Mit der Paläo-Diät Schlank wie in der Steinzeit

Von Sandra Dambacher 

Familie Feuerstein zeigt, was Steinzeit-Ernährung bedeutet: Eine ordentliche Portion Fleisch. Foto: Verleih
Familie Feuerstein zeigt, was Steinzeit-Ernährung bedeutet: Eine ordentliche Portion Fleisch. Foto: Verleih

Vertreter der Paläo-Diät behaupten, endlich die richtige Ernährung des Menschen gefunden zu haben: Sie essen wie Steinzeitmenschen keine verarbeiteten Lebensmittel wie Käse oder Brot, dafür umso mehr Fleisch. Experten sehen darin durchaus Vorteile, sparen aber auch nicht mit Kritik.

Ludwigsburg - Der menschliche Verdauungstrakt ist nicht für die moderne Ernährung gemacht, sondern hängt noch in der Steinzeit fest – davon zumindest geht Paläo-Diät-Erfinder Loren Cordain aus. Auf seinen Tisch kommen deshalb nur Lebensmittel, die unseren Vorfahren bereits zugänglich waren und die nicht von der Industrie bearbeitet wurden: Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse.

Getreide- und Milchprodukte hingegen konsumiert der Mensch erst, seit er vor rund 10 000 Jahren sesshaft geworden ist. Spaghetti, Käse und Brot sind bei der Paläo-Diät also tabu. Auch Bonbons und Schokolade kannten die Steinzeitmenschen nicht. Mit raffiniertem Zucker Gesüßtes steht erst seit etwa 250 Jahren auf dem Speiseplan.

Viele Anhänger hat die Paläo-Diät vor ­allem in Hollywood. Aber auch Felix ­Olschewski, Autor von Paläo-Kochbüchern, behauptet, damit zwanzig Kilo in nur neun Monaten abgenommen zu haben. Seit fünf Jahren hält der 30-Jährige sein Gewicht. Er führt das vor allem auf das Weglassen von sogenannten leeren Kohlenhydraten zurück, wie sie in Getreideprodukten und zuckerhaltigen Lebensmitteln vorkommen. Diese Kohlenhydrate setzten sich schnell als Fettpölsterchen fest. Dazu komme die Zuckerspirale: Süßes lässt den Blutzuckerspiegel hochschnellen, danach fällt er rapide ab – von langfristiger Sättigung keine Spur. Die Folge: erneuter Hunger auf Süßes.

Zuviel tierisches Eiweiß schadet der Gesundheit

Laut einer im „Journal of Diabetes ­Science and Technology“ veröffentlichten Studie kann sich die Steinzeiternährung ­tatsächlich positiv auf die Blutzuckerwerte auswirken und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken. Und einer ­Studie aus dem „Journal of Nutrition and Metabolism“ zufolge soll die Steinzeitdiät besonders gut sättigen und dadurch ­Übergewicht effektiv vorbeugen.

Allerdings werden in der Steinzeiternährung deutlich weniger Kohlenhydrate, aber mehr Fette und Eiweiße aufgenommen, als generell empfohlen wird. Die Proteinzufuhr ist bei vielen Deutschen jedoch bereits erhöht. Ernährungswissenschaftler raten deswegen davon ab, diese noch weiter zu steigern. Denn die Zufuhr von zu viel tierischem Eiweiß kann sich negativ auf unsere Gesundheit auswirken.

Lebensmittelchemiker Udo Pollmer hält die Paläo-Diät aus ganz anderen Gründen für Quatsch. Er bezweifelt, dass sich der menschliche Verdauungstrakt noch auf der gleichen Entwicklungsstufe wie in der Urzeit befindet. Das zeige schon der Blick auf das Gebiss des Menschen. „Im Gegensatz zu den Schimpansen sind wir nicht in der Lage, mit unseren Zähnen Beutetiere zu zerreißen, zu verschlingen und zu verdauen.“

Menschen hätten ein harmloses kleines Gebiss und keine Schnauzen mit starken Kiefern. Damit könnten sie vor allem zubereitete Nahrung kauen. „Deshalb schälen, mahlen und kochen wir unsere Nahrung, bevor wir sie essen. Wir haben einen Teil der Verdauungsarbeit in die Küche ausgelagert“, sagt der Ernährungsexperte.

Wissen, was Steinzeit-Menschen nicht gegessen haben

Pollmer gibt außerdem zu bedenken, dass es weltweit nicht die eine Steinzeit-Ernährung gab. „Früher wurde vor allem ­gegessen, was nährt, was verfügbar und ­genießbar war“, so Pollmer. In Polargebieten seien es Walfett und Robbenspeck gewesen, in den Steppen und Hochebenen lebten die ­Menschen von Fleisch und der Milch ihrer Herden. In den Tropen gab es Fleisch, Obst und Insekten. „Erhitzt wurde das ­Essen auch damals schon“, sagt Pollmer. Die ­Nutzung des Feuers zur Zubereitung von Nahrung kennzeichne die Menschwerdung.

Der Paläo-Diät-Anhänger Felix Olschewski gibt zu: „Wir wissen nicht genau, was die Menschen in der Steinzeit wo gegessen haben. Aber wir wissen, was sie nicht gegessen haben.“ Es gehe bei Paläo nicht darum, Würmer zu vertilgen, sondern Lebensmittel möglichst unverarbeitet zu essen. Und ganz streng ist selbst Olschewski damit nicht: „Wenn ich in Frankreich bin, esse ich auch mal ein Croissant.“ Es wolle keine Religion aus der Ernährung machen, sondern ein Bewusstsein für die Bedürfnisse des Körpers entwickeln. Und ihm tue diese Essensauswahl einfach gut.

Zumindest in diesem Punkt ist er sich mit Udo Pollmer einig, der betont: Um sich optimal zu ernähren, brauche der Mensch eine möglichst große Vielfalt an Nahrungsmitteln. „Aus diesen kann er dann das auswählen, was ihm guttut und schmeckt.“

Tipps für Rezepte nach der Paläo-Diät gibt Felix ­Olschewski im Netz unter: www.urgeschmack.de

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