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Mobbing unter Flüchtlingen Christen fordern eigene Asylunterkunft

Von Jürgen Bock 

Am Sturmvogelweg in Neugereut entstehen derzeit zwei Systembauten – christliche Flüchtlinge wollen dort am liebsten unter sich sein. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Am Sturmvogelweg in Neugereut entstehen derzeit zwei Systembauten – christliche Flüchtlinge wollen dort am liebsten unter sich sein.Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Unter den Flüchtlingen, die in die Region kommen, finden sich nur wenige Christen. Das führe, so klagen manche, zu Mobbing in den Unterkünften. Assyrer aus Syrien und dem Irak hoffen deshalb darauf, künftig in Neugereut untergebracht zu werden.

Stuttgart - Seinen Namen in der Zeitung lesen will der junge Mann aus Syrien nicht. Das hat einen ganz speziellen Grund: Er ist Christ. Das sollte in Deutschland, könnte man meinen, eigentlich nichts Besonderes sein. Doch der 22-Jährige sieht das anders: „Dieses Land bevorzugt Muslime. Das hätte ich nie gedacht“, sagt er. Seine Einschätzung rührt aus den Erlebnissen, die er in den vergangenen Monaten in verschiedenen Unterkünften in Baden-Württemberg hatte. „Als Christ wird man Opfer von Unterdrückung. So war es in der Heimat – und so ist es leider auch hier.“

Immer wieder werden Vorwürfe laut, die Minderheit der christlichen Flüchtlinge habe häufig in den engen Massenunterkünften besonders zu leiden. Die Rede ist davon, dass ihnen zum Beispiel von den vorwiegend muslimischen Mitbewohnern verboten ­werde, Schweinefleisch zu essen oder im Kühlschrank zu lagern. Auch am selben Tisch sitzen dürfen sie nicht. Von verbalen Auseinandersetzungen wird ebenso berichtet wie von körperlichen Übergriffen.

„Unsere Leute haben Angst vor der großen Masse der muslimischen Asylsuchenden“, sagt ein Sprecher der Assyrischen Gemeinde in Stuttgart. Auch er will aus Furcht vor den Folgen seiner Aussagen anonym bleiben. Assyrer sind Christen unterschiedlicher Konfessionen, die vorwiegend aus ­Syrien und dem Irak stammen, dort aber seit einiger Zeit systematisch tyrannisiert und vertrieben werden.

Assyrer beklagen, Muslime würden in Deutschland bevorzugt

Ähnliches erlebten sie nun hier, klagen sie: „Die meisten haben Angst und haben das Vertrauen in die Behörden und Sozialarbeiter verloren“, sagt der Sprecher. Weder die Bundesregierung noch die örtlichen Ansprechpartner wollten etwas von dem Problem hören. ­Inzwischen habe sich überall herumgesprochen, „dass das christliche Deutschland hauptsächlich islamfreundlich gesinnt ist und dass deshalb Christen gemobbt werden dürfen, ohne dass die Täter bestraft werden“. Die Vorfälle von Köln und Stuttgart in der Silvesternacht haben diese Befürchtung noch einmal bestätigt, allerdings klagen speziell die Assyrer schon deutlich länger über die Situation.

In Stuttgart erhebt die Assyrische Gemeinde jetzt die Forderung, christliche Flüchtlinge möglichst gemeinsam unterzubringen, um Konflikte zu vermeiden. Sie bittet darum, die beiden neuen Systembauten, die derzeit in Neugereut entstehen, dafür zu nutzen. „Wir berufen uns dabei auf Ministerpräsident Winfried Kretschmann“, teilt die Gemeinde mit. Er habe befürwortet, ­wegen Streitigkeiten zwischen unterschiedlichen Nationalitäten und Glaubensrichtungen verschiedene Gruppen getrennt unterzubringen. Andernorts werde das vereinzelt bereits praktiziert.

Neugereut kommt für die Betroffenen deshalb infrage, weil die Assyrische Gemeinde im benachbarten Steinhaldenfeld eine Kirche und den dazugehörigen Gemeindesaal für Gottesdienste und Treffen nutzt. Außerdem gibt es dort bereits einen Helferkreis, der sich um die Gruppe kümmert, die bis weit hinaus in die Region in Kontakt untereinander steht.

Ein Helferkreis bittet die Stadt um Unterstützung

„Selten wären die für die Integration nützlichen und förderlichen Bedingungen so günstig wie gerade hier“, heißt es in einem Brief, den der Helferkreis an das Sozialamt der Stadt Stuttgart verfasst hat. Darin wird deshalb die Bitte geäußert, in die neue Unterkunft in Neugereut „in erster Linie christliche Flüchtlinge einzuweisen“. So ­ließen sich Konflikte vermeiden.

Bei der Stadtverwaltung stößt die Forderung auf wenig Gegenliebe. „Es gibt zwar in manchen Unterkünften immer mal wieder Stress zwischen Christen und Muslimen, dem muss man aber jeweils im Einzelfall nachgehen“, sagt Stefan Spatz. Der Leiter des Sozialamts hält nichts von getrennter Unterbringung: „Das ist grundsätzlich der falsche Weg. Unsere Unterkünfte sind so ­etwas wie die Vereinten Nationen in klein. Die Leute müssen spätestens hier lernen, miteinander klarzukommen.“ Die Sozialarbeiter sorgten dafür, dass die Menschen ordentlich miteinander umgingen.

In Ausnahmefällen, etwa nach größeren Streitigkeiten, hat allerdings auch die Stadt schon einzelne Gruppen in andere Quartiere verlegt. Dass die christlichen Flüchtlinge ihre eigene Unterkunft bekommen, ist aber dennoch unwahrscheinlich.

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