Manchmal schreibt der Lauf der Dinge die tollsten Geschichten: Ausgerechnet in einem Hollywood-Film mit computeranimierten Dinosauriern in den Hauptrollen feierte die M-Klasse 1997 ihre Premiere. Für Mercedes-Benz war das Fahrzeug – von Anfang an im eigens errichteten Werk Tuscaloosa/USA produziert – der erste Vertreter einer damals noch recht unbekannten Gattung: luxuriöse Allradfahrzeuge, die vornehmlich von gut verdienenden Stadtmenschen gekauft und gefahren werden. Seither machen sie unter dem etwas unhandlichen Buchstabenkürzel SUV (Sports Utility Vehicle) von sich reden. Die Autos mit den drei Buchstaben – manch einer spricht sie bewusst als eine Silbe, also „Suff“, aus – galten wegen ihrer hohen Verbrauchswerte in der jüngeren Vergangenheit immer mal wieder als vom Aussterben bedroht. Die Parallele zu den Dinosauriern drängt sich auf.
Mittlerweile wurden über 1,2 Millionen Exemplare der M-Klasse, deren zweite Generation 2005 auf den Markt kam, rund um den Globus verkauft. In Deutschland weist die Zulassungsstatistik für die ersten sieben Monate des laufenden Jahres knapp 4000 Exemplare aus. Für ein Auto, das am Ende seines Produktionszyklus steht, ist das eine beträchtliche Menge. Eine Erklärung des Erfolgs: Der Gesamtmarkt dieser inzwischen sehr vielfältigen Fahrzeugkategorie ist im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Drittel gewachsen. Von Aussterben spricht niemand mehr.
Neben der typischen Silhouette teilt die neue M-Klasse den Radstand (2,92 Meter) und die charakteristische Form der hinteren Dachsäulen mit dem Vorgängermodell. Dass sie in der Länge um zwei Zentimeter zugelegt hat, ist eine Folge des verbesserten Fußgängerschutzes. In Höhe und Breite kaum verändert wirkt die dritte Generation weniger bullig und versprüht eine eher zurückhaltende Eleganz. Selbst der üppig zum Einsatz kommende Chromzierrat vermag daran nichts zu ändern. Ein hübsches Detail sind die geschwungenen LED-Bänder in den Bi-Xenon-Scheinwerfern mit aktivem Kurvenlicht (Aufpreis 1860 Euro). Mercedes nennt diese leuchtenden Wimpern etwas gefühllos wie bei einem Schiff Positionslichter – vermutlich um zu betonen, dass es sich dabei keinesfalls um das serienmäßige Tagfahrlicht handelt. Das leuchtet nämlich in Form zweier horizontaler Bänder unterhalb der Scheinwerfer.
Im Innern der M-Klasse fällt Wohlfühlen dann besonders leicht, wenn der reichhaltigen Liste der Extras genügend Aufmerksamkeit geschenkt wurde: Leder und vier Holzarten (Aufpreis ab 238 Euro) stehen zur Wahl, und diverse Assistenzsysteme machen die Fahrt sicherer. In Sachen Kraftstoffverbrauch haben sich die Mercedes-Ingenieure viel vorgenommen: Man will Klassenbester unter den Edel-Allradlern sein. Mit einem Normwert von glatt sechs Litern auf 100 Kilometern führt der unter anderem aus der S-Klasse bekannte aufgeladene Vierzylinder-Diesel im ML 250 Bluetec 4-Matic die interne Verbrauchstabelle an. Der Selbstzünder leistet 150 kW (204 PS) und erfüllt – auch dank der serienmäßigen Abgasnachbehandlung mit Harnstoff – die strengen Vorgaben der für 2014 geplanten Euro-6-Norm. Der niedrige Verbrauch ist auch ein Verdienst der Aerodynamiker: Der Luftwiderstandsbeiwert (cw) von 0,32 verweist die Mitstreiter aus München und Ingolstadt auf die Plätze.
Das Dieseltriebwerk passt ganz hervorragend unter die M-Klasse-Haube: Mit einem Drehmoment von 500 Newtonmetern lässt sich das über zwei Tonnen schwere Gefährt recht behände durch die Lande bewegen. Die Geräuschdämmung hinterließ auf ersten Testfahrten einen ausgereiften Eindruck.
Als Alternativen sind zur Markteinführung im November zwei Sechszylindermotoren im Angebot: ein 190 kW (258 PS) starker Diesel und ein Benziner mit 225 kW (306 PS); ein Hybrid ist in Planung. Und: Wer wirklich ins Gelände will, kann die M-Klasse mit einem speziellen Paket (Aufpreis 2261 Euro) ausrüsten lassen.
