Modekonzern Hauptversammlung bei Hugo Boss

Von Thomas Thieme 

Die gesamte Modebranche steht unter Druck. Das geht auch an Hugo Boss nicht spurlos vorbei. Foto: dpa
Die gesamte Modebranche steht unter Druck. Das geht auch an Hugo Boss nicht spurlos vorbei. Foto: dpa

Auf den Aktionärsversammlungen von Hugo Boss ging es zuletzt oft um mehr als Aktienkurse und Dividenden. Auch für diesen Dienstag haben sich kritische Aktionäre angekündigt, die mehr Transparenz in der Lieferkette des Modeherstellers einfordern.

Stuttgart - Vorstand und Aufsichtsrat von Hugo Boss stellen sich am Dienstag auf der Hauptversammlung des Modekonzerns den Fragen der Aktionäre. Dabei dürften sowohl wirtschaftliche, als auch ethische Fragen eine Rolle spielen. Der Konzern hat seinen Erholungskurs zuletzt fortgesetzt. Im ersten Quartal 2017 konnte Boss seinen Gewinn deutlich steigern. Die Umsätze stagnierten allerdings erwartungsgemäß. Nach dem rasanten Ausbau des eigenen Filialnetzes in den Vorjahren unter dem Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs hatte dessen Nachfolger Mark Langer die Expansion, die auch mit hohen Kosten verbunden ist, gebremst. Lahrs musste Anfang 2016 gehen, nachdem der Konzern seine Ziele wiederholt nach unten korrigieren hatte.

Sorgen bereitet den Metzingern nach wie vor das Online-Geschäft, das im ersten Quartal um 27 Prozent eingebrochen ist und bisher nur einen kleinen Teil der Gesamtumsätze, etwa fünf Prozent des Einzelhandelsgeschäfts, ausmacht. Hier erwarten die Aktionäre Antworten auf die Frage, wie Boss die Digitalisierung im Vertrieb, aber auch bei den internen Logistik-Prozessen voranbringen will.

Aktionärsversammlungen waren in den vergangenen Jahren auch immer eine Plattform, auf der Kritik an der mangelnden Transparenz der Lieferkette des Modeunternehmens geäußert wurde. Auch in diesem Jahr haben sich Vertreter von Menschenrechtsgruppen angekündigt. Die Frauenrechtsorganisation Femnet hatte Hugo Boss bereits im Vorfeld der Hauptversammlung aufgefordert, dem positiven Beispiel anderer großer Hersteller zu folgen und seine Nähereien in Asien offenzulegen: Informationen über Fabriken, in denen Markenkleidung hergestellt wird, würden lokalen und internationalen Nichtregierungsorganisationen dabei helfen, Missstände und Arbeitsrechtsverletzungen bei Zulieferern früher aufzudecken.

Lesen Sie jetzt