Modellbahnbranche Märklin produziert mehr in Göppingen

Von Anne Guhlich 

Ein Kind schaut sich das Märklin-Model der historischen Lokomotive Adler an Foto: dpa
Ein Kind schaut sich das Märklin-Model der historischen Lokomotive Adler anFoto: dpa

Weil der Modellbahnbauer Märklin keine großzügigen Rabatte mehr vergibt, sind Umsatz und Auftragslage schwächer. Eine Sonderzahlung für die Beschäftigten gibt es dennoch.

Stuttgart/Göppingen - Seit Sommer ist Florian Sieber (29) Co-Geschäftsführer beim Modellbahnhersteller Märklin – und zieht eine positive Bilanz. „Es macht mir nach wie vor viel Spaß“, sagt er unserer Zeitung. Auch, wenn Veränderungen nicht von heute auf morgen passieren.

„Märklin ist kein Schnellboot“, so Sieber. „Märklin ist eher ein kleiner Tanker.“ Im April 2013 hat mit Simba-Dickie Deutschlands größter Spielwarenhersteller das Traditionsunternehmen übernommen, das 2009 die Insolvenz hinter sich gelassen hat.

Florian Sieber ist der Sohn des Simba-Dickie-Chefs Michael Sieber. Zusammen mit Märklin-Urgestein Wolfrad Bächle will Florian Sieber in den kommenden Jahren das Sortiment erneuern, die Produktpalette erweitern – insbesondere bei der Kinderlinie My World – und die Produktionsprozesse effektiver machen. „Das kann beispielsweise geschehen, in dem wir das Innenleben der Loks einheitlicher aufbauen“, so Sieber.

Auch deshalb sei die Höhe des Umsatzes derzeit nicht die wichtigste Frage bei Märklin. Sieber: „Uns geht es nun darum, das Unternehmen langfristig profitabel und gesund auszurichten.“ Der Umsatz sei zwar eine wichtige Kennzahl, aber nicht allein ausschlaggebend. „Wir haben intern noch viel Potenzial zur Kosteneinsparung, das wir dieses und nächstes Jahr heben können.“

Der Modellbahnhersteller Märklin hat im Geschäftsjahr 2013 deutlich weniger Umsatz gemacht als ursprünglich vorgesehen. „Es war ein Gesamtumsatz von 112 Millionen Euro geplant, wir sind auf 105 Millionen gekommen.“ Trotzdem erhalten die 480 Beschäftigen am Stammsitz Göppingen für 2013 einen Bonus. „Die Sonderzahlung in Höhe von 1,4 Monatsgehältern ist mit dem Mai-Gehalt ausbezahlt worden“, sagt Sieber. Dadurch gleicht das Unternehmen Einbußen aus, die den Mitarbeiter durch den Verzicht auf die Bezahlung nach dem Flächentarifvertrag entstehen.

50 neue Stellen in Ungarn geplant

Mit dem Umsatzrückgang habe Sieber gerechnet, da Märklin die Rabatte für größere Kunden zurückgefahren habe. „Darauf haben wir bewusst verzichtet, damit unsere Händler nicht ungleich behandelt werden, indem sie andere Endkundenpreise verlangen können“, so Sieber.

Märklin verbucht im ersten Quartal über die Hälfte des Gesamtauftragseingangs eines Jahres. Dass Märklin seit diesem Jahr keine großzügigen Sonderkonditionen mehr vergibt, spürt das Unternehmen. Beim Auftragseingang liege Märklin im einstelligen Prozentbereich unter dem Vorjahresniveau“, sagt Sieber.

2014 dürfte demnach auch kein Wachstumsjahr werden. „Es gibt viele kleine Stellhebel, die wir bewegen müssen, um das große Ganze voran zu schieben. Da gibt es keinen Schalter, den man umlegen kann, damit sich automatisch das Wachstum einstellt.“

Den Umsatz von 105 Millionen Euro will Sieber 2014 auf jeden Fall wieder erreichen. „Wenn es mehr wird, wäre das natürlich umso schöner.“ Zum Ergebnis wollte er sich nicht äußern.

Derzeit verlagert Märklin rund zehn Prozent der Produktion von China zurück nach Europa. „Pro Produkt gehen bis zu 40 Prozent der Fertigung nach Göppingen“, sagt Sieber. Dies beträfe vor allem die Metallteile. „Bei unserem Werk in Ungarn liegt der Fokus auf lohnintensiven Arbeiten wie Montage, die Farbgebung und die Kunststoffteile.“ Im Oktober macht Märklin in Ungarn ein neues Werk auf. „Wir werden zusätzlich zu den bestehenden 600 Arbeitsplätzen weitere 50 Jobs schaffen“, sagt Sieber.

In Göppingen entstehen wegen der Rückverlagerung der Produktion keine neuen Arbeitsplätze.

Bewerten
Wie hat Ihnen der Artikel gefallen? Vielen Dank für Ihre Bewertung!
1 Stern 2 Sterne 3 Sterne 4 Sterne 5 Sterne 0.0
Ungewöhnliches Engagement Eine Bankerin für Syrien

Von 25. Mai 2016 - 11:56 Uhr

Eine Direktorin der BHF-Bank engagiert sich für Flüchtlingsprojekte für Frauen. Sie verschafft ihnen über die Online-Plattform Gyalpa ein verlässliches Einkommen.