Mehr Mülleimer oder Leerungen OB Kuhn will mehr für sauberes Stuttgart tun

Josef Schunder, 20.01.2013 08:00 Uhr
Manche Papierkörbe in Stuttgart quellen über, wenn an Wochenenden viel Volk unterwegs ist. Manchmal entsorgen Passanten Abfall notgedrungen unter den Behältern. Jetzt prüft man im Rathaus Gegenmaßnahmen.

Stuttgart - Der neue Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) hat die Müllproblematik ins Visier genommen. Im Sommer seien ihm übervolle Papierkörbe aufgefallen, sagt seine Sprecherin Julia Ebling. Bei den Brennpunkten handle es sich um Schlossgarten, Schlossplatz und Theodor-Heuss-Straße. Vielleicht müsste man mit größeren Abfallgefäßen Abhilfe schaffen, dachte Kuhn sich. Inzwischen hat er mit Technik-Bürgermeister Dirk Thürnau (SPD) darüber geredet. Blitzartig könne man die Problematik nicht lösen, sagt Ebling, zumal die Kosten ein Fall für die Haushaltsberatungen im Herbst seien. Man überlege, ob man flächendeckend tätig werden müsse oder an Brennpunkten.

Die unterirdischen Behälter in der Königstraße, in die Passanten ihren Abfall über einen Edelstahlschacht einwerfen, seien sicherlich nicht zu klein, meint Thürnau. Manchmal sehe es so aus, als wären sie proppenvoll. Das liege aber daran, dass sich beispielsweise Pizzaschachteln im Einwurfschacht verkanten. Mit 4732 klassischen Papierkörben sei Stuttgart auch sonst nicht unterversorgt, sondern vergleichsweise gut ausgerüstet, meint Thürnau. Das Problem liege eher bei der Frequenz der Leerung.

„Je größer der Behälter, desto stärker das Problem“

Dabei betreibt die AWS dafür schon heute großen Aufwand: Sie setzt zehn Müllfahrzeuge mit je zwei Mitarbeitern ein. Weitere zwei Beschäftigte sind im Einsatz, um den Müll aus den rund 50 Unterflurbehältern in der Königstraße abzusaugen. Vier Mitarbeiter leeren ständig die öffentlichen Papierkörbe im Stadtzentrum.

Thürnau zweifelt daran, dass größere Papierkörbe wirklich wünschenswert sind. Denn der Austausch kostet Geld und könnte die Menschen ermutigen, noch mehr Hausmüll illegal in den Papierkörben zu entsorgen: „Je größer der Behälter, desto stärker das Problem.“ Es sei schon schlimm genug.

Die Zahl dieser Müllsünden nimmt zu, meint man auch bei der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS). „Angefangen hat es etwa 2004 oder 2005“, berichtet Annette Hasselwander. Besonders auffällig sei die illegale Hausmüllentsorgung an Brennpunkten wie den Standorten von Altglascontainern, wo nicht nur Papierkörbe mit Hausmüll bestückt würden, sondern gern auch wilder Müll abgelagert werde. Über die Ursachen der illegalen Entsorgung kann man meist nur rätseln. „Vielleicht bestellen die Hauseigentümer nicht genug Mülleimer-Kapazität“, vermutet Thürnau.

Geräte gelten als sensibel für Vandalismus

Den neuartigen Müllbehältern mit Solarstrombetrieb, die eingeworfenen Abfall umgehend klein pressen, gewinnt der Bürgermeister auch wenig Positives ab. In München ist so eine Müllpresse schon im Einsatz, FDP-Fraktionschef Bernd Klingler schlug sie auch für Stuttgart vor. Die Geräte gelten aber als sensibel für Vandalismus, sagt Thürnau. Außerdem würden sie das Stadtbild beeinträchtigen.

Thürnau peilt deshalb einen anderen Weg an. Wenn man nach den gravierenden Kürzungen der vergangenen Jahre zumindest wieder 65 000 Euro mehr ausgebe für die Straßenreinigung, könne die AWS in den Außenbezirken auch sonntags die Papierkörbe leeren. Fürs Stadtzentrum erwägt Thürnau, die Reinigungszone mit der höchsten Priorität auszudehnen. Bisher umfasst sie die Königstraße und die nähere Umgebung.

Als sie so abgegrenzt wurde, gab es noch keine Partymeile. Nun könnte man sie ausdehnen bis zur Theodor-Heuss-Straße, findet Thürnau. Das würde bedeuten, dass auf der Straßenseite zum Stadtzentrum hin zwischen Palast der Republik und Rotebühlplatz so häufig gereinigt würde wie auf der Königstraße. Auch Teile des Hospitalviertels, des Gerberviertels und des Leonhardsviertels könne man einbeziehen. Allerdings müssten dann weitere Anlieger in der Innenstadt mit Gebühren für die Reinigung von Straßen und Gehwegen rechnen.

 
 
Lokale Favoriten - stuttgarter-nachrichten.de
Kommentare (15)
  1. (Logout)
  2. Die Redaktion veröffentlicht ausgewählte Kommentare auch in der gedruckten Ausgabe der Stuttgarter Nachrichten. Voraussetzung ist, dass der Beitrag mit Namen, Postanschrift und E-Mail (Adressen werden nicht veröffentlicht) vorliegt.
Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich.

Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben.

Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.
Warum soll irgendwas anders werden Ist schon länger als 1 Jahr her
Die Last wird schnell zur Bürde únd der Berliner wird schneller da hin gehen wo er her kam ! FREUFREU
Antworten
Biep biep Ist schon länger als 1 Jahr her
Auf Rot , alle Bepper müssen entfernt werden sonst wird das nichts mit der schwäbischen Reinlichkeit .!
Antworten
Blup Blup Ist schon länger als 1 Jahr her
auf grün!
Antworten
Schwere Sprache Ist schon länger als 1 Jahr her
Sorry, auch wenn das jetzt wenig mit dem Thema zu tun hat, so finde ich es schon lustig, dass Sie über Menschen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, herziehen, ohne selbst einen geraden Satz schreiben zu können. Vielleicht sollten Sie mal Mülleimer leeren und etwas demütig werden.
Antworten
Marcus Ist schon länger als 1 Jahr her
Was mich immer sehr stört ist, daß viele Glasflaschen in Scherben herumliegen. Natürlich besonders an den Orten, an denen Nachts die Partys gefeirt werden. In Tübingen wurde nun ein Pfandflaschenring um die Mülleimer gemacht. Dort können die Flaschen reingestellt werden und Flaschensammler müssen auch nicht den ganzen Müll durchwühlen. Das finde ich eine gute Idee. Vielleicht würden auch weniger Glasflaschen zertrümmert, wenn es dort Möglichkeiten zur Entsorgung gäbe, wo sie typischerweise in Scherben rumliegen.
Antworten