Voller Elan in die Unternehmensgründung - und gelandet wird oft auf der Nase. Das kommt bei jungen Leuten auch deshalb vor, weil es ihnen naturgemäß an Erfahrung fehlt. Genau an diesem Punkt setzt der Verein "Senioren helfen Junioren" an. Das 1987 in Böblingen gegründete Projekt hat es sich zum Ziel gesetzt, jungen Menschen bei der Existenzgründung zur Seite zu stehen. 35 Berater in Baden-Württemberg - ehemalige Unternehmer oder leitende Angestellte -, die auf 1750 Jahre Berufserfahrung kommen, sind derzeit für den Verein tätig. Die Bereiche, in denen die Wirtschaftssenioren den Jungunternehmern zur Seite stehen, reichen von Industrie, Handel und Handwerk bis zum Dienstleistungsbereich und freien Berufen.
Zukünftig bietet der Verein seine ehrenamtlichen Beratungen auch in Leonberg an. Der städtische Wirtschaftsförderer Michael Meier hatte beim Leonberger Unternehmerempfang im November vergangenen Jahres über Dieter Zimmermann den Kontakt zu der Initiative hergestellt. Der einstige IBM-Manager ist seit Mitte 2004 bei "Senioren helfen Junioren" aktiv. "Die Konstellation mit dem Verein erschien mir ideal. Nach einem weiteren Gespräch haben wir uns dann auf eine Zusammenarbeit geeinigt", erklärt Meier. Zimmermann stimmt dem Wirtschaftsförderer zu: "Es ist immer ein tolles Gefühl, wenn man merkt, dass man anderen Menschen durch seine Erfahrung helfen kann und dass man noch gebraucht wird."
Das Schaffen der Initiative beschränkt sich allerdings nicht nur auf Beratungen bei der Gründung eines Unternehmens. "Wir stehen natürlich auch bei Fragen zur Unternehmenssicherung oder im Rahmen einer Unternehmensnachfolge zur Verfügung", erklärt Zimmermann. Bei einer Existenzsicherung kommen die Berater in den Betrieb, um sich ein Bild der Lage zu machen. "Wir überprüfen dann zum Beispiel, wo man Vorgänge optimieren und damit Geld einsparen kann", so Zimmermann.
Die erste Stunde einer Beratung ist bei "Senioren helfen Junioren" kostenlos, etwaige Folgestunden kosten dann eine geringe Aufwandsentschädigung. "Wir wollen uns damit auch von der klassischen Unternehmensberatung abgrenzen, weil diese nicht für jeden notwendig ist", erklärt Zimmermann und ergänzt: "Oftmals reicht es, wenn man den Leuten bei den Grundlagen einer Unternehmensgründung, wie etwa der Erstellung eines Businessplans hilft." Folgene Fragen werden gestellt: Was will ich mit meinem Produkt erreichen, wie vermarkte ich es, wie viel kann ich investieren? "Wenn das geklärt ist, kann man in vielen Fällen schon absehen, wie groß die Erfolgsaussichten sind", sagt Zimmermanns Kollege Jürgen Erlewein, der seit kurzem das Beraterteam der Initiative verstärkt.
Wie wichtig entsprechende Beratung bei der Unternehmensgründung ist, zeigt eine Studie aus dem Jahr 2006. Damals wurden in Baden-Württemberg rund 94 000 Existenzgründungen angemeldet. Die Erfolgsquote der jungen Unternehmer, die sich vor und während der Gründung beraten ließen, lag bei 66 Prozent, während von jenen Personen ohne Beratung nur jeder Dritte mit seinem Unternehmen am Markt bestehen konnte.
Der Wirtschaftsförderer Michael Meier will die Initiative nun Schritt für Schritt in der Leonberger Wirtschaftswelt etablieren. "Wir wollen daraus ein institutionalisiertes Beratungsangebot mit regelmäßigen Terminen machen", erklärt er. Bis das Projekt richtig laufe, brauche es wohl allerdings noch einige Zeit. Dieter Zimmermann und Jürgen Erlewein ist deshalb jedoch nicht bange. "Wir sind davon überzeugt, dass das Angebot auch in Leonberg gut angenommen werden wird. Es ist wie so oft im Leben: Gut Ding will Weile haben", sagen die Wirtschaftssenioren.
Zeitplan Die nächsten Termine: 18. Oktober, 15. November, 13. Dezember, von 14 bis 17 Uhr. Die Anmeldung erfolgt über Wirtschaftsförderer Michael Meier. E-Mail: mem@leonberg.de