Loisach Marci im Bix Der Jodler sagt Ja zu Techno und Rap

Von Thomas Staiber 

Ein Stuttgarter, der Bayerisch kann: Marcel Engler alias Loisach Marci mit Alphorn auf dem Max-Eyth-See Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Ein Stuttgarter, der Bayerisch kann: Marcel Engler alias Loisach Marci mit Alphorn auf dem Max-Eyth-SeeFoto: Lichtgut/Max Kovalenko

Zwei Seelen wohnen in seiner Brust. Marcel Engler alias Loisach Marci spricht astrein Schwäbisch und singt akzentfrei Bayerisch. Manchmal kommt er, der die Musi und das Milieu der Großstadt zusammenbringt, bei seinen Ansagen im Bix bisschen durcheinander, dann klingt er wie ein Allgäuer.

Stuttgart - Zwei Seelen wohnen in seiner Brust. Marcel Engler alias Loisach Marci spricht astrein Schwäbisch und singt akzentfrei Bayerisch. Manchmal kommt er bei seinen Ansagen ein bisschen durcheinander, dann klingt er wie ein Allgäuer. Ha no! Jo mei!

Im Spannungsfeld von großer Stadt und Alpenland elektrisiert er mit seinem Synthi-Hip-Hop-Ländler-Mix das Publikum im Bix, animiert die Damenwelt zu schrillen Schreien und die Herren der Schöpfung mindestens zu breitem Grinsen.

Der 40-Jährige, der in zünftigen Lederhosen und leuchtenden Hosenträgern eines Kettensägenherstellers, aber nie mit kariertem Wiesn- oder Wasenhemd auftritt, beherrscht mehr oder weniger ein Dutzend Instrumente. Von der hellen Flöte über Trompete und Blues-Harp bis hin zum mächtig langen Alphorn hat er alles im Programm. Außerdem präsentiert er sich als auf seine Oberschenkel klopfender Löffelspieler. Bei einer solchen Gaudi kommen technoerprobte Kopfnicker und rapaffine Armeschwenker voll auf ihre Kosten.

Im unbestuhlten Bix geht es heiß her

Im rappelvollen und ausnahmsweise unbestuhlten Bix geht es an diesem Freitagabend so heiß her, dass sich zahlreiche Konzertbesucher bald überflüssiger Kleidungsstücke entledigen. Der Zapfer hinter der Theke riskiert einen Tennisarm, weil so viel Bier aus dem Schönbuch geordert wird. Bedienungen schwirren bienenfleißig umher.

Der Loisach Marci – Sohn einer Stuttgarterin und eines Generalmusikdirektors aus Garmisch – erweist sich am Synthi als Elektronik-Freak. Mit von der Party: der spielfreudige Gitarrist Jens-Peter Abele mit seinen immerhin siebzehn Bodenpedalen, der mit Punch und Begeisterung zuschlagende Drummer Joe Styppa und Marcis fröhliche Schwester Heidi am Gesang, Waschbrett und Alphorn Nummer zwei.

Die wie aufgedreht agierende Combo ­bevorzugt es krachledern und elektronisch wuchtig. Süße Harmonien bajuwarischer Provenienz vermählen sich mit knallharten Beats aus dem Drum-Computer, Jodler und Juchzer sagen Ja zu Techno und Rap. Da hüpft den Besuchern das Herz vor Freude – im selben Takt wie der Loisach Marci da oben auf den Bühnenbrettern. Auch die verwegene Feder am Trachtenhut bewegt sich im Takt.

So wildert der bärtige Musikant, der sich nach einem Nebenfluss der Isar benennt, im Revier der bayerischen Volksmusik. Mit anarchischem Witz holt der gelernte Fensterbauer die Musi ins Milieu jüngerer Großstädter und Disco-Besucher, die mit „volksdümmlicher Musik“ – wir zitieren eine Besucherin – à la Reiber, Silbereisen und SWR 4 gar nichts anfangen können. Denen kommt natürlich so einer wie dieser bayerische Stuttgarter gerade recht.

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