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Mailänder Platz Mega-Einkaufszentrum soll zur Geldanlage werden

Von Konstantin Schwarz 

Hinter dem Hauptbahnhof drehen sich die Baukräne für das Einkaufszentrum „Milaneo“ des Hamburger ECE-Konzerns. Privatpersonen sollen sich mit Fondsanteilen in den Konsumtempel einkaufen können.

Stuttgart - Schon bevor der erste Kubikmeter Beton in die Schalungen floss konnte der Hamburger Branchenkrösus ECE, Teil der Otto-Versand-Gruppe, Vollzug melden. Das 43 000 Quadratmeter große Einkaufszentrum Milaneo an der Ecke Heilbronner und Wolframstraße sei großteils verkauft – an den Investor Hamburg Trust. Nun bietet Hamburg Trust Privatpersonen die neue Shopping-Mal zum Kauf an. Von Oktober an sollen Anteile ab 10 000 Euro erworben werden können. Insgesamt will das Unternehmen rund 117 Millionen Euro einsammeln.

Exakt 395,7 Millionen Euro soll die Hülle für rund 200 Shops und eine Tiefgarage mit 1680 Plätzen kosten. Den Garagen-Betrieb wird das Stuttgarter Unternehmen Park Service Hüfner übernehmen. Auf dem Dach des Milaneo wird die Bayerische Hausbau in 17 Einzelhäusern 417 Wohnungen bauen, dazu kommen 7400 Quadratmeter für Büros. Als Lärmpuffer gegen die Heilbronner Straße soll ein Hotelriegel dienen. Insgesamt kommt das neue Quartier damit auf eine Investitionssumme von 550 Millionen Euro.

Anteile am Einkaufszentrum wohl ab 10 000 Euro

Die Finanzierung von Einkaufszentrum und Garage hat mehrere Säulen. 245 Millionen Euro kommen von den Landesbanken aus Berlin, Brandenburg, Hessen und Thüringen. Die ECE, die das Zentrum bewirtschaften wird, gibt selbst 34,1 Millionen, ein Versorgungswerk hat bereits Fondsanteile für 28,5 Millionen Euro erworben. Am Ende will die Hamburger Fondsgesellschaft rund 117 Millionen Euro von privaten Anlegern für zwei geschlossene Immobilienfonds einsammeln.

Diese Fonds genossen in jüngster Zeit nicht den besten Ruf, weil Anleger in der Finanzkrise Teile ihres Vermögens verloren. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) arbeitet daher an neuen Regeln, die Kleinsparer besser schützten sollen. Die Beteiligungssumme bei Ein-Objekt-Fonds solle künftig nicht bei 10 000, sondern bei 50 000 Euro liegen. Damit wären sie eher etwas für Reiche, die Risiken eher erkennen könnten, lautet die Logik der Berliner Beamten.

Bernd Walter, bei der Hamburg Trust Mitglied der Geschäftsführung, rechnet dennoch damit, dass Anteile am Einkaufszentrum ab 10 000 Euro erworben werden können. Vertrieben würden die Anteilsscheine über Sparkassen in der Region Stuttgart, aber auch bundesweit, sowie über Privatbanken. Vertriebsprovisionen fressen bis zu zehn Prozent der Anlage. Dennoch soll genügend übrig bleiben. „Die Leistungsbilanz der ECE ist sehr positiv. Alle deutschen ECE-Einkaufscenter sind zu 99 Prozent vermietet. Das erwarten wir auch in Stuttgart“, sagt Walter, und verspricht sechs Prozent jährliche Ausschüttung. Bisher seien für 40 Prozent der Flächen Mieter gefunden. Namen würden noch nicht genannt. Die Lehre aus der Fondskrise heißt für Walter „Liquiditätsreserve“. In die Fonds soll 17 Prozent mehr als die Investitionssumme fließen. Als Puffer, falls für Leerstände, Umbauten oder Verzögerungen Geld nachgeschossen werden müsste.

117 Millionen Euro sollen bis Mitte 2013 eingesammelt sein

Die 117 Millionen Euro sollen bis Mitte 2013 eingesammelt sein. „Wir haben einen guten Nachfrageüberhang, auch aus dem institutionellen Bereich“, so Walter. Die Standardmietverträge sähen eine zehnjährige Laufzeit mit fünfjähriger Verlängerungsoption vor, die Mietpreise stiegen parallel zur Inflation. Mehrere Gutachten bestätigten dem Center in der Stuttgarter City eine enorme Anziehungskraft. 1,9 Millionen Menschen können es in weniger als 30 Autominuten erreichen. In Städten wie Hamburg oder Düsseldorf hätten derartige Center „auch die Geschäfte in den Fußgängerzonen beflügelt“, weist Walter Kritik der City-Initiative und IHK zurück.

Wenn am 28. September der Grundstein für das Milaneo gelegt wird stehen nur wenige Meter entfernt rund 180 Mieter vor dem Einzug in die Pariser Höfe. Der Neubaukomplex mit insgesamt 242 Wohnungen ist zu 75 Prozent vermietet. Bauherr ist Reis & Co, Eigentümer die Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen. Beide sitzen in München. Im Schnitt zwölf Euro Kaltmiete müssen die Erstmieter für ihre Wohnungen aufwenden, der Tiefgaragenplatz koste 120 Euro, sagt Daniela Reber von Reiß & Co. Einziehen würden „hauptsächliche Singles und Paare im jüngeren oder mittleren Alter“, so Reber. Familien scheint das bisherige Bankenviertel hinter dem Bahnhof nicht locken zu können. „Unter fünf Prozent“, und damit unter der absoluten Zahl von zehn, liege deren Anteil, so Reber, die „noch Wohnungen in allen Kategorien ab 10,50 Euro Kaltmiete“ anbietet.

Zu den Pariser Höfen zählt auch ein den alten Bahngleisen zugewandte Büroriegel mit 8200 Quadratmeter. 6000 davon hat die EnBW-Tochter Transnet (Transportnetze AG) angemietet. Über die restlichen Fläche, auch über eine Gastronomie im Erdgeschoss des Wohnungsflügels, stehe man in Verhandlungen mit Interessenten, zeigt sich Reber zuversichtlich.

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