Mehr Konkurrenz beim VfB Dutt will den Schlendrian austreiben

Von Gregor Preiss 

Musste in seinem ersten Einsatz für den VfB gleich verletzt runter: Federico Barba. Foto: Baumann
Musste in seinem ersten Einsatz für den VfB gleich verletzt runter: Federico Barba.Foto: Baumann

VfB-Sportvorstand Robin Dutt will, dass sich die Spieler heiße Duelle liefern - Mentalität durch Konkurrenz. Eine wichtige Rolle kommt dabei auch Neuzugang Federico Barba zu, der sich in seinem ersten Einsatz für den VfB prompt verletzt hat.

Stuttgart - Luxusprobleme hatte Robin Dutt lange nicht mehr. Jetzt aber, nach drei Bundesligasiegen in Folge, genießt er die angenehmen Seiten seines Jobs. Etwa sich mit der Frage zu beschäftigen, was aus Federico Barba wird. Der Italiener war auf den letzten Drücker noch für die Innenverteidigung der Roten verpflichtet worden; jenen Mannschaftsteil, der dem VfB-Sportchef die Saison über das größte Kopfzerbrechen bereitet hat. Der aber plötzlich zu funktionieren scheint. Das Duo Georg Niedermeier/Daniel Schwaab hat die Flut der Gegentore beim VfB Stuttgart stoppen können. Solange das so bleibt, gibt es für Trainer Jürgen Kramny keine Veranlassung, seine Viererkette umzustellen. Was letztlich zu der Frage führt: Was passiert dann mit Federico Barba?

Zur Erinnerung: Der 22-Jährige kam für 500 000 Euro auf Leihbasis bis Saisonende vom FC Empoli. Im Sommer kann der VfB den Verteidiger für drei Millionen Euro kaufen. Nur dürfte es schwierig werden, sich in der Kürze der Zeit ein umfassendes Bild von Barba zu machen, solange Niedermeier und Schwaab gesetzt sind.

Dutt ficht das nicht an. „Es ist doch schön, wenn einem die Gegenwart ermöglicht, an die Zukunft zu denken“, sagt er. Barba könnte theoretisch sofort spielen, vielleicht aber auch erst im April, nach einer gewissen Eingewöhnungszeit. Seinen ersten Einsatz hatte er am Dienstag im Test gegen die SG Sonnenhof Großaspach (0:2). Nach 60 Minuten musste er auf Grund einer Verhärtung in der linken Wade vorzeitig vom Feld.

Für Dutt ist Barba mehr als nur ein Perspektivspieler

Für den Sportchef ist der Römer auf jeden Fall mehr als nur ein Perspektivspieler. Aufgrund seiner Stärken („Beweglich, schnell, gute Spieleröffnung“) gehöre dem Linksfuß die Zukunft auf dem Wasen. Idealerweise an der Seite von Rechtsfuß Timo Baumgartl, der sich im Moment ebenfalls mit der zweiten Reihe abfinden muss. „Er ist ein Gesicht unserer Zukunft, auf das wir setzen“, sagt Dutt über den 19-Jährigen.

Was wiederum den Schluss nahelegt, dass die Bande Schwaab/Niedermeier/VfB nach dieser Saison gekappt wird. Während Schwaab noch auf einen neuen Vertrag hofft, deutet Niedermeiers fortwährendes Schweigegelübde darauf hin, dass er sich innerlich vom Verein bereits distanziert hat.

Für den Moment scheint der VfB in einigen Bereichen aber latent überbesetzt zu sein. Mit Toni Sunjic etwa, der in der Innenverteidigung fürs Erste ebenso außen vor ist. Dann gibt es noch Kevin Großkreutz, den neuen Rechtsverteidiger, der Florian Klein um seinen Stammplatz beim VfB und womöglich auch in Österreichs Nationalmannschaft bringen wird. Nicht zuletzt Artem Kravets, der es im Angriff Martin Harnik und Jan Kliment schwer machen dürfte, sich zurückzukämpfen.

„Genau das wollten wir immer haben“, sagt Dutt und zielt dabei auf den neu entfachten Konkurrenzkampf. Auch wenn mancher Transfer – wie etwa Großkreutz – auf den ersten Blick nicht ins Dringlichkeitsschema passt: Für Dutt geht es weniger darum, auf welchen Positionen sich die Spieler heiße Duelle liefern – Hauptsache, sie tun es. Anders gesagt: Mentalität durch Konkurrenz. Der Sportvorstand bezeichnet es als „Teil unserer Strategie“, den Wettbewerb innerhalb der gern zum Schlendrian neigenden Mannschaft anzuheizen.

Ihn bis zum Sommer hochzuhalten ist angesichts des bevorstehenden Umbruchs kein Fehler. Dann werden Filip Kostic, Daniel Didavi und womöglich auch Daniel Ginczek weiterziehen. Das ist dann leider kein Luxusproblem mehr – sondern ein echtes.

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