Logistik Daimler testet den Warentransport per Drohne

Von Artur Lebedew 

Ein Lieferwagen von Daimler als Drohnen-Parkplatz Foto: Daimler
Ein Lieferwagen von Daimler als Drohnen-Parkplatz Foto: Daimler

Bei einem Pilotprojekt in der Schweiz sollen Drohnen auf dem Dach von Lieferwagen von Daimler landen. Das soll schnelle Lieferungen im Online-Handel ermöglichen. Der Autobauer arbeitet bei der Technologie mit dem US-Hersteller Matternet zusammen.

Stuttgart - Online bestellen und innerhalb weniger Minuten die Ware geliefert bekommen: Was nach Science-Fiction klingt, soll mit der Vernetzung von Warenhaus, Drohne und Lieferwagen bald möglich werden. Zusammen mit dem US-Drohnenhersteller Matternet und der Schweizer Online-Shoppingplattform Siroop, testet Daimler in den nächsten drei Wochen in Zürich einen Lieferservice, bei dem Kunden kleinere, bis zwei Kilogramm schwere Waren bestellen und innerhalb kurzer Zeit liefern lassen können.

Wie das genau funktioniert, präsentierten die Unternehmen am Donnerstag bei einem Pilotprojekt in der Schweizer Hauptstadt: Da wurde auf der Plattform Siroop ein etwa 300-Gramm-Päckchen Kaffee bestellt, das eine Angestellte mit breitem Lächeln in eine Box packte und an der Drohne befestigte. „Bevor die Drohne startet, berechnen wir die Route und checken, ob der Weg frei ist oder von anderen Objekten wie Hubschraubern blockierte wird“, sagte Matternet-Geschäftsführer Andreas Raptopoulos.. Das Fluggerät hob ab und flog mit 70 Kilometern pro Stunde Richtung Daimler-Van. Auf einer Karte beobachteten die geladenen Journalisten, wie sich die Lieferung über ein Wohngebiet bewegte – „die Live-Position will der Kunde heute wissen“, sagte Raptopoulos. Fünf Minuten später kam die Drohne etwa zehn Meter über dem Lieferwagen in der Luft zum Stehen und landete anschließend auf dem Dach des Vans.

Daimler-Vans als Teil eines Logistiksystems

Bei der kommenden Testphase soll der Postbote mit dem Lieferwagen die letzten Meter zum Kunden fahren und die Ware an der Tür übergeben. Währenddessen fliegt die Drohne zurück zum Händler. „Wir sehen unseren Van als Teil eines Logistiksystems, das autonom funktioniert und mit anderen Komponenten wie Drohnen oder Warenhäusern digital vernetzt ist“, sagte Stefan Maurer, Leiter Future Transportation bei Mercedes-Benz Vans. Der Lieferservice mit der Shopping-Plattform Siroop ist die erste Anwendung von Vans & Drones der Firmen Daimler und Matternet.

In der Vergangenheit stellten die Entwickler auch andere Einsatzgebiete vor, bei denen Lieferwagen als mobile Landepunkte für Drohnen genutzt werden könnten. So sei beispielsweise denkbar, dass Krankenwagen von Drohnen mit wichtigen Medikamenten in Staus angeflogen werden könnten oder Handwerker an entlegenen Einsatzorten kaputte Ersatzteile zum Wagen liefern ließen.

Inwieweit sich derlei Einsatzmöglichkeiten als gewinnbringend erweisen und wann sie am Markt verfügbar sein könnten, kann selbst Daimler nicht sagen. Es gibt etliche Schwierigkeiten, denn die Drohnentechnologie scheint bislang nicht ausgereift zu sein. Die Matternet-Drohne habe eine Reichweite von 20 Kilometern und fliege nur bei sehr günstigen Bedingungen, bei Regen oder Sturm aber nicht, so die Entwickler. Auch sind etliche Lizenzen notwendig, um automatische Dienstleistungen aus der Luft anzubieten. Ein wesentlicher Grund, warum Daimler das Drohnenprojekt in Zürich testet, sei die liberale „Pionierhaltung“ der Schweizer Behörden im Bereich der Luftverkehrssicherheit, sagte Maurer.

Viele Unternehmen wittern das Potenzial

Trotzdem wittern viele Unternehmen das Potenzial. Amazon oder die Post experimentieren schon länger mit fliegenden Paketen per Drohne. Der deutschen Post war es im vergangenen Jahr gelungen, in Bayern 130 schwerere Pakete vom Tal bis zur Alm auf 1200 Meter Höhe zu fliegen. Auch Amazon brachte erste Drohnenlieferungen erfolgreich zu den Kunden. Als nächsten Schritt soll das Unternehmen Lieferungen planen, die per Fallschirm abgeworfen würden. Derlei Pläne offenbaren Patente, die der Versandhändler angemeldet hat. Das Ziel wäre dann, einen eigenen Lieferservice anzubieten und unabhängig von der Post oder den Landemöglichkeiten für Drohnen – wie von Daimler – zu sein.

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