Beim VfB kam noch erschwerend hinzu, dass Sie den Trainerlehrgang in Köln absolvieren mussten und oft nicht in Stuttgart waren.
Ja. Da fehlt einem das Gespür für Kleinigkeiten innerhalb des Teams. Und oft war ich auch einfach zu müde, um den Egoismen im Kader konsequent entgegenzusteuern.
Nach Ihrer Entlassung im Dezember 2009 haben Sie sich darüber beschwert, dass sich nach dem Freitod Robert Enkes entgegen aller Beteuerungen nichts geändert hat im Profifußball. Wie denken Sie heute darüber?
Ich war damals so wütend, weil unser Mannschaftsbus vor meinem letzten Spiel für den VfB (1:1 gegen Bochum, d. Red.) von einigen Idioten angegriffen wurde. Die haben den Spielern Angst eingejagt. Vor dem Spiel, das muss man sich mal vorstellen. Ich bin überzeugt davon, dass wir gegen Bochum gewonnen hätten, wäre das nicht passiert. Da hast du mit deinen Jungs einen Masterplan im Kopf, und dann kommt so was. Fußball ist Fair Play, Fußball ist Gewinnen und Verlieren - aber Fußball ist nicht Gewalt.
Ein paar Idioten missachten die Grundsätze.
Das macht mich traurig. Der eigene Verein muss doch immer im Mittelpunkt stehen - da kann ich doch nicht schon vor dem Spiel die eigenen Spieler attackieren. Es kann nicht sein, dass Leute sich wichtiger nehmen als den Club. Das geht bei den Spielern nicht - und bei den Fans auch nicht.
Was kann man gegen die Gewalt tun?
Da muss auch mal ein Selbstreinigungsprozess eintreten. Wenn ein pubertierender Bengel meint, er müsse das Randalieren anfangen, müssen ihn die Älteren im Block auch mal in die Schranken weisen. Die 99,9 Prozent der friedlichen Fans müssen den paar Idioten die Rote Karte zeigen.
Kommen wir zum Abschluss zu einem angenehmeren Thema. Kaiser Franz Beckenbauer hat gesprochen und Sie schon mal als künftigen Trainer des FC Bayern ins Gespräch gebracht. Ist das Ihr großer Traum?
Ich war 16 Jahre lang beim FC Bayern Spieler. Es ist mein Verein. Ich spüre eine extreme Verbundenheit. Ich weiß aber, dass ich noch einiges leisten muss, bis ich mal da hinkomme. Momentan habe ich nur Hertha BSC im Kopf. Es ist eine tolle Aufgabe, die ich da habe. Wir haben viel zu tun - da brauche ich jetzt nicht das Träumen anzufangen.
Im Benefizspiel besiegen die All Stars der Kickers ihre Kollegen vom VfB Stuttgart mit 5:3 (2:2).