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Mysteriöses Geräusch Immer mehr Brummton-Geplagte

Von Jürgen Bock 

Bereits im Jahr 2001 hat ein merkwürdiges Brummen überall in Baden-Württemberg Aufregung ausgelöst. Die damalige Landesanstalt für Umweltschutz hat daraufhin in 13 Wohnungen längerfristig gemessen – ohne eindeutiges Ergebnis. Fachmann Peter Brachat hat damals ein Messgerät gezeigt Foto: StN
Bereits im Jahr 2001 hat ein merkwürdiges Brummen überall in Baden-Württemberg Aufregung ausgelöst. Die damalige Landesanstalt für Umweltschutz hat daraufhin in 13 Wohnungen längerfristig gemessen – ohne eindeutiges Ergebnis. Fachmann Peter Brachat hat damals ein Messgerät gezeigtFoto: StN

Seit Jahren werden im ganzen Land immer wieder Menschen durch ein rätselhaftes Brummen und Vibrationen um den Schlaf gebracht. Auf den Fildern gibt es immer mehr Geschädigte des tieffrequenten Tons – doch bisher keine möglichen Ursachen und wenig Hilfe.

Stuttgart/Leinfelden-Echterdingen - Am Anfang waren es nur zwei Familien aus Leinfelden. Inzwischen aber haben sich rund 20 Betroffene, auch aus Stuttgart-Möhringen, zusammengefunden, um gegen das mysteriöse Brummen zu kämpfen, das sie besonders in Innenräumen schier um den Verstand bringt. „Die Leute können nicht mehr“, sagt eine Betroffene. Das ständige Brummen, ähnlich dem Geräusch eines laufenden Motors, sei nicht mehr zu ertragen: „Man hat das Gefühl, das Haus vibriert.“

Einige Geplagte haben auf eigene Faust Messungen machen lassen. Dabei ist tieffrequenter Schall festgestellt worden. Doch die Ursache ist völlig unklar. Alle Betroffene hören den Ton nicht überall. Und bei einem Stromausfall in Leinfelden vor kurzem war die Belastung deutlich geringer als sonst. Vermutungen gibt es einige: zum Beispiel über Gasleitungen als Verursacher.

In einer Leinfeldener Wohnung sind Mitte Februar Experten des Esslinger Landratsamts sowie der Karlsruher Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) mit Messgeräten angerückt. „Das Ergebnis haben wir immer noch nicht“, kritisieren die Betroffenen. Die LUBW verweist auf den Landkreis als Mitteilungsbehörde. Dessen Sprecher sagt, die Auswertung der Ergebnisse sei komplex und dauere noch.

Tieffrequenter Schall gilt unter Experten als gesundheitsschädlich. „Das Problem dabei ist, dass tieffrequente Geräusche überall vorhanden sind. Es gibt Hunderte mögliche Quellen vom Lkw bis zur Wärmepumpe“, sagt Martin Hoffmann von der LUBW in Karlsruhe. Die hat bereits im Jahr 2001 nach Hunderten Beschwerden aus dem ganzen Land in 13 Wohnungen längerfristig gemessen – und war zu keinem eindeutigen Ergebnis gekommen. „Es gibt bis heute keine Indizien für eine flächendeckende Ausbreitung einer einzigen Ursache“, so Hoffmann. Er macht den Betroffenen „wenig Hoffnung, dass man da wirklich weiter kommt“.

Dieser Meinung ist auch Professor Detlef Krahé von der Universität Wuppertal, der sich intensiv mit dem Phänomen befasst. „Es gibt viele ungelöste Fragen“, sagt er. Die Schwierigkeit sei, bei messbaren Geräuschen und Schwingungen herauszufiltern, welche Ursache dafür verantwortlich sein könnte. Dass nicht alle Menschen das Brummen wahrnehmen, sei nachvollziehbar: „Es kommt oft nur bei einer Verkettung von Umständen zu solchen Wirkungen.“ Dazu gehören eine Geräuschquelle, günstige Ausbreitungsbedingungen, eine bestimmte Beschaffenheit von Gebäuden und Bewohner, die auf tieffrequente Töne sensibel reagieren.

Laut Experten taucht das Phänomen immer wieder auf. So auch in der oberbayerischen Gemeinde Steinhöring. Rund 40 Bürger des kleinen Ortes werden dort seit Jahren durch das Brummen um den Schlaf gebracht. Im vergangenen Jahr veranlassten Gemeinde und Landratsamt Messungen. Die belegten zweifelsfrei, dass tieffrequente Geräusche und Vibrationen in Gebäuden vorhanden sind. Allerdings hält die Suche nach äußeren Ursachen an. „Leider sind wir noch keinen Schritt weiter“, sagt eine Sprecherin des Landratsamts Ebersberg.

Das klingt nicht gut für die größer werdende Zahl von Betroffenen auf den Fildern. Einige von ihnen wollen an diesem Dienstag bei der Bürgersprechstunde in Leinfelden-Echterdingen noch einmal auf ihre Lage aufmerksam machen. Unterstützung verspricht Stadträtin Sabine Onayli von der Liste L.E. Bürger: „Wir sind enttäuscht von Stadtverwaltung und Landratsamt. Das Problem wird nicht ernst genommen.“ Das sehen die Geplagten genauso. „Die Behörden sind überfordert und tun nichts. Stattdessen müssen wir selbst recherchieren“, sagt einer, „ich will einfach nur mein Leben zurück.“

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