepowert, aber haben das gute Gefühl, durchgehalten zu haben: 25 Kilometer in etwas mehr als 50 Minuten und etliche erfundene Höhenmeter.

Nächste Folge Unsere Serie "Fit in Kornwestheim" wird am kommenden Mittwoch fortgesetzt. Dann geht es ums Klettern.

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