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Mit "Wenn-Dann-Plänen" zum Erfolg

"Filder-Zeitung", vom 08.09.2010 02:41 Uhr
Esslingen. Das Private Gymnasium hofft auf Fördermittel für einForschungsprojekt über die Lernstörung. Von Wolfgang Berger

Wissenschaftler aus Frankfurt planen am Privaten Gymnasium Esslingen eine Studie, die sich mit dem Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) beschäftigt. Die Forschungsarbeit zielt darauf ab, neue Erkenntnisse der neuropsychologischen Forschung im Schulalltag anzuwenden. Laut Caterina Gawrilow von der Goethe-Universität geht es dabei um "Lehrerintervention". Den Lehrern soll vermittelt werden, wie sie AD(H)S-Schüler dazu bringen können, durch Selbstkontrolle und Selbstregulation ihre Leistungen zu verbessern.

Ein Baustein des Konzepts ist es, gemeinsam mit den Jungen und Mädchen "Wenn-dann"-Pläne aufzustellen. Wenn etwa eine Schülerin im Unterricht ständig von einer anderen Schülerin gestört werde, dann solle sie lernen zu sagen: "Wir reden später darüber." Erste Erfahrungen hätten gezeigt, dass solche "Wenn-dann"-Pläne "sehr positive Effekte" haben, so die Frankfurter Professorin. Sie seien geeignet, bei AD(H)S-Schülern dieselben Leistungen hervorzurufen wie bei Schülern ohne die Lernstörung. Schulleiter Thomas Dahm hofft, dass die Robert-Bosch-Stiftung eine Zusage über Fördermittel gibt, über die das auf mindestens ein Schuljahr angelegte Projekt finanziert werden soll.

Die Frankfurter Wissenschaftler wollen zusätzlich auch die Qualität der pädagogischen Arbeit am Esslinger Gymnasium untersuchen und bewerten. "Das soll helfen, dass wir künftig noch besser und erfolgreicher auf die Bedürfnisse von Schülern und Eltern eingehen können", sagt Thomas Dahm. Die Zusammenarbeit mit den Forschern soll auch dabei helfen, die Schule zu einem, so Dahm, "Multiplikator" im Umgang mit Kindern und Jugendlichen zu machen, die unter der Lernstörung leiden. Gerade an den öffentlichen Schulen, so der Schulleiter, gebe es noch "erhebliche Defizite beim Verständnis und beim erfolgreichen Begegnen mit AD(H)S". Gerade unter der Lehrerschaft möchte das private Gymnasium laut dessen Leiter zu einer Versachlichung der Debatte beitragen.

Nach wie vor ist die Einrichtung mit derzeit 81 Schülern die bundesweit einzige ihrer Art. Das vor drei Jahren unter der Bezeichnung Münsinger Schule gestartete Gymnasium geriet nach einem Jahr in wirtschaftliche Schieflage und musste schließlich Insolvenz anmelden. Die Zukunft der Einrichtung blieb über Wochen hinweg ungewiss. Schließlich kam es zur Trennung vom Internat in Münsingen und zum Neustart unter neuem Namen.

Inzwischen befindet sich die Schule wieder auf Kurs und rechnet bis in einem Jahr mit der staatlichen Anerkennung. Damit verbunden wären Zuschüsse, die den Betrieb des Gymnasiums sichern helfen sollen. Dahm zeigt sich zuversichtlich, dass die Schule diese Hürde nimmt. Inzwischen seien die Strukturen weiter ausgebaut worden. Das schuleigene Curriculum stehe, und die naturwissenschaftliche Sammlung sei komplettiert worden.

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