Mit einer Anfrage zu Stuttgart 21-Aushub hat sich der Leonberger Grünen-Abgeordnete Bernd Murschel an das Umwelt- und Verkehrsministerium gewandt. Er wolle genauer wissen, welche Pläne es für den Abtransport der Erdmassen aus den verschiedenen Tunnelprojekten gibt, erklärt der Abgeordnete. Nun flatterte die Antwort von Ministerin Tanja Gönner (CDU) auf seinen Schreibtisch - und bei Bernd Murschel schrillten die Alarmglocken.
Denn das Ministerium verweist darauf, dass "die Bau- und Ausbruchsmaterialien über die Straße, über Schienen- oder Wasserwege transportiert werden können". Im Klartext: Der billigste Anbieter erhält den Zuschlag. Zwar sehen die Baulose für die Entsorgung von sechs bis sieben Millionen Tonnen Aushub "den Weitertransport überwiegend per Bahn" vor. "Überwiegend" heißt aber nicht ausschließlich - die 500 000 bis 1,2 Millionen Tonnen Erdreich, die für die Sanierung der Hirsauer Deponie Fuchsklinge benötigt würden, könnten also sehr wohl per Lastwagen vom Stuttgarter Nordbahnhof aus auf die Reise geschickt werden.
Um mit Güterzügen zur Fuchsklinge zu kommen, müsste dagegen ein Gleisstück vom Calwer Bahnhof hinauf zur ehemaligen Deponie in Hirsau saniert werden. "Ob die Ertüchtigung dieser Verbindungsstrecke erfolgt, wird auch davon abhängen, ob ein Auftragnehmer ein entsprechendes Angebot im Rahmen der Ausschreibung erfolgreich unterbreitet", schreibt das Verkehrsministerium. Daran hat Bernd Murschel aber seine Zweifel: "Die Gefahr ist groß, dass sich der Transport des Bodenaushubs mit dem Lastwagen als die kostengünstigste Variante herausstellt", befürchtet der Abgeordnete. Schließlich habe der Transport per Bahn den Nachteil einer längeren Fahrstrecke, entweder über Pforzheim oder über Horb.
Die Folge einer solchen Politik wären tausende von Schwerlastern, die über Jahre voraussichtlich über die B 295 rollen würden. "Mitten durch die Umweltzonen von Stuttgart, Ditzingen und Leonberg mit der schon heute hohen Schadstoffbelastung", wie Murschel anmerkt. Der Leonberger Grüne will sich auch im Landtag dafür einsetzen, dass der Transport des Aushubs nicht nur durch die betriebswirtschaftliche Brille gesehen wird. Die Anwohner entlang der B 295 dürften nicht Opfer einer kurzsichtigen Politik werden.