Von wegen, die bei der Stadt kriegen gar nichts hin. Baugräben statt Straßen, Stillstand beim Kulturzentrum und die Diskussion um einen Riesenschuh im Kreisverkehr - das alles, versicherte Bürgermeister Dietmar Allgaier, sei praktisch ein Geschenk der Verwaltung an die Narren. Denn worüber sollten die sich sonst echauffieren beim traditionellen Rathausempfang? Die Kornwestheimer Fasnetvereine nahmen die guten Gaben an - und watschten die Stadtoberen zum Dank dafür ab.
Die Baustellen in Kornwestheim und ihre Folgen - sie sind ein schier unerschöpflicher Quell für närrische Reime. "Für"d Umleitung gibt"s no a Umleitung dazu, manchmal woisch net, wo"d fahra derfsch, s"isch echt der Clou", eröffnete Ines Ackermann von der Narren-Ober-Liga (NOL) den Reigen der Redner. Der Bauwut konnten die aber auch Positives abgewinnen: einfach die Gräben offen lassen und auf Stark-regen hoffen - schon werde aus Kornwestheim ein "Kloi-Venedig", riet Ackermann der Verwaltung. Dass diese die Narren ausgerechnet am 11.11.2011 wegen der Vorbereitungen für den Festakt zum 20-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft mit Kimry nicht im Rathaus, sondern im Galeriesaal empfing, erzürnte Markus Kämmle (Fasnetzunft). Dass er sich mühte, die Gäste zumindest in ihrer Fantasie ("Mir ganget gedanklich, also mental, jetzt älle mol naus aus diesem Saal. . . Mir sen nach diesem mentalen Gang - jetzt dort, wo mr no wellet: im Rathaus beim Empfang.") an den gewohnten Ort mitzunehmen, half da wenig. Und dass - wie schon in den Vorjahren - die Stadt wieder "nur" durch Bürgermeister Dietmar Allgaier vertreten war, machte das Maß für Kämmle voll. "Doch passt des Ganze zur närrischa Frau Keck, denn die isch wieder amol weg", polterte der Fasnetzünftler.
Fast schon versöhnlich klangen da die Gesänge der Freien Narrenzunft. Zwischen Juppeidi und Juppeida trällerten die Narren: "Das Wette-Center wird geweckt von Dietmar und von Uschi Keck. Spielwelt heißt das Zauberwort, soll entsteh"n an diesem Ort" - das klang schon fast wie ein Lob aus närrischem Mund. Doch auch das hätte Dietmar Allgaier wohl nicht mehr versöhnen können. Längst hatte der Bürgermeister die Kriegserklärung der Narren angenommen - und schoss scharf zurück: "Es stimmt, das Rathaus hat zwar eine bessere Lage, doch für Euch Narren ist mir das viel zu schade". Und als hätte das noch nicht gereicht, wollte der Bürgermeister den Fasching in diesem Jahr am liebsten ganz streichen: "Ich schlag" euch was vor, da komm" ich gut raus, Fasching 2012 wird gestrichen und ihr geht nach Haus. Und das am besten ganz leise und fix, denn ansonsten klappt bei Narren nix." Auch für seine Chefin, die Oberbürgermeisterin, sprang Allgaier mutig in die Bresche. "Nehmt euch ein Beispiel, ihr Narren, an dieser Frau, die ist nicht schon wie ihr um halb zwölfe blau. Die rackert, die schafft, die argumentiert und die schwätzt, während ihr mit euren Sprüchen meine Seele verletzt."
Nach einem mitleidigen "oooh" für den Bürgermeister wurde das Kriegsbeil schließlich - zumindest vorübergehend - begraben und lieber noch ein Viertele miteinander getrunken. Schließlich wollen es sich die Narren ja nicht ganz mit der Stadt verscherzen. Denn das Landesnarrentreffen steht vor der Tür: Im Januar wird es in Kornwestheim stattfinden, rund 7000 Narren und 15 000 Zuschauer werden laut Walter Specht, dem Vorsitzenden des Ausschusses Kornwestheimer Fasnet, erwartet. Um diesem Andrang zu stemmen, hoffen die Vereine auf Hilfe der Stadt. Oder wie Walter Specht es ausdrückt: "Wir wollen kein Geld, nur alles umsonst."