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Ministerium widerspricht Studie attestiert "Stuttgart 21" Mängel

ddp/bwb, vom 07.07.2010 13:10 Uhr
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 Foto: Hörner
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Hamburg - Ein nun bekannt gewordenes Arbeitspapier weist auf potenzielle Mängel an dem umstrittenen Verkehrsprojekt „Stuttgart 21“ hin. Die in Zürich ansässige Firma SMA befürchte laut ihrer vor zwei Jahren vorgelegten Untersuchung, dass die Fahrzeiten länger würden und der Fahrplan nur „in geringem Maße“ gestaltet werden könne, berichtete das Nachrichtenmagazin „Stern“ am Mittwoch vorab. Kritiker des Projekts sahen sich in ihrer Position bestätigt und forderten einen Baustopp. Das Umwelt- und Verkehrsministerium wies die Vorwürfe zurück und betonte, dass man auf die Ergebnisse der Verkehrsplaner bereits reagiert habe.

SMA arbeitet nach Angaben des „Stern“ häufig mit der Deutschen Bahn zusammen und ist eines der wenigen Ingenieurbüros weltweit, das die komplexen Strukturen eines Fahrbetriebs exakt analysieren kann. Die Verkehrsexperten monieren bei „Stuttgart 21“ ein „hohes Stabilitätsrisiko“ und eine „knapp dimensionierte Infrastruktur“. Der Vorstandsvorsitzende von SMA, Giuliano Montanaro, sagte auf ddp-Anfrage, dass er sich nicht zu dem Vorgang äußern dürfe.

Ein Sprecher des Verkehrsministeriums sagte gegenüber ddp, dass die Verkehrsplaner von SMA die Auswirkungen von „Stuttgart 21“ auf den Regionalverkehr untersucht und 2008 ein Arbeitspapier vorgelegt hätten. „Es war genau die Aufgabe von SMA, etwaige Schwierigkeiten, die sich ergeben könnten, frühzeitig aufzuzeigen, um auf dieser Grundlage dann auch Lösungen zu finden“, fügte er hinzu. Ausgehend von den Ergebnissen der Züricher Ingenieure seien dann Lösungen für die aufgeworfenen Fragen erarbeitet worden, die seit April 2009 auch im Internet veröffentlicht seien. Derzeit erprobe die Deutsche Bahn das neue Konzept in Digitalsimulationen, fügte er hinzu.

Der „Stern“ berichtete, dass das Dokument unter Verschluss gehalten worden sei. Kritiker des Projekts, darunter der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und die Grünen, forderten die Landesregierung auf, das Dokument öffentlich zu machen und gleichzeitig einen Baustopp über „Stuttgart 21“ zu verhängen. Der Sprecher des Verkehrsministeriums betonte, dass es nicht üblich sei, Arbeitspapiere zu veröffentlichen. Geheim sei das Dokument nicht gewesen.

Das Projekt „Stuttgart 21“ sieht eine Verlagerung des Hauptbahnhofs unter die Erde vor. Der Widerstand in der Bevölkerung gegen die Baumaßnahme wächst kontinuierlich, insbesondere seit Beginn der Baumaßnahmen Anfang Februar. Am Samstag (10. Juli, 13.00 Uhr) findet in Stuttgart eine große Protestveranstaltung mit Sternmärschen gegen den neuen Hauptbahnhof statt.

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Winfried Kretschmann kündigte an, die Proteste gegen „Stuttgart 21“ so lange fortzusetzen, bis es „offenkundig nicht mehr geht“. Auf einen konkreten Zeitpunkt wollte er sich nicht festlegen. Seine Partei erwarte eine weitere Kostenexplosion bei der Neubaustrecke und lasse dies nun prüfen, sagte er. „Ich halte es nicht nur für legitim, sondern für geboten, mit allen rechtstaatlichen Mitteln zu kämpfen, solange es geht“, sagte er.

 

Kommentare (44)
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JUL
12
15:41 Uhr, geschrieben von Ungläubiger K-Mensch
Dr. Vieregg wusste vor Kurzem noch nichts von einer Lösung der Probleme im Fildertunnel
Schade, dass das Ministerium seine Problemlösungen aus der SMA-Studie nicht rechtzeitig publik gemacht hat. Im Vortrag Dr. Vieregg in der Filderhalle Leinfelden wären sonst die wichtigsten Argumente weg gewesen, zum Beispiel bei der Kapazität des Fildertunnels am Flughafen. Oder sind die Beteuerungen des Verkehrsministerium etwa Ausflüchte und Notlügen? Wer nach der SMA-Studie noch an die Segnungen von Stuttgart 21 für den Bahnverkehr glaubt, ist mit dem Puderbeutel geklammert. Hört doch endlich auf mit Murks 21 (der Stern-Artikel fasst das SMA-Gutachten so zusammen: "Das ist Unsinn, was ihr da macht"). Oben bleiben!
JUL
10
19:19 Uhr, geschrieben von M. Stocker
Wir würden gerne etwas prüfen, wenns recht ist
@Harry Plotter: "Warum solte das Ministerium ein inzwischen überholtes Gutachten veröffentlichen. Nur damit die Gegner genüsslich daraus veraltete Projektstände zitieren können? So blöd kann man doch nicht sein wollen? Die Anregungen des Gutachtens sind inzwischen in entsprechende Maßnahmen eingeflossen." Wir würden genau das gerne überprüfen, was von den Projektbetreibern tatsächlich behoben worden ist. Ein Larifari-Schrieb aus dem Innenministerium reicht uns nicht. Die Gefahr, dass Gegener daraus zitieren können, müssen Sie leider eingehen. Das nennt man offene, demokratische, transparente Politik. Und es wäre uns S21-Gegnern schon recht, wenn unsere Kleinautokraten so schlau, nicht blöd sein wollten. Blöde ist nur die Trickbetrügerei der S21-Befürworter, die uns den Wortlaut des SMA-Gutachtens (und die internen Wirtschaftlichkeitsrechnungen der DB-AG zu S21) immer noch unterschlagen wollen.
JUL
10
09:27 Uhr, geschrieben von DeGrabb
Demonstrationen gegen S21
@ fakten und die anderen S21 - Beführworter, die gern hätten, dass die Demonstrationen und Widerstandsaktionen ein Ende haben. Ich gebe Euch mal ein Tipp, wie Ihr all das beenden könnt: Einfach eine Bürgerbefragung oder Bürgerentscheid herbeiführen. Da S21 das bestgeplante, schönste, alternativloseste Verkehrsprojekt aller Zeiten ist, gegen das sich ohnehin nur ein paar hundert Krakeler wehren, werdet Ihr so eine Abstimmung sicher problemlos zu gewinnen. Die Bürger sind nicht dumm - die verstehen das alles, wenn Ihr es ihnen erklärt und belastbare Zahlen und Fakten liefert. Ganz sicher: Sobald Ihr die Legitimation der Bevölkerung habt, wird der Widerstand in sich zusammen fallen. Es ist vermutlich schon so, dass die Teilnehmerzahlen bei den Montagsdemonstrationen schwanken. Aber eins ist ganz sicher: Wenn es gelingt, schon über ein halbes Jahr Woche für Woche eine solche große Zahl von Menschen zu mobilisieren, dann muss die Wut und der Ärger in der Bevölkerung sehr groß sein. Denn die Menschen sind zunächst einmal eher träge - die, die schlussenlich zu einer Demonstration gehen, die bilden nur die "Spitze eines Eisberges". Und darunter brodelt es. Ich bin gespannt, was in Stuttgart los sein wird, wenn Ihr Teile des Bahnhofs abreißt und den schönen Park verwüstet. Ich persönlich glaube ja nicht, dass Ihr Euch das vor den Landtagswahlen traut. Die offene Wunde mitten in der Stadt würde sich sicher deutlich an der Wahlurne bemerkbar machen. Ihr werdet sicher Gründe finden, warum der Termin verschoben werden muss - und das ist auch gut so. Das wird der Ausdruck des Erfolges des Widerstandes sein.
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Ja sicher, die Eisschicht kann doch jederzeit brechen
Weiß nicht. Jeder sollte selbst entscheiden, ob er sich aufs Eis wagt
Das ist übertrieben. Man wird dort ja wohl mal Schlittschuhlaufen dürfen
 
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