Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren

Minister Köberle Der heikle Spendenaufruf

Frank Krause, vom 18.02.2011 12:35 Uhr
Agrarminister Rudolf Köberle Foto: dpa
Agrarminister Rudolf Köberle Foto: dpa
Siehe auch

Stuttgart/Karlsruhe - Ministerpräsident Mappus ist sicher, dass die CDU die Landtagswahl gewinnen wird, man dürfe sich jetzt nur keine "Schrittfehler mehr leisten", sagt er. Aber einen solchen hat Landwirtschaftsminister Rudi Köberle nun gemacht.

Eigentlich muss Rudolf Köberle in seiner Heimat keine Plakate mit seinem Konterfei mehr aufstellen und keine Handzettel bei Wind und Wetter verteilen. In Oberschwaben kennt quasi jedermann den Landwirtschaftsminister, den Freund der Blasmusik nennen alle einfach nur den "Rudi". Aber in diesen Tagen, da die Südwest-CDU für den Machterhalt bei der Landtagswahl am 27. März kämpft, wird auch in Ravensburg und Umgebung eifrig Wahlkampf gemacht. Und das kostet. Nach Recherchen unserer Zeitung investieren die meisten Kandidaten der im Landtag vertretenen Parteien mindestens 20000 Euro, einige sogar über 30.000 Euro für den Wahlkampf - vom Druck des Prospekts über die Plakate bis hin zur Saalmiete für Veranstaltungen. Da liegt es nahe, um Spenden zu werben.

Und genau dabei ist Köberle - einem engen Vertrauten von Ministerpräsident Stefan Mappus - nun ein peinlicher Fehler unterlaufen. Der CDU-Kreisverband Ravensburg verschickte jüngst einen Spendenbrief samt Überweisungsformular an diverse Unternehmer in der Region. "Helfen Sie uns im vor uns liegenden Wahlkampf auch finanziell", heißt es in dem Schreiben, das von Köberle (Wahlkreis Ravensburg) und seinem Landtagskollegen Paul Locherer (Wahlkreis Wangen) unterzeichnet wurde. Und weiter heißt es: "Wir müssen alles dafür tun, dass unser Land, das auch dank Ihres großen Engagements und der unternehmerischen Leistung zum erfolgreichsten Bundesland wurde, der Abstieg in die grün-rote Drittklassigkeit erspart wird."

"Bedauerlicher Fehler"

Das Problem: Zum einen prangt auf dem Brief das Landeswappen, das nicht für Parteizwecke genutzt werden darf. Zum anderen steht unter Köberles Unterschrift die Unterzeile Minister, und er darf Amt und Parteiarbeit zumindest offiziell nicht vermischen. Köberle selbst räumte am Freitag gegenüber unserer Zeitung ein, es sei "ein bedauerlicher Fehler passiert". Der Kassierer der Kreisgeschäftsstelle habe den Brief entworfen, sei dann in Urlaub gegangen, ein anderer Mitarbeiter habe den Serienbrief fertig gemacht, und "ein paar hundert Mal" ohne weitere Rücksprache verschickt. Köberle beteuerte, er habe den Brief "nie gesehen", seine Unterschrift sei eingescannt worden. "Da fehlte vor Ort die Sensibilität für die saubere Trennung zwischen Abgeordnetenstatus und Parteizugehörigkeit", gab der 57-Jährige zu und sagte zugleich, der Brief hätte nicht auf Abgeordnetenbrief mit Landeswappen, sondern mit dem Briefkopf des CDU-Kreisverbands verschickt werden müssen. Er sehe aber dennoch keinen Grund, einen der Mitarbeiter vor Ort zu entlassen. "Wir sind froh, wenn sich Mitarbeiter ehrenamtlich engagieren. Da holt man deshalb jetzt nicht die Guillotine raus und haut jemandem den Kopf ab." Der Kreisverband selbst beteuerte inzwischen in einer Stellungnahme, das Landwirtschaftsministerium sei mit dem Schreiben zu keiner Zeit befasst gewesen und habe auch keine Kosten getragen.

Doch für die Opposition ist das Thema damit nicht erledigt. Die Grünen sprachen am Freitag von einem "klaren Fall von Amtsmissbrauch", wenn der Minister mit Landeswappen und Titel um Spenden für die CDU bitte. Da würden "auf unakzeptable Weise Regierungsamt und Parteiinteressen vermischt". Die CDU habe nichts aus den früheren Spendenaffären gelernt, meinte Grünen-Landeschefin Silke Krebs und forderte eine Aufklärung durch die für solche Fälle zuständige Bundestagsverwaltung.

SPD-Landtagsfraktionschef Claus Schmiedel sagte, die CDU sei "ein ziemlicher Sauhaufen", wenn es üblich werde, dass die Parteibasis solche Briefe mit Landeswappen und Ministerzeile verschicke. Schmiedel sagte, es stehe "der Verdacht von Urkundenfälschung" im Raum, nachdem Köberle erst behauptet habe, er halte den Brief für unproblematisch, nun aber von einem Feher spreche und die Schuld dafür einem Mitarbeiter gebe. Linken-Landeschefin Martta Aparicio sagte, Köberles Verhalten sei "kein Versehen, sondern ein Vergehen und damit auch ein Grund zum Gehen". CDU-Landtagsfraktionschef Peter Hauk hingegen stärkte Köberle den Rücken: "Versehen können passieren."

Kommentare (9)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
Anzeigen
FEB
23
23:17 Uhr, geschrieben von schwabenstolz
Merkels Wunderland
Dissertationen, die sich ohne eigenes Zutun schreiben, Spendenbriefe, die sich ohne eigenes Zutun verschicken, Polizisten, die ohne eigenes Zutun prügeln, aber ein wirtschaftlicher Aufschwung, der natürlich ausschließlich auf dem Mist der Regierung gewachsen ist. Lass uns mal über Religion reden, Frau Merkel, sprich: Über billige Glaubenssätze. Versehen können passieren, aus Versehen wird die EnBW am Parlament vorbei gekauft. Aus Versehen wird ein sinnloses Bahnhofprojekt gegen jede Vernunft aufrecht erhalten - mal abgesehen von der Machtsymbolik. Merkels Wunderland wird von drittklassigen Geistern regiert, die nur eine Logik kennen: Der Erfolg ist unser, und der Rest sind läßliche Fehler, über die man sich mit Freude am Regieren hinweglügt. Armes Deutschland, armes Schwabenland!
FEB
20
17:03 Uhr, geschrieben von ingeelisabeth
Kommentarabgabe
Gerade wollte ich zu den jüngsten Kommentaren zu Köberles Verhalten meine Stimme abgeben, und obwohl ich sie noch nicht zuvor abgegeben hatte erscheint auf dem Display nach Anklicken , daß ich meine Stimme schon abgegeben hätte. Komisch, wird hier jetzt auch schon manipuliert? ?Meine Wertung wäre wie die anderen positiv also Daumen hoch gewesen, d.h. gegen Köberle! Werden nun auch die Bewertungen bei den Stuttgarter Nachrichten betreff CDU, wenn zu negativ ausfallend, gecancelt?
FEB
20
14:28 Uhr, geschrieben von W. Münzenberg
Unterschriftfälscher: Bei Guttenberg und Köberle sind es immer die anderen.
Kein Tag ohne CDU/CSU-Skandale. Mal ist einer unfähig, seine Dissertation selbst zu schreiben. Oder er weiß nicht, was mit seinem Briefpapier und mit seiner Unterschrift passiert. Ich kann nur noch lachen über solche Repräsentanten von Chaos-Regierungen. Nichts mehr im Griff, dafür in Wahlkampfreden andere für die eigene Unfähigkeit verwantwortlich machen wollen. Die Bürger glauben diesen Amateuren nichts mehr.
Kommentar-Seite
vorherige
1  von  3
nächste
Polizeibeamte werden zunehmend Opfer von Gewalt
Die Polizei soll aus der Opferrolle aus, in die sie vielfach geraten ist. Das Land ergreift Maßnahmen.
EnBW-Deal: Kanzlei weist Vorwürfe zurück
[Kommentare 4] Die Stuttgarter Kanzlei Gleiss Lutz hat Vorwurf der Lüge von Stefan Mappus (CDU) zurückgewiesen.

 

Anzeigen

 

Anzeige
Nachrichtenticker
09:36   Für Maurer muss Linke jünger und weiblicher werden
09:08   Provinzregierung: Ausländerinnen in Afghanistan entführt
08:47   Altmaier will Kompromiss bei Solar-Förderung bis Sommerpause
08:42   Nach Amokalarm: Schule nimmt Unterricht wieder auf
08:36   Forsa: Union stürzt nach NRW-Wahlfiasko in Wählergunst ab
1   2   3   4   5   6   7   weiter
» aktualisieren
Video
Interaktiv
  • Umfrage
VfB Stuttgart - FC Bayern Muenchen

Der Vertrag von Arthur Boka beim VfB läuft aus und Bobic/Labbadia überlegen nun doch, den Linksverteidiger zu behalten. Soll Boka weiter für den VfB spielen?

 
Ja sicher, Boka hat sich einen neuen Vertrag beim VfB verdient
Nein. Boka hatte so viele Chancen, ist aber einfach nicht gut genug
 
(Ergebnis anzeigen)
 
  • Facebook
  • Foren
  • Twitter
 
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
 
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise