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Merkel in China China zögert mit Hilfe für Europa

dpa, vom 03.02.2012 15:16 Uhr
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Ministerpräsidenten der Volksrepublik China, Wen Jiabao, in Peking. Foto: dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Ministerpräsidenten der Volksrepublik China, Wen Jiabao, in Peking. Foto: dpa
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Peking/Guangzhou - China zögert mit konkreten Hilfszusagen zur Bewältigung der Schuldenkrise in Europa. Die chinesische Führung versicherte Kanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch in Peking zwar, China wolle Unterstützung leisten und mit den Europäern enger kooperieren, doch blieben viel Fragen offen.

Vor dem Abschluss der dreitägigen Reise der Kanzlerin am Samstag rätselten deutsche Delegationskreise darüber, wie Chinas Beitrag aussehen könnte. Hoffnungen auf schnelle Hilfe dämpfte China umgehend selbst. „Wegen der Komplexität muss China eingehende Untersuchungen anstellen, bevor es konkrete Schritte verkündet“, kommentierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua die Gespräche der Kanzlerin.

China verhält sich zögerlich

Die weltgrößten Devisenreserven müssten behutsam angelegt werden, sonst könnte es Unruhe in der Bevölkerung geben. Ohnehin gehe es nicht allein um Finanzierung. „Um aus der Krise zu marschieren, sind Sparmaßnahmen entscheidend, während Maßnahmen zur Ankurbelung des Wachstums auch nötig sind“, kommentierte die Staatsagentur.

Zuvor hatten deutsche Regierungskreise den chinesischen Staats- und Parteichef Hu Jintao noch aus dem Gespräch mit der Kanzlerin zitiert, es werde an chinesischer Unterstützung „nicht fehlen“. Auch Regierungschef Wen Jiabao sagte bei Wirtschaftsgesprächen in der südchinesischen Metropole Guangzhou: „China ist bereit, mit Europa zu kooperieren, um gegen die gegenwärtige Krise anzugehen.“

Deutschen Regierungskreisen bleibt aber nichts anderes, als auf Klärung zu hoffen: „Wir werden jetzt sehen, wie das in die Tat umgesetzt wird.“ Bisher habe sich Chinas Führung nur über den Internationalen Währungsfonds (IWF) an Hilfen für Europa engagieren wollen, in den Gesprächen mit Merkel aber erstmals auch den Euro-Rettungsschirm genannt, hoben Regierungskreise hervor.

Der EU-China-Gipfel könne Klarheit bringen

Nach den Gesprächen mit der Kanzlerin sagte Wen Jiabao, China sehe sich den Rettungsschirm EFSF und seinen im Sommer geplanten Nachfolger ESM an. Staatsmedien zitierten ihn dann sogar mit den Worten, China denke darüber nach, sich an den Bemühungen zur Lösung der Schuldenkrise über den Euro-Rettungsschirm „stärker zu beteiligen“. Deutsche Regierungskreise wollten die Aussagen nicht bewerten, verwiesen aber darauf, dass der EU-China-Gipfel am 14. Februar in Peking Klarheit bringen könnte.

Wen Jiabao wies Ängste in Europa vor einer engeren Kooperation bei der Überwindung der Krise zurück. „Einige Leute sagen, das bedeutet, dass China Europa aufkaufen will“, sagte Wen Jiabao bei den Wirtschaftsgesprächen. „Das ist eine Sorge, die mit der Realität nichts zu tun hat“, sagte er. „China hat weder die Absicht noch die Fähigkeiten dazu.“

Merkel warb um chinesische Investitionen

Bei den Wirtschaftsgesprächen mit Spitzenvertretern deutscher und chinesischer Unternehmen warb Merkel ausdrücklich um chinesische Investitionen. „Deutschland ist ein offenes Land“, sagte die Kanzlerin. „Chinesische Unternehmen sind in Deutschland willkommen.“ Die Kanzlerin forderte China umgekehrt zu einer weiteren Öffnung seines Marktes auf. Deutsche Unternehmen wollten in China die gleichen Bedingungen wie chinesische Unternehmen haben.

Wen Jiabao sprach sich für eine enge Zusammenarbeit mit Deutschland in der Krise aus. Er mahnte die Europäer, selbst größere Anstrengungen zu unternehmen und nötige Reformen in der Haushalts- und Finanzpolitik zu verfolgen. China verfügt mit 3,18 Billionen US-Dollar über die weltgrößten Devisenreserven. Davon wird nach Schätzungen ein Viertel in Euro gehalten. Wen Jiabao begleitete die Kanzlerin auf der zweiten Station ihrer dreitägigen Reise in Guangzhou, was Diplomaten als „besondere Geste“ werteten.

 

 

Kommentare (6)
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FEB
05
11:13 Uhr, geschrieben von Albert Seitzer
Wer China um Hilfe bittet, dem wird geholfen!
Die chinesische Regierung geht sehr umsichtig vor. Trotzdem verstehe ich einfach nicht, dass die deutsche Regierung und so viele deutsche Unternehmer der chinesischen Regierung auf den Leim gehen. Macht Geldgier blind? Machen die Schulden gefügig? Oder ist unser Wirtschaftssystem durch die Finanzmafia schon so angefressen, dass die Unternehmen in China Schutz suchen müssen? Unfassbar, welche Unternehmen schon dort sind und wie umsichtig sie in China eingebunden werden. (Mafia = gewalttätige Bande, die aber innerhalb der Gesellschaft, ihre Taten zu legalisieren versucht durch Einfluss auf Regierung und Parlamente)
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FEB
04
12:01 Uhr, geschrieben von Albert Seitzer
zu Entsetzter
Geld wird erst zu Kapital, wenn es verwendet wird um zum Beispiel Rohstoffe und Maschinen herzustellen und damit Güter herzustellen, die den Menschen dienlich sind. Diese Finanzzocker tun dies jedoch nicht, sie vernichten sogar in ungeheurem Ausmaß Kapital. Sie ruinieren eine Volkswirtschaft nach der anderen. Für mich ist Kapital also etwas Nützliches. Das Geld in Händen der Finanzzocker ist totes Kapital, sogar Gift.
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FEB
04
09:35 Uhr, geschrieben von Wolfgang Scheu
Die Chance China ist keine wirkliche
Eines der Hauptargumente für ein gemeinsames Europa liegt darin, dass die alte Welt nur derart geeint eine Chance hat in der künftigen Weltpolitik mitzuspielen. Wohl wahr, nur lässt sich mit einem hoch verschuldeten Staatenbund, in dem Staaten ihre Banken und diese Banken wiederum die Staaten retten nicht einmal ein Sch...haus, geschweige denn die große, weite Welt stürmen. Das letzte was wir jetzt noch brauchen ist, dass mit China ein weiterer Kredit-Drogendealer die Szene betritt. Die Chinesen werden ihre Rolle als Unterstützer des Kartenhausbaus zur Schulden-, Euro- und Bankenrettung sicher hervoragend ausfüllen. Dies jedoch nur solange es Ihnen wirklich nützt. Und während sich die Europäer mit Haut und Haaren den virtuellen Finanzmärkten verschreiben zeigt ihnen ausgerechnet eines der letzten kommunistisch geführten Länder dieser Welt wie Kapitalismus richtig geht - indem man nämlich Realwirtschaft betreibt. Zu spät wird Europa merken, dass die Wachstumskurven einen Looping nach dem anderen drehen ohne letztendlich weiter nach oben zu steigen, und ohne freilich den Schuldenstand zu drücken. Zuletzt, allenthalben drittklassig wird das Armenhaus Europa erkennen, dass es sein technisches Knowhow ebenso verloren hat wie die natürlichen Resourcen, die zur Umsetzung moderner Technik erforderlich sind. Zu spät die Erkenntnis, dass man von den kommenden Märkten in Afrika und Asien abgehängt wurde und zudem als Absatzmarkt für fremde Volkswirtschaften kaum noch Bedeutung hat. Und es wird sich erweisen, dass ein in Armut vereintes Europa kaum eine Zukunft hat und schon gar keine gemeinsame. So gesehen bleibt den europäischen Schuldenstaaten m.E., wenn überhaupt nur noch eine Chance, ihrem Schicksal zu entgehen: Die sofortige Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit durch eine kurzfristige Entschuldung. Wer dies nicht möchte, der muss schon in der Lage sein ein unfassendes Zukunftsbild für die nächsten 10, 20 oder gar 50 Jahre aufzuzeichnen. Ein solches vermag die europäische Politik momentan jedoch nicht einmal bis zum nächsten Krisengipfel zu entwickeln.
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