Es ist schon wie eine Ironie des Schicksals. Im Erdgeschoss sitzt die Freiwillige Feuerwehr mit ihren Einsatzfahrzeugen. Ein Stockwerk drüber können die Zimmer und der große Saal nicht genutzt werden, weil das Gebäude die brandschutztechnischen Auflagen nicht erfüllt. Zur Erinnerung: Bei einer Brandverhütungsschau im September 2009 hatten Fachleute der Verwaltung und Branddirektion erhebliche Mängel im Gemeindehaus festgestellt: Fehlende Brandschutztüren, fehlender Rauchabzug im Treppenraum, eine fehlende Fluchttreppe sowie zu schmale Fenster, die eine Rettung per Drehleiter erschweren würden. Insgesamt weist die Mängelliste der Verwaltung mehr als ein Dutzend Kritikpunkte auf.
Solange diese Mängel nicht behoben sind, können im großen Saal des Gemeindehauses keine Versammlungen stattfinden. Auch zwei kleinere Besprechungszimmer im Gebäude stehen leer. Leidtragende sind unter anderem Vereine und Institutionen wie die Musikschule und die Nähgruppe, denen die Räume nicht mehr zur Verfügung gestellt werden können. Der Bedarf an Räumen im Stadtbezirk ist groß, wie Stammheims Bezirksvorsteherin Tina Hülle erklärt: "Regelmäßig gibt es Anfragen nach Räumen. Die Begegnungsstätte und das Luise-Schleppe-Haus können den Bedarf nicht auffangen."
Einziger Lichtblick: Das Baurechtsamt hat zugestimmt, dass der Saal für maximal 30 Personen genutzt werden kann, wenn folgende Maßnahmen umgesetzt werden: Um im Saal einen zweiten Rettungsweg herzustellen, muss im Saal und in den beiden Nebenräumen mindestens jeweils ein Fenster so umgebaut werden, dass es 90 Zentimeter breit und ebenso hoch ist. Im Treppenhaus lautet die Auflage, einen Rauchabzug einzubauen. Zu guter Letzt muss im Gebäude der Fluchtweg gekennzeichnet werden. Geschätzte Kosten für diesen Umbau: 30 000 Euro. Immerhin steht das Geld zur Verfügung. "Die Mittel sind vom Amt für Liegenschaften und Wohnen freigegeben, die Baugenehmigung ist unterschriftsreif", sagt Tina Hülle. Dann müssten nur noch die Arbeiten ausgeschrieben und vergeben werden. Die Bezirksvorsteherin geht davon aus, dass dieser kleinere Umbau im Spätherbst abgeschlossen sein wird.
Am Problem, dass im Stadtbezirk eine Versammlungsstätte für 150 Leute und mehr fehlt, ändere das nichts. Ob eine aufwändige Sanierung des Gebäudes wirtschaftlich ist, ist fraglich. "Politischer Wille in Stammheim ist, dass das Gemeindehaus abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wird, wenn die Feuerwehr ausgezogen ist." Darum müsse der Bau des Feuerwehrmagazins im Gewann In den Hochwiesen mit Nachdruck vorangetrieben werden. Mittlerweile sind dort die Grundstücke bewertet, so dass die Stadt mit den Eigentümern in Verhandlungen treten kann.
Für Bezirksvorsteherin Tina Hülle steht fest, dass das Gemeindehaus in seiner jetzigen Form keine Zukunft hat. "Es ist nicht barrierefrei, hat bauliche Mängel, die sanitären Anlagen, die Räume und die Küche sind eine Zumutung." Auch sei das Dach marode, von anderen energetischen Aspekten ganz zu schweigen.