Leonhardskirche Stuttgart Zur Landtagswahl trotz Armut

Von Eva Funke 

Ein warmes Essen: Für viele Vesperkirchenbesucher nicht selbstverständlich. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Ein warmes Essen: Für viele Vesperkirchenbesucher nicht selbstverständlich. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Während der Vesperkirche werden nicht nur jeden Tag bis zu 800 Essen ausgegeben. Es wird auch diskutiert - zum Beispiel zum Thema „Arme Wähler wählen nicht".

Stuttgart - Handelt es sich wie angekündigt um eine Diskussion zwischen Politikern und Armen? Oder ist es doch eher eine Wahlkampfveranstaltung vor den Landtagswahlen? „Wir sind in der Vesperkirche, und ich habe eine Diskussion erwartet“, kritisiert ein Zuhörer die Veranstaltung. Denn geboten wurde ihm und den anderen rund 60 Besuchern Wahlkampf pur.

Armut und Arbeitslosigkeit gehören zusammen

Nachdem Niklas im Winkel von der Bertelsmann Stiftung einleitend festgestellt hat, dass es vor allem die armen Bürger sind, die der Politik den Rücken kehren und nicht zur Wahl gehen, wollten die Politiker auf dem Podium die Chance nutzen, die Zuhörer, von ihren Programmen zu überzeugen. Der kleinste gemeinsame Nenner zwischen ihnen: Armut und Arbeitslosigkeit gehören zusammen, also muss etwas gegen Langzeitarbeitslosigkeit passieren. Aber was?

Im FDP-Wahlprogramm scheint dazu nichts zu stehen. „Ich möchte deshalb keine Versprechungen machen, die wir dann nicht halten“, sagt Gabriele Reich-Gutjahr. Das Programm, dass die derzeitige Landesregierung auf den Weg gebracht hat, nämlich dass Arbeitgeber einen Zuschuss bekommen, wenn sie Langzeitarbeitslose einstellen, hält sie aber für gut.

Hannes Rockenbauch, der als Kandidat für die Linke antritt, bekam zwar den meisten Applaus, als er dafür plädierte, Hartz IV durch ein bedingungsloses Grundeinkommen zu ersetzen. Er musst sich aber auch die Frage gefallen lassen, wie das denn geschafft werden solle. „Das sind leere Versprechungen vor der Wahl“, ist eine Hart IV-Empfängerin überzeugt. Verhaltenen Applaus gab es auch für Landtagsvizepräsidentin Brigitte Lösch (Grüne) für ihre Aussage, dass ökologischer und sozialer Fortschritt zusammen gehören.

Nur ein Nichtwähler in der Vesperkirche

Kontakt mit Armen? Den hatte Donate Kluxen-Pyta (CDU) als sie beim Brote schmieren und Kaffee einschenken in der Vesperkirche half. Ihr Fazit: „Armut sieht man oft nicht. Ich habe mit zwei Rentnerinnen gesprochen, die in die Vesperkirche kommen, weil ihre Rente nicht reicht.

Ergun Can (SPD) versuchte mit der eigenen Betroffenheit zu punkten. „Mein Vater und auch mein Bruder waren arbeitslos. Ich habe als Kind gespürt was Ausgrenzung bedeutet.“ Er schlägt den Bogen zum Thema der Diskussion. Nach den Wahlen würde keiner der Politiker erwähnen, wie gering die Wahlbeteiligung sei., das ärgere ihn.

Und wer in der Vesperkirche wird bei den Landtagswahl zu den Nichtwählern zählen? Nur eine Hand geht hoch: Eine 60 -jährige Hartz IV-Empfängerin will von Politik nichts mehr wissen.. „Sobald die Wahllokale zu sind, passiert nichts mehr“, sagt sie. Alle anderen Zuhörer in der in der Vesperkirche wollen ihr demokratisches Recht in Anspruch nehmen. „Ich bin als Kind mit meinen Eltern ins Wahllokal und habe gelernt, dass man wählt“, sagt eine junge Frau.

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