Leonberg Mann schiebt Freund Manöver in die Schuhe

Von Bartek Langer 

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Opfer von Beinah-Unfall entlarvt vor Gericht die Lügen des Angeklagten. Ein Freund des Angeklagten macht ihm zu Gunste eine Falschaussage – und muss sich dafür nun auch selbst verantworten.

Leonberg – Ein 41 Jahre alter Mann muss sich am Leonberger Amtsgericht wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs verantworten. Doch um seine Haut zu retten, behauptete der Leonberger felsenfest, dass nicht er bei dem Beinahe-Unfall am Steuer seines Autos saß, sondern ein Freund. Am Ende ging der Plan gründlich in die Hose, und er zog seinen Einspruch gegen den Strafbefehl zurück.

Wenn er an den Vorfall im vergangenen Oktober zurückdenke, müsse er noch heute den Kopf schütteln. „Ich fahre seit 55 Jahren, aber so etwas ist mir noch nicht passiert!“, sagte der Rentner, der damals mit seiner Ehefrau auf dem Weg zum Bäcker war und nur ganz knapp einem Crash entging. Der 76-Jährige wollte von der Berliner Straße kommend in die Breslauer Straße einbiegen, als plötzlich der Autofahrer hinter ihm aufs Gaspedal drückte und ihn rechts überholte. „Ich musste eine Vollbremsung hinlegen, sonst hätte es geknallt“, berichtete der Leonberger.

Der Angeklagte sah sich zu Unrecht beschuldigt. „Ich habe das Auto nicht gefahren“, so der Kfz-Mechaniker und behauptete, dass er zu jener Zeit im Leo-Center gewesen sei und das Auto einem Freund ausgeliehen habe. „Er brauchte es, um einzukaufen“, erklärte der Mann. Amtsrichterin Jasmin Steinhart hielt ihm daraufhin seine Aussage bei der Polizei vor: „Damals hatten Sie zugegeben, dass Sie rechts überholten.“ Davon wollte der Angeklagte nichts wissen. „Die Beamtin hat mich falsch verstanden“, sagte der Familienvater.

Mit der Glaubwürdigkeit des Angeklagten war es spätestens bei der Vernehmung seines Freundes dahin, der über einen Dolmetscher behauptete, dass er den Rentner in der Einmündung mit einem großen Abstand überholt habe und dieser wegen seiner viel zu geringen Geschwindigkeit selbst schuld dafür gewesen sei. Der 38-Jährige sagte aus, dass er nach dem Abstellen des Autos vor dem Haus seines Freundes an der Tür geklingelt habe und von dessen Ehefrau eingelassen worden sei.

Doch was das Duo nicht wusste: Der Rentner war nach dem waghalsigen Überholvorgang dem Auto gefolgt, um sich das Kennzeichen zu notieren, und dabei hatte er beobachtet, wie der Fahrer die Haustür aufschloss und kurz danach mit einem Kleinkind wieder davonfuhr. Außerdem war sich der Leonberger nach der Musterung des vermeintlichen Fahrers sicher: „Das war er nicht, schon allein der Größe wegen“, befand der 76-Jährige, der den Angeklagten eindeutig erkannte.

Der Angeklagte blieb dennoch bei seiner Version. Doch die Staatsanwältin warnte ihn eindringlich: „Sie sollten sich gut überlegen, ob Sie noch einen weiteren Bekannten in die Sache hineinziehen und zur Falschaussage bringen.“ Nach einer kurzen Unterredung mit seinem Rechtsanwalt sah der Leonberger dann schließlich doch ein, dass er keine Chance hatte, ungeschoren davon zu kommen. Der 41-Jährige zog seinen Einspruch gegen den Strafbefehl zurück und akzeptierte damit die Geldstrafe von 30 Tagessätzen je 30 Euro sowie das siebenmonatige Fahrverbot.

Für seinen Kumpel wird der Auftritt vor Gericht ein Nachspiel haben. Wegen der Falschaussage muss der Mann nun selbst mit einer Anzeige rechnen.

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