Müller-Schott spielt Mozart Mit existenzieller Dringlichkeit

Von Helmuth Fiedler 

Teil eines innig einander zugetanen Dreigesangs: Violinistin Baiba Skride Foto: Veranstalter
Teil eines innig einander zugetanen Dreigesangs: Violinistin Baiba SkrideFoto: Veranstalter

Daniel Müller-Schott (Violoncello), die großartige lettische Geigerin Baiba Skride und deren reaktionsschnell klavierspielender Schwester Lauma stellte sich im Trio Mozart – und demonstrierten, wie interessant es sein kann, wenn das Cello ebenbürtig mitmusizieren darf.

Stuttgart - Bis auf den heutigen Tag völlig unterschätzt sind die Klaviertrios von Wolfgang Amadeus Mozart. Das letzte Werk dieser Gattung (Köchelverzeichnis­ 548) steht nicht nur in der Tonart C-Dur, sondern knüpft mit thematischen Parallelen auch an die einen ­Monat später entstandene, abschließende „Jupiter-Sinfonie“ KV 551 C-Dur an, wobei Mozart einmal sogar Figaros „Non piu ­andrai“ aufblitzen lässt.

Daniel Müller-Schott (Violoncello), schon einmal im Mozart-Jahr 2006 zusammen mit Anne-Sophie Mutter und André Previn und einer Auswahl von Mozart-Trios auf Tournee, war im Kammermusikzyklus der SKS Russ Partner der großartigen lettischen Geigerin Baiba Skride und deren reaktionsschnell klavierspielender Schwester Lauma.

Wieder einmal bewies Müller-Schott mit klanglich ausgereifter, immer nobler Phrasierungsdeutlichkeit, wie sich die vom ­virtuos aufspielenden Klavier dominierte ­Mozart’sche Triowelt verändert, wenn das Cello etwa im langsamen Satz ebenbürtig mitmusizieren darf.

Riesige Spannungsbögen, sämtliche Extreme in Dynamik, Artikulation und Tempi

Auch in der Gegenwelt des expressiv weit ausholenden späten c-Moll-Trios op.101 von Johannes Brahms entstand, zumal in den leisen Partien, jene Magie des innigen, einander zugetanen Dreigesangs, wie ihn ein Klaviertrio durchaus in der Nachfolge der ­Beaux Arts im Idealfall beschwören sollte.

Ein Beispiel für das Mehrdeutige in der Musik des Komponisten Dimitri Schostakowitsch zeigt sich auch in dessen Klaviertrio Nr. 2 e-Moll aus dem Kriegsjahr 1944. ­Bereits das einleitende Fugato eines hohen Cello-Flageoletts und die düstere Replik von Geige und Klavier unterstreichen den elegischen, mehrfach ostjüdische Musik zitierenden Grundton des Trios, kulminierend in einem der Klezmermusik abgelauschten, von einer tristen Passacaglia eingeleiteten finalen Totentanz. Das Stück ist also alles andere als (wie zu Stalins Lebzeiten behauptet) unbeschwerte Folklore. Entsprechend musizierte das Klaviertrio Skride/Müller-Schott mit geradezu existenzieller Dringlichkeit in riesigen Spannungsbögen, sämtliche Extreme der Dynamik, Artikulation und Tempi voll auslotend, ohne dabei den ­inneren Zusammenhang zu zerstören.

Nach einer Pause des Innehaltens: großer, dankbarer Beifall im gutbesuchten Mozartsaal und ein vergleichsweise harmloser ­Divertimento-Satz von Mozart als Zugabe.

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