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Mode im Büro Zu kurze Säume und tiefe Ausschnitte

Von Heidemarie A. Hechtel 

Selbst ein zartes Rosa ist im Büro erlaubt Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Selbst ein zartes Rosa ist im Büro erlaubtFoto: Lichtgut/Max Kovalenko

Der Business-Look im Büro hat seinen eigenen Dresscode. Doch müssen Sachlichkeit und Strenge allein den Business-Look auszeichnen? Muss Frau ihre Weiblichkeit mit dem Berufs-Outfit herunterspielen? Wir haben eine Expertin gefragt.

Stuttgart - Die große modische Freiheit endet nicht erst im Kanzleramt oder in Vorstandsetagen, sondern hinter vielen Bürotüren und Countern. Denn der Business-Look hat seinen eigenen Dresscode. Männer tun sich da leicht: Anzug, schickes Hemd und als Farbtupfer eine Krawatte. Aber ja nicht zu exzentrisch! Erst am Casual Friday darf in Erwartung des Wochenendes auf den Schlips verzichtet werden. Und die Frauen? Machen es den Männern nach. Im Hosenanzug. Dann kann nichts schiefgehen. Dass die Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler (Schaeffler GmbH, geschätzte 6,5 Milliarden US-Dollar schwer) die maskuline Anleihe auf die Spitze treibt und in Herrenanzügen samt Krawatte dem Vorstand vorsitzt, dürfte eher Attitüde und Statement sein.

Müssen Sachlichkeit und Strenge allein den Business-Look auszeichnen? Muss Frau ihre Weiblichkeit mit dem Berufs-Outfit herunterspielen? Oder darf man an der netten Dame hinterm Bankschalter auch modischen Pfiff bewundern?

„Aber sicher“, beantwortet Joachim Aisenbrey, Geschäftsführer im Modehaus Breuninger, die letzte Frage. „Natürlich fühlen sich Frauen im Hosenanzug bei öffentlichen Auftritten, bei Meetings oder Präsentationen am sichersten.“ Da muss nicht drüber nachgedacht werden, ob man durch zu viel modische oder farbige Extravaganz Anstoß erregt, ob der Saum von Rock oder Kleid hochrutscht und zu viel Einblick gewährt oder man sich in letzter Minute die Strümpfe durch eine Laufmasche ruiniert hat. Die Anwältin von Beate Zschäpe, der Haupt-Angeklagten im NSU-Prozess, trete beispielsweise vor Gericht nur noch im schwarzen Hosenanzug auf. Kalkulierte Dezenz, nachdem Öffentlichkeit und Presse ihr die anfänglich bevorzugte Designer-Garderobe prompt übel nahmen. „Aber es gibt keine echten Regeln“, versichert der Mode-Experte.

Der Business-Look darf feminin sein

Also darf der Business-Look auch sehr viel weiblicher daherkommen? „Gewiss doch“, bestätigt Aisenbrey. „Auch in Hosen.“ Denn an den Beinkleidern führt kein Weg vorbei, aber Aisenbrey würde nie zu so starken Kontrasten raten, wie sie Angela Merkel bevorzugt: „Die Abstimmung von passenden und ineinander übergehenden Farben ist eleganter.“ Wie bei der Kombination von schmaler Hose und tailliertem Blazer in den aktuellen Nude- und Grautönen. Dazu ein Seidentop, graue Pumps mit gemäßigtem High Heel und drüber ein Poncho mit Karodessin in Grau-Weiß. Von René Lezard, wie die Label Windsor, Max Mara, Boss oder, allerdings eine Preisklasse höher, Armani, Spezialist für diesen Look.

Von Max Mara Studio ist der Hosenanzug aus Seidenjacquard in einem zarten Rosé-Ton, so angesagt wie Hellblau in allen Schattierungen des Himmels. „Perfekt für Mee-tings und auch noch den anschließenden Empfang“, kommt Aisenbrey fast ins Schwärmen. Allerdings nicht, wenn miese Bilanzen und Personalabbau auf der Tagesordnung stehen. Dann trage man besser graue oder schwarze Tristesse. zur Schau.

Röcke und Kleider sind keineswegs tabu. Ein schwarzer Rock wird mit schwarzer ärmelloser Bluse mit Spitzeneinsatz und einer zierlichen Bolerojacke im Nude-Ton kombiniert. Hochelegant. „Der Rock muss in der neuen Maxilänge sein“, betont Aisenbrey diktatorisch. Gewöhnungssache. Bewahrt aber vor modischen Fehltritten. Die Wickelkleider von der New Yorker Designerin Diane von Fürstenberg oder von Missoni garantieren Weiblichkeit pur ohne aufdringliche Dominanz. Und das Fürstenberg-Modell in einem kräftigen Blau mit weißem Farnmuster widerlegt in der Kombination mit einem schwarzen Jackett das Vorurteil, dass sich Blau und Schwarz nicht vertragen. „Das ist absolut Mailand, Via Montenapoleone“, bejubelt Aisenbrey den Stil, der in der Designer-Meile der italienischen Modemetropole zu Hause ist.

Ein zu kurzer Rock oder zu tiefer Ausschnitt gehen nicht

Zur Klientel für diesen Stil gehört nicht nur die relativ kleine Kaste der Karriere-Frauen aus den oberen Etagen. Dazu zählen neben Richterinnen und Anwältinnen auch Frauen aus kreativen Berufen. Die nehmen sich die Freiheit, auch mal ein stark gemustertes Top zu Jeans oder Hosen im skinny-schmalen Leggingsstil zu tragen. Wohingegen den wadenkurzen Culotte-Hosen noch kein großer Erfolg beschieden ist.

Was geht gar nicht? „Wenn man das Busi-ness mit dem Club verwechselt“, bringt es Aisenbrey auf den Punkt: der Rock zu kurz, der Ausschnitt zu groß, das Chichi zu viel. Aber auch die Wahl der falschen Farben sei ein Kardinalfehler: „Verboten ist alles, was schreit, Rot ist daher problematisch.“

Das lenkt den Blick wieder nach Berlin. Gute Noten verteilt der Experte an die Politikerinnen Manuela Schwesig, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, und Sahra Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende der Linken. Beide tragen Röcke, Kleider, gern in Rot, gar nicht hoch-geschlossen und zugeknöpft. Geht doch.

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