Museum Hohenasperg zeigt Schwammbergers Biografie Glückwunschkarten für NS-Verbrecher

Von Claudia Bell 

Das Museum Hohenasperg dokumentiert den Fall Schwammberger. Foto: factum/Granville
Das Museum Hohenasperg dokumentiert den Fall Schwammberger.Foto: factum/Granville

Er war einer der grausamsten NS-Verbrecher und auf dem Hohenasperg inhaftiert: Josef Schwammberger. Seine Biografie ist nun in einer Ausstellung im Museum zu sehen.

Asperg - Es ist wie so oft: Auf dem Foto sehen bösartige Menschen eigentlich sympathisch aus. Auch in diesem Fall lächelt ein älterer Herr in die Kamera. Bei diesem Menschen auf dem Schwarz-Weiß-Foto, das seit Sonntag im Museum Hohenasperg zu sehen ist, ist dies allerdings mitnichten der Fall: Es ist Josef Schwammberger, der ehemalige Kommandant des Gettos von Przemysl und einer der grausamsten NS-Täter. Der Südtiroler war für den Tod von vermutlich mindestens 710 Juden während des Nationalsozialismus verantwortlich, Tausende weitere Fälle werden ihm ebenfalls zugeschrieben.

Seine Enkel stellten Material zur Verfügung

Schwammberger lebte nach seiner Flucht jahrzehntelang in Argentinien und war von 1990 an nahezu ununterbrochen bis zu seinem Tod 2004 auf dem Hohenasperg inhaftiert. Weil 2014 die so genannte archivarische Sperre ablief, konnte die Museumskuratorin Franziska Dunkel nun in die Recherche einsteigen und Akteneinsicht erhalten. Zudem fand sie seine Enkel, die einen Karton mit seinen Habseligkeiten aufbewahrt hatten. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist jetzt im Museum Hohenasperg zu sehen, Schwammberger ist eine der vier neu hinzugekommenen Biografien innerhalb der Dauerausstellung.

NS-Täter haben ihre Taten meist bis zuletzt geleugnet

Neben besagtem Foto ist auch ein Brief Schwammbergers von 1995 an seine Frau Käthe zu sehen. Es ist sein Abschiedsbrief an sie während seiner Haft in Argentinien. „Nie sollst du mich befragen, sonst werde ich sehr, sehr böse“, schreibt er. Tatsächlich hatte er bis zuletzt seine Gräueltaten geleugnet. „Diese Haltung des Verdrängens ist ganz typisch für NS-Täter“, sagt Franziska Dunkel. Mehrere Gnadengesuche wurden abgelehnt, weil er als besonders grausamer Exzess-Täter galt; auch dieses Gerichtsurteil ist in einer Kopie zu sehen. Ein ganz besonderes Stück ist für Franziska Dunkel eine Glückwunschkarte an Schwammberger von 2003. In schönster Kinderschrift steht darauf: „Einen Julfestgruß mit allen guten Wünschen zum Jahreswechsel, Wolfgang und Gaby“, daneben ein Gedicht von Hans Baumann, dem Verfasser eines NS-Kampfliedes. „Ich war schockiert zu sehen, dass es auch in 2003 noch eine solche Unterstützerszene für Alt-Nazis gab“, sagt die Kuratorin.

58 Jahre später erhielt er seinen Zellenschlüssel

Auch Arthur Jacobs war auf dem Hohenasperg inhaftiert – freilich aus einem ganz anderen Grund als Schwammberger. Der US-Amerikaner wurde als Zwölfjähriger in eine finstere Zelle gesperrt und von den amerikanischen Wachen wie ein Nazi behandelt. Sein Vater war 1928 als Deutscher in die USA ausgewandert, kehrte nach dem Zweiten Weltkrieg mit seiner Familie allerdings zurück und wurde dort interniert. Arthur Jacobs konnte 1947 in die USA zurückkehren und bekam 58 Jahre später bei einem Besuch den Schlüssel seiner früheren Zelle sowie Stacheldraht überreicht. Er fertigte daraus einen Bilderrahmen, in dem der Schlüssel, der Stacheldraht sowie eine Zeichnung der Hohenasperger Festungsmauer als Collage befestigt sind.

Insgesamt vier neue Biografien sind neu hinzugekommen. Neben Schwammberger sind nun auch der „wilde Demokrat“ Gottlob Tafel (1801-1874) und der Wendehals Heinrich Elsner (1806-1858) zu sehen. Die Dauerausstellung im Museum widmet sich den Schicksalen von 23 auf dem Hohenasperg Inhaftierten.

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