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Landtagswahl Baden-Württemberg Maximal eine Frau kann durchkommen

Von Eberhard Wein 

Blau, Gelb, Schwarz, Grün oder Rot?  Am 13. März haben die Bürger die Wahl Foto: dpa
Blau, Gelb, Schwarz, Grün oder Rot? Am 13. März haben die Bürger die WahlFoto: dpa

Die rechtspopulistische AfD ist überzeugt davon, dass im Landkreis Göppingen für sie ordentlich was zu holen ist. Deshalb tritt hier auch der umstrittene Stuttgarter Stadtrat Heinrich Fiechtner an. Im kompletten Bewerberfeld gibt es lediglich eine Frau.

Göppingen - Wie viele Männer den Landkreis Göppingen im neuen Landtag vertreten werden, ist wegen des komplizierten Auszählverfahrens offen. Dass der bunten Fahrgemeinschaft in Richtung Landeshauptstadt aber maximal eine Frau angehören kann, lässt sich aber schon vor dem Urnengang unschwer voraussagen. Nicole Razavi (CDU) ist nämlich die einzige Kandidatin, die sich in einem ansonsten männlichen Bewerberfeld um Stimmen bemüht. Dabei haben die Wähler im Wahlkreis Geislingen die Auswahl aus zehn Kandidaten. Im Wahlkreis Göppingen, zu dem Reichenbach aus dem Kreis Esslingen gehört, sind es sogar zwölf.

So würde Baden-Württemberg wählen

Bisher vertraten drei Männer und zwei Frauen den Landkreis, wobei für die einigermaßen akzeptable Frauenquote allein die CDU verantwortlich zeichnete. Neben Nicole Razavi (49), die im Wahlkreis Geislingen ihr Direktmandat zum zweiten Mal verteidigen möchte, saß zuletzt auch Jutta Schiller im Landtag. Sie war vor zwei Jahren im Wahlkreis Göppingen für den damals ausgeschiedenen Dietrich Birk nachgerückt. Im vergangenen Jahr scheiterte sie aber bei der parteiinternen Nominierungsversammlung – sehr zum Ärger vieler Frauen in der Union.

CDU geht mit Nachwuchsmann ins Rennen

Stattdessen zieht nun Simon Weißenfels in den Wahlkampf. Der 28-jährige Chef der Jungen Union im Kreis hat 2015 binnen zehn Monaten 250 Termine absolviert, um sich bekannt zu machen. Dann ließ er im Januar als Erster Plakate aufhängen. Er setze auf einen sachlichen Wahlkampf, sagt Weißenfels, der sich auf dem Wahlzettel nicht mehr als Student, sondern als „Assistent der ­Geschäftsleitung“ bezeichnen kann. Seit kurzem arbeitet er im Ingenieurbüro eines Parteifreunds. Zum offiziellen Wahlkampfauftakt empfing er im Januar den Unionsfraktionschef im Bundestag, Volker Kauder. Auch Razavi konnte auf prominente Unterstützung zählen. Anfang Februar kam der Ex-Landesvater Erwin Teufel. „Grün-Rot hat überhaupt nichts hingekriegt“, sagt sie und hofft auf eine Rückkehr an die Macht.

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Das will Alexander Maier verhindern. Der 24-jährige Radiojournalist und Chef des Vereins Kreis Göppingen nazifrei ist in einer ähnlichen Situation wie Weißenfels. Nach zwei nervenaufreibenden Nominierungsversammlungen setzte er sich erst im Losverfahren gegen den bisherigen Göppinger Grünen-Abgeordneten Jörg Fritz durch. Dies könnte Wunden hinterlassen haben. „Es gibt keine Spaltung“, sagt Maier. Allerdings gab es Austritte. So haben elf Mitglieder der alevitischen Gemeinde, die zur Unterstützung von Fritz eingetreten waren, die Grünen wieder verlassen.

Vor fünf Jahren hatte Fritz das Zweitmandat im Landtag denkbar knapp errungen: 56 Stimmen weniger – und der Grünen-Kandidat in Schwäbisch-Hall wäre zum Zug gekommen. Durch die starken Umfragewerte im Land stehen Maiers Chancen dennoch gut. Er setzt auf Winfried Kretschmann. Und sogar der Geislinger Kandidat Eckhart Klein ist wegen des Höhenflugs nicht chancenlos. Er wolle Selbstständigen bei den Grünen eine Stimme geben, sagt der 51-jährige Ingenieur.

Offenbar sei die CDU nervös, hat Peter Hofelich vor Wochen aus dem frühen Wahlkampfauftakt der CDU geschlossen. Der 63-jährige Staatssekretär im Finanzministerium ist im Wahlkreis Göppingen plötzlich der einzige Kandidat mit Parlamentserfahrung. Er hoffe, mit seiner Bilanz beim Wähler punkten zu können. Die SPD habe in den Bereichen Wirtschaft, Finanzen und Bildung viel erreicht. Leider spiegle sich dies nicht in den Umfragewerten wider. Insgesamt stehe es „mit der Zufriedenheit mit denen, die Politik machen“, nicht zum Besten, glaubt Hofelich. Vor fünf Jahren erzielte er das zweitbeste SPD-Ergebnis im Regierungsbezirk Stuttgart, weshalb sein Sitz deutlich sicherer erscheint als der seines Geislinger Kollegen Sascha Binder. Der 33-jährige Jurist holte 2011 das neunte von 14 SPD-Mandaten in Nordwürttemberg. Auch er zieht eine positive Bilanz. „Wir haben mehr Sanierungsmittel für die Landesstraßen in den Kreis geholt als in den fünf Jahren zuvor.“ Und zum Thema innere Sicherheit: Anders als zuvor die CDU, habe man bei der Polizei keine einzige Stelle abgebaut.

Vor fünf Jahren blieb die FDP nach internen Querelen um ihren damaligen Kreischef Winfried Hüttl in beiden Wahlkreisen unter fünf Prozent. Jetzt versuchen zwei neue Gesichter ihr Glück. Für ihn als Gärtner liege der Wahltermin ideal, sagt der Albershäuser Gemeinde- und Kreisrat Martin Kaess (63). Ein wenig unglücklich ist für ihn, dass seine Heimatgemeinde schon vor fünf Jahren dem Wahlkreis Geislingen zugeschlagen wurde. Dort kandidiert aber der 41-jährige FDP-Kreisgeschäftsführer Armin Koch. „Grün-Rot ist unternehmerfeindlich“, sagt der Transportunternehmer aus Donzdorf.

Ein alter Bekannter steht für die Linke im Wahlkreis Göppingen auf dem Wahlzettel. Der 56-jährige Theologe, Schulpsychologe und Stadtrat Christian Stähle will es noch einmal wissen. Im Wahlkreis Geislingen tritt der 23-jährige Chemiestudent René Niess an. „Der europäische Rechtsruck macht mir Sorgen“, sagt Stähle.

AfD mit Chancen auch in Geislingen

Dr. Heinrich Fiechtner dürfte darüber schmunzeln. Der 55-jährige Onkologe mit Praxis und Fliege sitzt seit 2014 für die AfD im Stuttgarter Gemeinderat und ist für seine polarisierenden Aussagen bekannt, denen er just am vergangenen Donnerstag eine hinzugefügt hat. „Schande über dieses Haus“, verfluchte er den Gemeinderat. Der Grund: Der Gemeinderat hatte einen Dringlichkeitsantrag der AfD abgelehnt, bei allen Parteien und politischen Organisationen den Verzicht auf Gewalt gegen Sachen und Menschen anzumahnen – weil die AfD sich als Opfer solcher Gewalt sieht. Der Gemeinderat müsse sich nicht eigens zu Recht und Gesetz bekennen, sagte Stuttgarts OB Fritz Kuhn (Grüne), schon gar nicht so spontan. Wenn man mal darüber diskutiere, dann aber sicherlich auch über brennende Flüchtlingsheime und die Gründe dafür.

Vor einiger Zeit soll Fiechtner in Göppingen Frauen aus dem autonomen Spektrum, die eine Veranstaltung störten, öffentlich vor den Kölner Hauptbahnhof gewünscht haben, was er auf Anfrage später aber bestritt. Den Wahlkreis Göppingen habe er sich wegen der guten Chancen ausgesucht, sagt Fiechtner. Bei der Europawahl holte die AfD hier nach dem Rems-Murr-Kreis und Böblingen das drittbeste Ergebnis im Regierungsbezirk. Jedoch bezog sich dies auf den gesamten Landkreis, weshalb dem Geislinger Bewerber Willy Kotzbauer, Energieberater aus Schlat, dieselben Chancen eingeräumt werden können.

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