Medienpreis Erst Annan, jetzt Ban Ki Moon – aber die Krisen bleiben

Von Frank Krause 

Ban Ki Moon Foto: dpa
Ban Ki MoonFoto: dpa

Vor zwölf Jahren wurde der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan mit dem Deutschen Medienpreis geehrt. Nun erfährt Ban Ki Moon die gleiche Ehre. Weltfrieden ist dennoch nicht in Sicht.

Baden-Baden - Was fällt einem zu Baden-Baden ein? Natürlich die Galopprennen draußen vor der Stadt in Iffezheim, natürlich die Spielbank, natürlich das altehrwürdige Kurhaus und das weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gewordene Burda-Museum. Einmal im Jahr wird der Bekanntheitsgrad der einstigen europäischen Sommerhauptstadt freilich nochmals gesteigert: Wenn nämlich das Marktforschungsinstitut Media Control eine Persönlichkeit ehrt, die sich in Politik oder Gesellschaft einen Namen als Vordenker und Vorkämpfer gemacht hat. An diesem Montag ist es wieder so weit. Im Beisein von vielen Prominenten und im Scheinwerferlicht der TV-Kameras wird UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mit dem undotierten Preis geehrt und damit für seine Arbeit „als beharrlicher Mahner in der Öffentlichkeit und stiller Diplomat hinter den Kulissen“ geehrt.

So begründet die Jury, in der Chefredakteure großer deutscher Zeitungen und Magazine sitzen, ihre Entscheidung. „Inmitten einer Welt der bedrohlichen politischen Konflikte und humanitären Krisen arbeitet Ban unermüdlich für die Solidarität und den Zusammenhalt der internationalen Gemeinschaft“, so die Juroren. Angesichts der weltweiten Flüchtlingskrise sei Bans Engagement für die Zusammenarbeit der 193 UN-Mitgliedstaaten „wichtiger denn je“.

Klar ist: Der Preis wird keine Krise, auch nicht den Krieg in Syrien, schneller lösen. Aber Anhänger der Uno und ihres Generalsekretärs halten die ­Entscheidung für Ban und die mediale Beachtung durch die Preisverleihung für ein wichtiges Signal im 70. Jahr der weltumspannenden Organisation.

Frieden ist eine Sache der Diplomatie

Ban, seit zehn Jahren im Amt, vertritt seit langem die Ansicht, dass „Frieden nur durch diplomatischen Ausgleich" erreicht werde und die Solidarität der Staaten nötig sei, „um Hass, Extremismus und religiöse Konflikte zu lösen“. Allein, auch der Südkoreaner weiß, dass ein Erfolg äußerst schwierig ist.

Auch sein Vorgänger Kofi Annan erhielt einst im Jahr 2004 den Medienpreis, weil er „wie kein anderer Politiker“ für den Grundgedanken der Vereinten Nationen stehe, nämlich „nach einer besser organisierten und friedlichen Welt zu suchen“, hieß es ­damals und vor dem Hintergrund der Irak-Krise. Doch Kriege und Konflikte weltweit gibt es nach wie vor. Und gerade die aktuelle Flüchtlingskrise und die damit verbundene Flucht vieler Syrer über das Mittelmeer seien erst der Anfang einer Welle in den nächsten Jahren, weil weltweit mit bis zu 60 ­Millionen Menschen gerechnet wird, die sich wegen Hungers, Armut und schlechter Lebensperspektiven auf die Flucht nach Europa machen. Man müsse deshalb die Position von Ban stärken, sagen Befürworter des Jury-Spruchs. Der 71-Jährige hatte als Kind Krieg und Flucht in ­seinem Heimatland Korea erlebt und habe nun „den unmöglichsten Job der Welt“, wie der Posten des Generalsekretärs in der Uno gerne genannt wird.

Die Laudation hält Christian Wulff

Die Laudatio auf Ban Ki Moon in Baden-Baden werden ein ehemaliger und ein aktiver Politiker halten. Zum einen der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff, der Ban seit vielen Jahren kennt. Zum anderen der amtierende baden-württembergische Ministerpräsident, Winfried Kretschmann. „Wir haben die Anfrage erhalten und sind dem Wunsch gerne nachgekommen“, sagte am Wochenende ein Regierungssprecher. Kretschmann hatte sich zuletzt im Zuge der Debatte um die Flüchtlingskrise wiederholt für eine europäische Lösung stark gemacht und vor den Konsequenzen für die Staatengemeinschaft gewarnt, wenn Europa an ­diesem Thema zerbreche. „Viele Menschen sehen noch gar nicht die Krise hinter der Krise“, so Kretschmann mit Blick auf die Gefahren. Man könne sich der weltweiten Problematik nicht verschließen.

Während sich mancher in der Südwest-CDU wenige Tage vor der Landtagswahl über die große Bühne für den Grünen-Politiker ärgert, dürften Ban Ki Moon solche ­Mit­kämpfer wie Wulff und Kretschmann recht sein. Ban wird an diesem Montag von seiner Afrika-Reise mit einer Sondermaschine in der algerischen Hauptstadt Algier nach ­Baden-Baden geflogen. Es herrscht der ­Ausnahmezustand, Sicherheitsstufe 1. Seine Frau stößt vom UN-Sitz in New York hinzu. Am Dienstag geht es dann weiter nach Berlin – zum Treffen mit der Kanzlerin.

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