Mannheim - Wegen Vernachlässigung und Misshandlung eines hilflosen alten Mannes müssen sich seit Montag eine Mutter und ihr Sohn vor dem Landgericht Mannheim verantworten. Die Anklage wirft ihnen vor, den Demenzkranken nur wegen des Pflegegeldes aufgenommen zu haben. Statt ihn richtig zu versorgen, hätten sie ihn aber verwahrlosen und in einem völlig verdreckten Zimmer hausen lassen. „Er hat es bei uns gut gehabt“, sagte hingegen die Angeklagte beim Prozessauftakt.
Der Mann soll unter katstrophalen Zuständen gehaust haben
Man habe den fast 80-Jährigen gewaschen und rasiert und sich auch sonst gut um ihn gekümmert. Das Duo soll den inzwischen verstorbenen Mann mindestens zwischen Mai und August 2008 kaum noch versorgt haben. Der Mann soll in einem kotverschmierten Raum ohne Heizung, Licht oder Wasser gelebt haben und war zuletzt um 15 Kilo abgemagert. „Wegen seiner körperlichen und geistigen Einschränkungen haben sie ihn verachtet“, warf die Staatsanwaltschaft den Angeklagten vor.
Die katastrophalen Zustände waren aufgeflogen, nachdem Mutter und Sohn im Sommer 2008 Urlaub gemacht und den Mann zurückgelassen hatten. Zwei Jahre später war er im Pflegeheim gestorben. Das Amtsgericht hatte im vergangenen September den Prozess ohne Urteil beendet und an das Landgericht verwiesen - wegen eines zu erwartenden Strafmaßes von mehr als vier Jahren (Az. 8 Ls 408 Js 29038/08). Zunächst saßen die beiden Beschuldigten nach Angaben des Gerichts in Untersuchungshaft, kamen aber auf Kaution frei.