Moskau Schach im Vorhof zur Hölle

Von nwa 

Duell am Brett Hikaru Nakamura (re.) gegen Rustam Kasimdzhanov. Foto: Getty
Duell am Brett Hikaru Nakamura (re.) gegen Rustam Kasimdzhanov.Foto: Getty

In Moskau wird der nächste Herausforderer des Weltmeisters Magnus Carlsen gesucht – US-Boy Nakamura greift nach den Sternen .

Moskau - Eigentlich klingt es lapidar: An diesem Freitag beginnt das wichtigste Schachturnier des Jahres. In Moskau treffen sich zehn der stärksten Großmeister der Welt, um in einem doppelrundigen „Jeder gegen jeden“ den Spieler zu ermitteln, der das Recht erhält, im November den norwegischen Weltmeister Magnus Carlsen zum Titelkampf herauszufordern. Kandidatenturnier nennt sich das. So weit, so gut. Doch dieses Turnier ist mehr. Es ist für die Teilnehmer ein Art Vorhof zur Hölle. Denn hier zerplatzen Titelträume, hier sterben Hoffnungen, und heiß gehandelte Newcomer müssen erkennen, dass ihr Talent groß, aber (noch) nicht groß genug ist, um den allerletzten Schritt zu tun. Allerdings: Beim Kandidatenturnier werden auch Helden geboren, und Karrieren erhalten den großen Schub.

Wie enorm der Druck für die Spieler ist, zeigte sich beim Kandidatenturnier 2013 in London, als in der letzten Runde Magnus Carlsen und Ex-Weltmeister Vladimir Kramnik ihre Partien verloren. Die Nerven! Carlsen wurde nur über die bessere Feinwertung (quasi das Torverhältnis) zum Sieger erklärt. Der Weg zum WM-Titel war bereitet.

Auch dieses Mal könnte es eng zugehen. Selten war das Spielerfeld so ausgeglichen. Es gibt keinen Favoriten. Auch von „Vishy Anand“, dem 46-jährigen Ex-Champ aus Indien und zuletzt zweifachen WM-Verlierer gegen Carlsen, wird kein Durchmarsch erwartet. Obwohl niemand mit den Druck so gut umgehen kann wie er. Und: Er braucht niemandem mehr etwas zu beweisen. Anders etwa als der Armenier Levon Aronian, der in den vergangenen zwei Kandidatenturnieren zum Favoritenkreis zählte, aber unter dem Druck zerbrach. Die Erwartungen in seinem Heimatland, in dem er mehrfach zum Sportler des Jahres gewählt wurde, sind enorm. Hoch gehandelt werden auch der junge Italiener Fabiano Caruana und der Russe Sergej Karjakin. Etwas weniger wird seinem Landsmann Peter Svidler, dem bulgarischen Ex-Weltmeister Veselin Topalov oder dem Niederländer Anish Giri zugetraut.

Die eigentliche Geschichte aber, die in diesem Turnier steckt und die Schachfans elektrisiert, dreht sich um den US-Amerikaner Hikaru Nakamura. Der Schachstar mit japanischen Wurzeln galt lange als hochbegabt, aber ein wenig unsolide. Im Internet gab er sich dem Bullet-Schach hin, einer Art Turboschach mit nur einminütiger Bedenkzeit für die ganze Partie. In ernsten Turnieren provozierte er seine Gegner mit frechen Varianten und galt als exzellenter Entertainer, aber für höchste Weihen zu wenig ernsthaft. Das hat sich geändert. Nakamura (28) spielt inzwischen scharf, aber solide, erscheint bis an die Zähne bewaffnet mit präziser Variantenkenntnis am Brett und profitiert von einer Zusammenarbeit mit der Schachlegende Gari Kasparow.

Was aber Nakamuras Auftritt in Moskau so verheißungsvoll erscheinen lässt, ist die Aussicht auf den Titelkampf im November. Der findet nämlich in New York statt. Wenn ausgerechnet in den USA zum ersten Mal seit Bobby Fisher wieder ein Amerikaner den Titel attackieren würde, könnte das einen globalen Boom für den Schachsport auslösen. Tatsächlich gilt Nakamura bei den Buchmachern als leichter Favorit, nachdem er zu Jahresbeginn in Gibraltar das stärkste Open der Schachszene für sich entscheiden konnte. In New York beträgt der Preisfonds rund 909 000 Euro, in Moskau etwa 381 000.

Das Turnier können Fans im Internet unter worldchess.com oder bei chess24.com verfolgen. Gespielt wird ab 13 Uhr (MEZ).

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