Leonberg Existenzangst und Frust beim Klinikpersonal

Von Thomas K. Slotwinski 

Symbolbild. Foto: dpa-Zentralbild
Symbolbild. Foto: dpa-Zentralbild

Im Leonberger Krankenhaus kochen die Emotionen hoch. Die Absicht des Klinikverbundes, die Gefäßchirurgie komplett dicht zu machen und die Bettenzahl zu reduzieren, hat bei den gut 500 Mitarbeitern für blankes Entsetzen gesorgt.

Leonberg - Im Leonberger Krankenhaus kochen die Emotionen hoch. Die Absicht des Klinikverbundes, die Gefäßchirurgie komplett dicht zu machen und die Bettenzahl zu reduzieren, hat bei den gut 500 Mitarbeitern für blankes Entsetzen gesorgt.

Wie ausführlich berichtet, hat der hochdefizitäre Klinikverbund, der die Kliniken im gesamten Landkreis und im benachbarten Kreis Calw betreibt, ein Gutachten zur Zukunft der Krankenhäuser in Auftrag gegeben. Tenor der Untersuchung: nahezu alle Spezialabteilungen sollen in einem Neubau in Böblingen zentralisiert werden.

In den kleinen Kliniken in Leonberg und Herrenberg soll es nur noch eine Grundversorgung geben. „Dieses Gutachten ist vernichtend“, sagt die Leonberger Betriebsratsvorsitzende Ute Geiger. „Wenn es so kommt, wird unser Haus sterben.“

Blanke Wut und Verzweiflung

Der Geschäftsführerin des Klinikverbundes, Elke Frank, ist gestern die blanke Wut und Verzweiflung entgegengeschlagen, als sie die 520-köpfige Belegschaft über das Gutachten und dessen Folgen informiert hat. „Die Kolleginnen und Kollegen sind auf 180“, schildert die Betriebsratschefin die explosive Stimmung. „Besonders die Mitarbeiter der Gefäßchirurgie wissen überhaupt nicht, was sie erwartet.“

Gründe, warum ausgerechnet die Gefäßchirurgie dicht gemacht werden soll, wurden nach Geigers Angaben nicht genannt. Dabei ist gerade diese Abteilung angesichts ihres hervorragenden medizinischen Rufs profitabel. Noch im Frühjahr hatte der Klinikverbund mit dem hohen Standard in Leonberg geworben. Die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie hat die Leonberger Abteilung als eines von wenigen Gefäßzentren im Land zertifiziert.

Neue Betriebsratsvorsitzende gewählt

Dass nur ein Neubau am Flugfeld die Probleme des Klinikverbundes lösen könne, ist für die Betriebsratsvorsitzende nicht nachvollziehbar. „Das Böblinger Krankenhaus ist doch erst vor sechs Jahren für mehr als 50 Millionen Euro saniert worden“, sagt Ute Geiger. „Ein Anbau wäre völlig ausreichend gewesen.“ Ein neues Gebäude wird im Gutachten mit 351 Millionen Euro veranschlagt. Bisher war „nur“ von 334 Millionen Euro die Rede gewesen.

Wie gereizt die Stimmung in Leonberg ist, zeigt auch der Umstand, dass am Montag außerplanmäßig ein neuer Betriebsrat gewählt werden musste. Ute Geiger, die schon dem bisherigen Gremium angehörte, war mit zwei weiteren Kollegen zurückgetreten. Ihnen schien der Kampf des alten Betriebsrats gegen eine drohendes Aus fürs Krankenhaus nicht entschlossen genug. Bei den Neuwahlen setzte sie sich gegen den bisherigen Vorsitzenden Wolfram Ruck durch. Der ist nun Stellvertreter.

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