Ludwigsburg: War Nadine Ertugrul doch ein Zufallsopfer? Mordfall Ertugrul: Polizei will ins ZDF

Von Tim Höhn 

Ein Holzkreuz und  Blumen am Tatort in Ludwigsburg-Eglosheim erinnern an die ermordete Nadine Ertugrul. Foto: factum/Bach
Ein Holzkreuz und Blumen am Tatort in Ludwigsburg-Eglosheim erinnern an die ermordete Nadine Ertugrul.Foto: factum/Bach

Die Ermittler im Mordfall Nadine Ertugrul in Ludwigsburg hoffen, dass bald in der Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ über die brutale Tat berichtet wird. Auch eine Belohnung soll ausgelobt werden. Die Beamten schließen nicht mehr aus, dass die zweifache Mutter ein Zufallsopfer war.

Ludwigsburg - Vor vier Monaten ist Nadine Ertugrul in Ludwigsburg-Eglosheim ermordet worden. Unbekleidet und mit massiven Schnittverletzungen am Hals wurde die Leiche der zweifachen Mutter in einem Gebüsch unweit der Pädagogischen Hochschule gefunden. Die grausame Tat hat die Familie und die Stadt erschüttert, und noch immer gibt es keinen Verdächtigen, trotz umfangreicher Ermittlungen einer Sonderkommission. Jetzt plant die Polizei, eine wesentlich breitere Öffentlichkeit in die Suche nach dem Täter einzubinden. Die Ermittler prüfen, ob der mysteriöse Fall in der bekannten Kriminalsendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ vorgestellt werden kann.

Die Polizei verhandelt mit dem ZDF

„Wir sind in Verbindung mit dem ZDF“, sagt die Ludwigsburger Polizeisprecherin Yvonne Schächtele. Es sei aber noch nicht sicher, dass es klappe. Der Vorstoß scheint durchaus sinnvoll zu sein, denn die Fernsehsendung erreicht jeden Monat zwischen fünf und sechs Millionen Zuschauer. Präsentiert werden darin Fälle, bei denen die Polizei mit konventionellen Ermittlungsmethoden nicht mehr weiter kommt – was im Mordfall Nadine Ertugrul, das zeichnet sich immer deutlicher ab, wohl auch zutrifft.

Lange ging die Sonderkommission der Kripo davon aus, dass es sich um eine Beziehungstat handelt und der Täter demnach im Umfeld des Opfers zu suchen ist. Die 36-Jährige hatte sich vor einiger Zeit von ihrem Mann getrennt, die beiden waren aber nicht geschieden und wohnten bis zuletzt mit ihren drei und fünf Jahre alten Kindern in Eglosheim – obwohl Nadine Ertugrul laut der Polizei eine neue Beziehung eingegangen war.

Der Anfangsverdacht ließ sich nicht erhärten

Zuletzt lebend gesehen wurde sie am 12. Oktober gegen 20.30 Uhr in einem Lidl-Markt in der Reuteallee. Unweit davon wurde eine Woche später die Leiche gefunden. Doch die Ermittlungen im persönlichen Umfeld führten zu keinem Ergebnis. Zwischenzeitlich bestand ein Anfangsverdacht, der sich indes nicht erhärten ließ. Auch die Tatwaffe oder die Kleidung des Opfers wurden nicht gefunden, obwohl die Soko unter anderem mehrere Tage lang den in der Nähe des Tatorts gelegenen Monrepossee abtauchen ließ.

Wohl auch aus diesen Gründen hat das Polizeipräsidium jetzt die Sprachregelung verändert: „Es ist im Grunde genommen so, dass wir das Geschehen nicht mehr auf eine Beziehungstat eingrenzen können“, sagt Schächtele. „Es könnte sich genauso um eine Spontan-Tat gehandelt haben.“ Das wiederum bedeutet, dass der Täter nicht aus Ludwigsburg oder der Region stammen muss, sondern sich eventuell zufällig dort aufhielt und spontan ein Opfer suchte. Was nach wie vor gegen diese These spricht: die Obduktion hat ergeben, dass es sich nicht um ein Sexualdelikt gehandelt hat.

Bald soll eine Belohnung ausgelobt werden

Mit großen Flyer- und Plakataktionen in Ludwigsburg hat die Sonderkommission mehrfach versucht, Hinweise aus der Bevölkerung zu gewinnen. Fotos von Nadine Ertugrul wurden veröffentlicht. Unlängst berichtete eine Joggerin, sie habe beobachtet, wie sich das spätere Mordopfer über Monate hinweg regelmäßig auf Feldwegen bei Möglingen mit einem 40 bis 50 Jahre alten Mann getroffen habe. Doch auch diese Spur führte nicht weiter.

Wenn die Beamten nun tatsächlich einkalkulieren, dass der Täter womöglich gar nicht in der Region wohnt, wird das Bemühen um einen Platz in „Aktenzeichen XY … ungelöst“ umso verständlicher. Die einst 55-köpfige Sonderkommission wurde mittlerweile auf eine zwölfköpfige Ermittlungsgruppe verkleinert, was auch daran liegt, dass inzwischen „nur noch vereinzelt neue Hinweise zu dem Fall eingehen“, erklärt Schächtele. Zumal zwölf Ermittler immer noch eine stattliche Zahl sei. Der Fall sei zwar äußerst verzwickt, solange es aber keine neuen Ermittlungsansätze gebe, gebe auch nicht mehr so viel zu tun.

Neue Impulse erhofft sich die Polizei dadurch, dass aller Voraussicht nach Ende Februar eine Belohnung ausgelobt wird für Hinweise, die zu dem Täter führen. In dieser Frage sei man im Gespräch mit der Stuttgarter Staatsanwaltschaft, berichtet das Polizeipräsidium.

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Kolumne: Alles bell Pudeldame Nelli allein zu Haus

Von 24. Mai 2016 - 16:45 Uhr

Nicht nur Hotelerbinnen nehmen ihre Hunde überall hin mit. Auch deutsche Chorsänger tun dies. Dummerweise dürfen die Vierbeiner aber nicht mitsingen.