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Stuttgart - Die einen versuchen es mit rumpelndem Punkrock, die anderen mit schönen Schnulzen: Am 5. Mai wird der Music Award Region Stuttgart (Mars) vergeben. Die sechs Nachwuchs-Acts, die um einen Zukunftspreis konkurrieren, könnten kaum unterschiedlicher sein - musizieren aber alle auf sehr hohem Niveau.
Der Hip-Hop ist fortgezogen. Der Name Benztown ist geblieben. Als die Fantastischen Vier noch hier zu Hause waren, die Kolchose Acts wie Freundeskreis, die Massiven Töne oder Afrob hervorbrachten, galt Stuttgart als Hauptstadt des deutschen Sprechgesangs. Doch dann zogen sie alle nach Berlin, Hamburg oder in die Eifel, der Battle-Rap übernahm das Hip-Hop-Geschäft, und Stuttgart drohte zum weißen Fleck auf der deutschen Poplandkarte zu werden.
The Jerks brechen unzählige Mädchenherzen
Dass die Region Stuttgart so ein Schicksal nicht verdient hat, beweisen die Nominierungen für den Mars-Zukunftspreis, den das Popbüro am 5. Mai im Planetarium vergibt. In sieben Kategorien werden Akteure der regionalen Szene ausgezeichnet: Der Musikunternehmer, Künstler, Manager und Veranstalter des Jahres, aber auch die beste Location, der beste Live-Club und die beste Partyreihe erhalten Preise. Hinzu kommt der zweigeteilte und jeweils mit 5000 Euro dotierte Zukunftspreis für die vielversprechendsten Newcomer aus dem Bereich Existenzgründung und Künstler/Band. Und alle, die gedacht haben, nach dem Ende der Hip-Hop-Invasion der 1990er sei Stuttgart Popbrachland, werden von den sechs für den Zukunftspreis nominierten Acts eines Besseren belehrt.
The Jerks sind eine knuffige Hau-drauf-Punk'n'Roll-Kapelle, deren erste EP "Young. Raw. Ready To Get In" heißt - eine treffende Selbstbeschreibung. The Jerks haben nicht nur den Ruf, jeden Liveclub auf den Kopf stellen zu können, sondern bei ihren Auftritten auch unzählige Mädchenherzen zu brechen. Das dürfte auch dem Wuschelkopf Tiemo Hauer mit sanften Popsongs wie "Nacht am Strand" gelingen. Der 21- Jährige, der einst von der "Bravo" entdeckt wurde, veröffentlicht Ende des Monats sein Debüt "Losgelassen" in Eigenregie - einen Deal mit Universal Music hat er ausgeschlagen, weil er sich nicht in seine Musik hineinreden lassen wollte.
Cocorosie trifft Björk
Auch Singer/Songwriter Matteo Capreoli, der ein bisschen wie Max Herre aussieht und irgendwie auch so klingt, veröffentlicht in diesem Monat sein Debüt. "Ein Stück Geschichten" (Groove Attack) ist zwar ein kleines Album mit nur sechs Songs - doch Nummern wie die angesoulte Deutschpopballade "Ohne Dich" deuten das Potenzial dieses einfühlsamen Liederschreibers an. Die aufgekratzten Hip-Hop-Raver Die Orsons müssen dagegen keinem mehr etwas beweisen, haben schon zwei Alben veröffentlicht, sind im Vorprogramm von Fettes Brot auf Tour gewesen und bezeichnen sich selbst als den "größten Hype seit den Beatles".
Künstlerisch ambitioniert geben sich dagegen Anna Illenberger und Michael Fiedler als Anna Gemina. Beim wohl skurrilsten Duo der Region treffen Elektronik auf Poesie, Cocorosie auf Björk. Noch verblüffendere Musik gelingt nur der Band Yasmine Tourist - gerade weil sie so ruhig und unspektakluär daherkommt. Eine so empfindsame Musik zwischen Folk und Americana hätte man vielleicht aus Portland, Oregon oder Omaha, Nebraska, keinesfalls aber aus Benztown Stuttgart erwartet.
5000 Euro sind eine ganze Menge Geld, wenn man am Anfang seiner Karriere steht. Und die Ideen, wie man das Geld ausgeben könnte, sind ebenso vielfältig wie die musikalischen Geschmäcker der Nominierten: Während die Orsons das Geld in die Produktion ihrer neuen CD stecken wollen, um damit eine richtig große Plattenfirma zu ködern, möchte Tiemo Hauer das Geld dagegen haben, um auch weiterhin ohne Majordeal in der Tasche die Musik machen zu können, die er machen will.