Leonberg „Ohne die Bürger ist eine Stadt nicht lebendig“

Von Thomas K. Slotwinski 

Der OB beim Silvestertreff im Schatten der Michaelskirche. Foto: factum/Granville
Der OB beim Silvestertreff im Schatten der Michaelskirche.Foto: factum/Granville

Beim Altjahrabend wirbt der Oberbürgermeister für eine dynamische Stadtgesellschaft und würdigt das Engagement der ehrenamtlichen Helfer. Bei der Integration der Flüchtlinge sieht Bernhard Schuler noch große Herausforderungen.

Leonberg - Es gibt gewisse Silvesterrituale: Blei gießen oder „Dinner for one“ anschauen. In Leonberg kommt ein weiteres hinzu: der Altjahrabend. Der Oberbürgermeister hält eine Neujahrsansprache. Die dreht sich weniger um die Probleme der Welt, dafür um die nicht minder spannenden Entwicklungen vor Ort.

Solche Jahresabschlussfeiern gibt es seit mehr als 90 Jahren – sowohl auf dem Marktplatz, als auch vor dem Eltinger Rathaus. Deshalb spricht Bernhard Schuler an beiden Stätten zu seinen Mitbürgern, und kann sich hier wie dort einer großer Zuhörerschaft sicher sein.

Den Kirchplatz gab es früher nicht. Dort stand eine Schule. „Er symbolisiert den Wandel Eltingens vom Dorf zum vitalen Teil der Stadt“, unterstreicht der OB am letzten Abend des Jahres 2015 die Bedeutung Eltingens für ganz Leonberg. Eine Würdigung, die die Zuhörer im Schatten der Michaelskirche gerne hören.

Flüchtlinge sind die größte Herausforderung

Und auch die anderen Botschaften des Oberbürgermeisters stoßen auf offene Ohren. Hernach ist allenthalben von einer guten Ansprache Schulers die Rede, der am heutigen Samstag sein 60. Lebensjahr vollendet. Das liegt wohl mit daran, dass der OB die unzweifelhaft vorhandene Dynamik bei der Stadtentwicklung hervorhebt, dabei die objektiv vorhandenen Probleme aber keineswegs verschweigt. Wobei die größte der anstehenden Herausforderungen die Integration der Flüchtlinge ist. Und diese sollte eben nicht verklärt oder mit Floskeln überdeckt werden, sagt Schuler deutlich.

Das oft bemühte Bild der Nachwuchsriege für die nach Fachkräften suchende Wirtschaft hält das Stadtoberhaupt für nicht zutreffend. Vielmehr, so zitiert er einen Bericht aus unserer Zeitung, „gelten zwei Drittel der jungen Syrer als funktionale Analphabeten, die deutschen Schülern im Mittel fünf Jahre hinterherhinken.“

Für den OB ist es bei der Integration allein mit Deutschkenntnissen nicht getan. Angesichts „erheblicher Mentalitäts- und Kulturunterschiede ist es unsere Aufgabe, die Menschen schnell zu integrieren und klar zu machen, was wir von ihnen erwarten.“ Das wiederum, so räumt er ein, ist „in einer so heterogenen Gesellschaft wie der unseren nicht einfach.“ Denn: „Was macht unsere Gesellschaft aus? Was ist Deutsch?“

Entscheidend ist der Zusammenhalt

Auf keinen Fall ausschließlich die Grundrechte, die der Oberbürgermeister als „Abwehrrechte des Bürgers gegen den Staat“ bezeichnet. Für ihn ist vielmehr der Zusammenhalt einer Gesellschaft entscheidend, „gerade dann, wenn es einmal nicht so rund läuft.“ Diesen Zusammenhalt sieht Bernhard Schuler in der Leonberger Stadtgesellschaft durchaus gegeben, was nicht zuletzt an der großen Resonanz an den Altjahrabenden festzustellen sei.

Die wiederum sind keine Soloschau des Rathauschefs, sondern ein Zusammenspiel bürgerschaftlichen Engagements. In Eltingen hilft der Bürgerverein bei der Organisation. Der Musikverein Lyra und der Posaunenchor geben dem Abend ein festliches Ambiente. Auf dem Marktplatz sorgen der Liederkranz und die Stadtkapelle dafür. „Ohne Teilnahme der Bürgerschaft ist eine Stadt nicht lebendig“, stellt der Oberbürgermeister fest und verweist auf einige nicht unwichtige Entwicklungen, die ebenfalls zur Lebendigkeit der Stadt beitragen.

Der Stadtumbau nimmt Konturen an

Der im Jahre 2008 begonnene Stadtumbau werde nun sichtbar. Sei es auf dem Gelände der ehemaligen Bausparkasse, wo die Firma Layher Mitte des Jahres ein neues Stadtviertel errichten wird. Oder sei es mit dem sanierten Hallenbad, Schuler nennt es „eines der schönsten städtischen Gebäude der Nachkriegszeit“, oder jetzt mit der Erweiterung der Sauna, die nach den Sommerferien in Betrieb geht und „eine weitere Verbesserung der Infrastruktur unserer Heimat“ darstellt. Und natürlich mit dem großen Kino, das im Frühjahr eröffnen wird.

Die Menschen bedenken die Worte des Oberbürgermeisters mit freundlichem Applaus und gehen weitgehend zufrieden in die letzte Nacht des Jahres: So schlecht lebt es sich in Leonberg fürwahr nicht.

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