Mehr Stolpersteine gegen das Vergessen

Von "Filder-Zeitung" 

Esslingen. Im Oktober wird der Künstler Gunter Demnig neue Gedenktafeln für NS-Opfer ins Trottoir einlassen. Von Kai Holoch

Esslingen. Im Oktober wird der Künstler Gunter Demnig neue Gedenktafeln für NS-Opfer ins Trottoir einlassen. Von Kai Holoch

Rika Lauchheimers Spur verläuft sich im Ghetto von Riga. Einst wohnte die Tochter eines Viehhändlers in der Landolinstraße 8a. Edith Stern aus der Martinstraße 44/1 wurde in die Heilanstalt Sayn bei Koblenz verschleppt und dort 1940 im Rahmen des Euthanasieprogramms der Nazidiktatur ermordet. Ihre Eltern, der Geschäftsmann Heinrich Stern und seine Frau Auguste, sind in Ghettos in Osteuropa verschollen.

Um an das Schicksal der Esslinger Mitbürger im Dritten Reich zu erinnern, die von den Nationalsozialisten vertrieben und ermordet worden sind, wird der Berliner Bildhauer Gunter Demnig im Oktober auf Einladung des Vereins Denk-Zeichen zum zweiten Mal in die ehemalige Freie Reichsstadt kommen. Seit 1992 arbeitet der Künstler an seinem Stolperstein-Projekt. Dabei gedenkt er der Opfer des Nationalsozialismus, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing, seine "Stolpersteine", im Trottoir einlässt. Mittlerweile hat Demnig weit mehr als 20 000 Gedenktafeln in mehr als 500 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz verlegt.

2008 ist Demnig zum ersten Mal nach Esslingen gekommen. Damals hat er 15 Stolpersteine eingelassen. Jetzt hat der Verein Denk-Zeichen eine weitere Liste mit 13 Mitbürgern zusammengestellt, die Opfer des Regimes geworden sind. Mit einem Stolperstein geehrt werden soll dieses Mal auch der russische Zwangsarbeiter Nazar Lazarenko, der im Lager "Schwertmühle" in der Fritz-Müller-Straße arbeiten musste, ehe er in Esslingen erhängt wurde.

Ziel des Vereins Denk-Zeichen ist es, Anstöße zur Aufarbeitung der lokalen Geschichte, insbesondere in der Zeit des Nationalsozialismus, zu geben. Dabei ist die Deportation und Ermordung der jüdischen Mitbürger, vor allem der Bewohnerinnen und Bewohner des Israelitischen Waisenhauses, nur ein Aspekt. Denk-Zeichen will nämlich auch die Erinnerung an jene Fremdarbeiterinnen und Fremdarbeiter wach halten, die in Esslingen durch die unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen ums Leben gekommen sind.

Im Kulturausschuss begrüßten die Sprecher aller Parteien die Fortsetzung des Stolpersteinprojekts. Besonders lobenswert fand das Gremium, dass auch das Esslinger Georgii-Gymnasium bereits im April in Eigenregie zwei weitere Stolpersteine verlegen will, um an ermordete ehemalige Mitschülerinnen zu erinnern.

Allerdings wurde aus dem Gremium auch der Wunsch laut, die Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH (EST) solle in seinen Broschüren zu den schon bisher angebotenen Stolperstein-Führungen das Thema konkreter benennen. EST-Chef Michael Metzler sagte zu, die Werbebroschüren zu überarbeiten.

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