Ludwigsburg - Bei der Herstellung ihrer Porzellanwaren setzt die Ludwigsburger Schlossmanufaktur auf einen Produktionsbetrieb in Thüringen: Nach langwierigen Verhandlungen wird die zahlungsunfähige Porzellanmanufaktur in Lichte (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt) zum 1. Februar von den Ludwigsburgern übernommen. In dem ostdeutschen Unternehmen soll künftig offenbar die so genannte Weißware hergestellt werden. Vertrieb, Marketing und Malerei bleiben in Ludwigsburg erhalten.
Wie der Erfurter Insolvenzverwalter Jens Oehler am Dienstag bekanntgeben ließ, hat der neue Eigentümer zugesichert, in dem Nachfolgebetrieb vorrangig bisherige Mitarbeiter der Thüringer Porzellanfirma einzustellen. Lichte Porzellan hatte bereits Muster für die Schlossmanufaktur Ludwigsburg angefertigt - und mit den Arbeiten das handwerkliche Können unter Beweis gestellt. "Wir fanden eine gute Ausstattung und strukturierte Produktionsabläufe vor", erklärt der in Ludwigsburg als Artdirector geführte Sven Markus von Hacht.
Historische Designs und eine neue Produktlinie
Er will neben hochwertigen historischen Designs auch eine neue Produktlinie auf den Markt bringen und setzt beim Vertrieb auf einen neuen Online-Shop. Im Ludwigsburger Residenzschloss hat die Porzellanmanufaktur sich einen neuen Verkaufsraum mit viel Publikumsverkehr im Museumsshop gesichert. Offenbar soll die in den vergangenen Wochen ausgesetzte Produktion in Lichte bereits im Februar wieder hochgefahren werden. Maxim Gennel, der aus Russland stammende Geschäftsführer der Schlossmanufaktur, war am Dienstag nicht für Nachfragen zu erreichen.
Die Porzellanmanufaktur in Lichte ist im Jahr 1822 gegründet worden und hatte neben Vasen und Figuren vor allem feines Haushaltsgeschirr hergestellt. Noch zu DDR-Zeiten waren über 300 Mitarbeiter in dem Werk beschäftigt. Allerdings hinterließ die Krise der Porzellanindustrie auch bei dem Thüringer Hersteller seine Spuren. Als das Unternehmen im März 2010 Insolvenz anmelden musste, waren noch 29 Menschen im Betrieb tätig. Der Erfurter Jens Oehler führte die Produktion mit 15 Mitarbeitern fast zwei Jahre fort und verhandelte mit mehreren Übernahme-Interessenten.
In Ludwigsburg wird seit Sommer 2010 kein Porzellan mehr gebrannt
Bereits im November 2011 hatte sich der Gartenschau-Direktor Volker Kugel persönlich ein Bild von der Porzellanproduktion in Thüringen gemacht. Der Chef des Blühenden Barocks ist mit der Überwachung der Lizenzrechte beauftragt worden. Bei der Gründung der Schlossmanufaktur im Februar 2009 hatten sich die Stadt Ludwigsburg und das Land Baden-Württemberg für 150 000 Euro die historischen Muster des von Herzog Carl Eugen gegründeten Betriebs gesichert. Auch Kugel war von der Qualität der ostdeutschen Produktion offenbar überzeugt. Die bei der Übernahme der Ludwigsburger Porzellanmanufaktur vereinbarte dreijährige Standortgarantie für die Herstellung läuft im Februar 2012 aus.
In Ludwigsburg wird seit Sommer 2010 kein Porzellan mehr gebrannt. Der etwa 500 Quadratmeter große Weißbetrieb in der Mühlstraße gilt als technisch veraltet, der marode Brennofen sorgte für eine hohe Ausschussquote. Die Manufaktur in Lichte bietet zwar ebenfalls nur museumsreife Technik, aber 20 000 Quadratmeter Platz. Ein Fünftel will die Schlossmanufaktur für die Herstellung nutzen. Ebenfalls in Lichte hatte von Hacht im November 2010 eine Produktionsgesellschaft mit dem Titel Vereinigte Manufacturen gegründet. Die Firma meldete im Januar die Insolvenz an.