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Margaret Thatcher Hassfigur wird zur Heldin

Jasmin Fischer, vom 04.02.2012 11:00 Uhr
Ein neuer Film  porträtiert Magaret Thatcher – eine Frau, die Großbritannien veränderte wie kein anderer Politiker Foto: dpa
Ein neuer Film porträtiert Magaret Thatcher – eine Frau, die Großbritannien veränderte wie kein anderer Politiker Foto: dpa
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London - „Die Ex-Premierministerin ist eine Ikone, egal, ob man sich nun mit ihrer Politik identifiziert oder nicht“, sagt Kerstin Rodgers, „und ich bin wirklich kein Tory-Fan.“ Jede Betonung politischer Gegnerschaft ist eigentlich überflüssig: Dass Londons ausgeflippte Punk-Köchin schon ­optisch nicht zu den Konservativen in Westminster passt, wird augenblicklich klar. Ihre Haare hat sie in einem schockierenden Pink gefärbt, passend zum Mini-Rock. Den hebt sie gleich mal hoch, so dass die Fremden einen Blick auf fleischfarbene Stützstrümpfe werfen dürfen – nicht die einzige Hommage an Margaret Thatcher, die Rodgers darbietet. Sie hat eingeladen zum „Tee der Eisernen Lady“ und liegt damit voll im Trend.

Denn die Hassfigur von einst erfährt eine Neubewertung im Königreich, seitdem Hollywood sie in dem heftig umstrittenen Film „Die Eiserne Lady“ porträtiert hat. Am 6. März kommt das Drama um die demenzkranke Thatcher, deren Karriere als Erinnerungsfetzen über die Leinwand flimmert, auch in die deutschen Kinos. Und während Tory-Anhänger bemängeln, dass der Film ihr Lebenswerk gering schätzt, Kritiker andererseits sich über das Unterschlagen der brutalen Nebeneffekte von Thatchers Politik beschweren, ist in Großbritannien ein Denkprozess in Gang gekommen. 22 Jahre nach dem Ende ihrer Amtszeit in der Downing Street ist das Interesse der jüngeren Generation an der Eisernen Lady erwacht.

Kekse mit „Thatcher muss weg“ in Zuckerguss

„Sie hatte eine Vision, und die hat sie trotz erheblicher Widerstände in der Männerwelt durchgesetzt“, sagt Rodgers. „Thatcher war die letzte, echte Überzeugungspolitikerin – heute wollen viele einfach nur ein Amt aus ­Eitelkeit.“ Die kleine Gruppe in ihrem improvisierten Tee-Salon nickt zustimmend. Die Gäste inszenieren den Tory-Chic der achtziger Jahre mit einer Prise Selbstironie: Mittzwanzigerinnen tragen die Perlenketten ihrer Mütter, knielange Röcke und Strickjacken in Thatchers Lieblingsfarbe: Kobaltblau. Ihre Begleiter erscheinen in tadellosen Anzügen. Neben „Champagner-Sozialisten“ macht Anarcho-Köchin Rodgers – mit einem amüsierten Kreischen – einen echten Tory-Berater unter den Gästen aus. Dass sich Linke und Konservative heute ganz locker über die Frau unterhalten, die die Nation so lange gespalten hat, findet sie „grandios“. In einem Rezeptbuch aus dem Antiquariat hat ­Rodgers eine Anleitung gefunden, die Thatcher dem Werk einst für einen guten Zweck beigesteuert hat: köstlich, der Orangen-Walnuss-Kuchen, den die Punk-Frau nun duftend aus der Küche trägt. Und Rodgers hat Plätzchen in Handtaschenform gebacken, natürlich auch Kekse mit der Forderung „Thatcher muss weg“ in Zuckerguss.

Ihre Hoffnung, dass jemand als Thatcher-Gegenspieler, etwa als Demonstrant oder arbeitsloser Bergarbeiter, zur Party erscheint, geht zu ihrer Enttäuschung allerdings nicht auf. Dabei hat die Gastgeberin ­alle Speisen mit Anspielungen gespickt, die den kompromisslosen Wirtschaftsliberalismus jener Ära verulken: Lachs-Schnittchen mit dem Hinweis, dass „arbeitslose Bergarbeiter sich so etwas auf keinen Fall leisten könnten“. Süße Stückchen sind mit essbaren Mini-Milchflaschen garniert – ein Seitenhieb auf Thatchers Einsparung der Schulmilch für Kinder.

Der Tory-Berater unter der Gästeschar macht gute Miene zum Spiel. Für den 30-Jährigen ist Thatcher zwar nur Historie, aber doch eine Heldin: „Großbritannien war in den Siebzigern der arme Mann Europas, nach ihrer Amtszeit nicht mehr.“ Die Tochter eines Lebensmittelhändlers habe Klassenschranken überwunden und die Wirtschaft „trotz vieler Fehler“ zum Besseren reformiert. „Dass Labour ihre Politik nicht zurückgedreht hat, ist doch ein Zeugnis ihres Erfolges“, sagt er. Erst letztens sei ihm aufgefallen, dass Thatcher im Jahr 1988 als erste ­Regierungschefin der Welt den Klimawandel thematisiert habe. „Der Film macht sie vielleicht zum Kultstar, aber ich wäre heute auch hier, wenn es ihn nicht gäbe“, betont er.

„Es ist geschmacklos, ihre Demenz auszuschlachten“

Kaum ein Gast beim Thatcher-Tee ist von der Hollywood-Verfilmung überzeugt. „Es ist einfach geschmacklos, ihre Demenz auszuschlachten, ohne dass sie sich wehren kann“, ergreift Rodgers für eine Frau Partei, mit der sie fast nichts gemeinsam hat. Dass sie mit ihrer Meinung mal ganz mit den Torys übereinstimmt, hätte sie sich wohl nie träumen lassen. Aber so ist es eben: Man fühlt auf der Insel, dass die Staatschefin womöglich oft unfair kritisiert wurde. „Sie zieht nur­ deshalb so viel Hass auf sich, weil sie als Frau Grenzen überschritt“, findet Rodgers – und zieht einen Vergleich: „Ronald Reagan, der die gleiche Politik vertrat, gilt heute nicht als Monster, sondern als sympathischer Cowboy.“

Kommentare (9)
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FEB
06
14:33 Uhr, geschrieben von R.M.
@ 13:15 Uhr, geschrieben von Albert Seitzer zu R. M.
Versuch einer kruden Rechtfertigung die jeglichen Bezug zu historischen Hintergründen vermissen läßt. Ihre Darstellung der Dinge ist so Hahnebüchen unkorrekt und Zusammenhanglos ( Ihre herangehensweise an die Thematik Eurokrise , lsogenannte Legalisierung der von Ihnen bezeichneten Finanzverbrechen, Skrupellosigkeit und Menschenverachtung usw. sei durch Frau Thatcher iniziert und verursacht worden ist über die Maßen falsch und ungeheuerlich ). Sie müßen diese Zeitepoche komplet verschlafen haben oder zumindest die kausalen Zusammenhänge der damaligen Zeit nicht verstanden haben. Ihre jetzige Sichtweise der Dinge belegen dies, werter Herr Seitzer. Ein Tipp , zwischen den Zeilen zu lesen sofern man dies kann schärft die Sinne für die wahren Dinge des Lebens. ein mit reichlich Lebenserfahrung belasteter R.M.
FEB
06
13:42 Uhr, geschrieben von R.M.
@ Augen auf.....
.....bedeutet nicht zu Erkennen was Fakt ist und was nicht. Das Erkannte sprich Wahrgenommene richtig einzuordnen, daß es einen Sinn ergibt, setzt ein halbwegs intelligentes Denkvermögen voraus. Das können Sie werter A. Seitzer für sich selbst beurteilen. Ein noch nicht ganz geblendeter kritischer Zeitgenosse R.M.
FEB
06
13:15 Uhr, geschrieben von Albert Seitzer
zu R. M.
Frau Thatcher ist ein Vorbild an Skrupellosigkeit und Menschenverachtung, wenn es um Macht geht. Viele Spitzenpolitiker eifern ihr nach. Sie hat da einen zerstörerischen Wettbewerb der Selbstzerstörung entfesselt. Sie hat Herrn Kohl nicht überzeugt, sondern bezwungen. Erst, wenn wir die Ursachen von Eurokrise, Schuldenkrise, Finanzkrise endlich ehrlich anschauen und erkennen, können wir die Probleme erfolgreich lösen. Vorausgesetzt wir wollen es. Bisher werden nur Symptome kosmetisch behandelt. Ausgangspunkt ist die sogenannte Deregulierung des Finanzsektors. Wobei der Begriff Deregulierung beschönigend und verschleiernd ist. Deutlich ausgesprochen, Frau Thatcher hat Finanzverbrechen legalisiert und eine Lawine damit losgetreten. Erst jetzt wagt es der Spiegel, alle Achtung, die Betrügereien der Deutschen Bank zu beschreiben. In Spiegel-TV wurde sogar der noch skrupellosere Nachfolger von Herrn Josef Ackermann vorgestellt. Herr Obama wagt es sogar, vorsichtig den Kampf gegen die Zerstörer und Betrüger aufzunehmen. Jetzt hat Herr Ackermann einen ehemaligen Geheimdienstler angestellt, ihm brennt also der Kittel. Das läßt hoffen! Ich bin nicht im Kirchenchor, aber einem anderen. In vielen Kirchenliedern geht es um die Macht der Kirche und nicht um die Botschaft Jesu! Ich wünsche Ihnen und uns allen ein gesundes Ego!
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