Leonberg Mann verdächtigt Nachbarin falsch

Von Bartek Langer 

Wegen falscher Anschuldigung und Beleidigung muss Foto: dpa
Wegen falscher Anschuldigung und Beleidigung mussFoto: dpa

Ein 52-jähriger Gärtner ist wegen falscher Anschuldigungen und Beleidigungen zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Seine Nachbarin hatte er wegen angeblicher Trunkenheit am Steuer und Kinderpornografie bei der Polizei angeschwärzt.

Leonberg - Ein skurriler Nachbarschaftsstreit hat die Richterin Sandra De Falco am Leonberger Amtsgericht beschäftigt. Auf der Anklagebank: ein 52 Jahre alter Landschaftsgärtner, der seine Nachbarn offenbar beschimpfte. Eine Mutter bezichtigte er gar der Kinderpornografie und hetzte ihr das Jugendamt auf den Hals, weil sie angeblich ihre achtjährige Tochter misshandelt habe. Für seine Beleidigungen und haltlosen Anschuldigungen muss der 52-Jährige nun eine Geldstrafe von 1350 Euro bezahlen.

Wenn verfeindete Nachbarn aufeinandertreffen, geht es selten zimperlich zu. Auch in dem jüngst verhandelten Fall bewarfen sich die Parteien mit gegenseitigen Anschuldigungen. Im Mittelpunkt stand ein 52-jähriger Leonberger. Der Gärtner soll die unter ihm wohnenden Nachbarn beleidigt haben, weil sie unangekündigt in ihrem Garten grillten. Die Tochter seiner Vermieterin betitelte er als „Schlampe“ und beschuldigte sie bei der Polizei der Trunkenheit am Steuer sowie der Kinderpornografie.

Der schlagfertige Angeklagte sah sich angesichts der ihm zur Last gelegten Vorwürfe keinesfalls im Unrecht. „Das Verhältnis zwischen mir und den Nachbarn ist zerrüttet“, gab der 52-Jährige zu Beginn seiner Aussage zu. Doch er selbst sehe sich einer Hetzkampagne ausgesetzt.Mit den Nachbarn im Erdgeschoss habe er ausgemacht, dass sie ihn vorab informieren sollten, wenn sie grillen, damit er seine Balkontür schließen könne. „Denn der Qualm staut sich unter meinem Balkon und zieht dann in die Wohnung“, so der Angeklagte. Entnervt habe er den Nachbarn, die sich nicht daran hielten, einmal „Ihr seid so bescheuert wie die da oben“ zugerufen.

Mit „die da oben“ war eine weitere Nachbarin gemeint, die der Angeklagte auf dem Kieker hatte. „Diese Frau hat ein Alkoholproblem und einen Hang zur Kinderpornografie“, berichtete der 52-Jährige aufgebracht, der jedoch keine entsprechenden Beweise vorlegen konnte. Für ihn sei es daher seine Pflicht gewesen, die Öffentlichkeit vor der Frau zu schützen. Erst bezichtigte er die Nachbarin bei der Polizei der Trunkenheit am Steuer und hetzte ihr auch noch das Jugendamt auf den Hals.

„Beide Anschuldigungen lösten sich in Luft auf“, sagte die Frau vor Gericht aus. Ihr zufolge habe der Ärger mit dem Angeklagten angefangen, als ihm eine Kündigung wegen Eigenbedarfs ins Haus geflattert sei. „Seitdem schikaniert er mich und auch die anderen Nachbarn“, so die 54-Jährige.

Für den Staatsanwalt war die Sache klar. „Der Angeklagte hat nicht nur die Beleidigungen eingeräumt, er hat auch wissentlich falsche Verdächtigungen in die Welt gesetzt, um der Nachbarin zu schaden.“ Sein Plädoyer schloss er mit der Forderung nach einem Bußgeld von 90 Tagessätzen zu 70 Euro.

Der Angeklagte, der auf juristische Hilfe verzichtete, appellierte in seinem Schlusswort an das Verantwortungsbewusstsein der Richterin: „Muss ein Kind erst sterben, damit die Justiz handelt?“Die Justiz handelte, jedoch anders, als vom Angeklagten gewünscht. Richterin De Falco riet dem 52-Jährigen dazu, den Einspruch zurückzuziehen und den ursprünglichen Strafbefehl von 45 Tagessätzen zu 30 Euro zu akzeptieren. „Ansonsten wird es teuer, wenn es zu einer Verurteilung kommt“, mahnte sie. Der Angeklagte hielt kurz inne, dann beugte er sich dieser Drohung und zog seinen Einspruch zurück. Mit einem „Dankeschön“ verließ er schließlich den Gerichtssaal.

Bewerten
Wie hat Ihnen der Artikel gefallen? Vielen Dank für Ihre Bewertung!
1 Stern 2 Sterne 3 Sterne 4 Sterne 5 Sterne 0.0
Herrenberg: Die Zukunft des einstigen IBM-Gebäudes ist fraglich Erstaufnahme auf dem Prüfstand

Von 29. Juni 2016 - 13:44 Uhr

Ob das einstige IBM-Schulungszentrum in ein Heim für Neuankömmlinge umgebaut wird, steht noch nicht fest. Zumal der Flüchtlingszustrom deutlich nachgelassen hat. Von insgesamt 34 000 Plätzen in den Erstunterkünften des Landes sind derzeit lediglich rund 7000 belegt.