Stuttgart - Diesmal nennt er sich Superhelgi und hat sich einen tintenblauen Anzug besorgt. Helge Schneider ist Könner und Clown, davon konnte man sich am Faschingsdienstag im fast ausverkauften Beethovensaal der Liederhalle einmal mehr überzeugen. Er wird 57 dieses Jahr, sein größter Erfolg, das „Katzenklo“, liegt 19 Jahre zurück – geliebt wird er aber noch immer von einem vorwiegend jungen Publikum.
Das freute sich ganz maßlos, als Helge in Stuttgart wieder einmal zerstreut über die Bühne schlurfte, den Schlager kauzig auf den Arm und den Jazz klammheimlich ernst nahm. Der Witz bei Schneider steckt auch in den Noten. Wenn er sich die Marimba herbeischieben lässt und nach den Stöcken greift, hüpft die Musik irrwitzig zwischen den Klischees umher; wenn er sich ans Klavier setzt, donnert er nur scheinbar unbeholfen auf die Tasten. Denn: Er kann es eben doch, genial und lässig. Manchmal kommt Tyree Glenn jr. dazu, Sohn eines großen Posaunisten und selbst ein Meister des sehr langen Atems am Saxofon. Mit ihm spricht Helge in einem Amerikanisch, das keines ist und nichts bedeutet.
Die übliche Entourage des schrulligen Entertainers: Sergej Gleithmann, der dünne Herr mit langem Bart, hüpft ekstatisch ins Rampenlicht und rollt seine Isomatte aus; Bodo Oesterling ist Teekoch, serviert und taugt zu nichts anderem, wie Helge Schneider findet, nachdem er ihn das „Katzenklo“ singen ließ. Ira Coleman und Willy Ketzer sind die formidable Rhythmusgruppe eines Programms, das kurzweilig von der feinen Musik in den kruden Blödsinn und zurück driftet.
Helge Schneider weiß, dass Stuttgart nun unterirdisch ist, und freut sich darüber ebenso sehr wie über die Haken in der Betonseitenwand des Beethovensaals. Sein Lindenberg, fast echt, darf sowieso nicht fehlen, auf der Gitarre klimpert er „Johnny Claus ging nie nach Haus“ – und seine Einsichten sind so klar und treffend wie eh und je: „Der Merkel ist ein Typ mit einer besonders femininen Seite!“ Und, zur Bekräftigung: „Ooch! Ja nee! Ja doch! Ja nee!“