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Landräte drücken aufs Tempo

"Strohgäu Extra", vom 21.03.2011 02:43 Uhr
Weil der Stadt Die Verlängerung der S-Bahn von Weil der Stadt nach Calw gewinnt an Fahrt.

Die Renaissance der Schwarzwaldbahn von Weil der Stadt nach Calw bekommt Konturen. Vor einigen Tagen haben sich die Landräte aus Böblingen und Calw, Roland Bernhard und Helmut Riegger, mit der Stuttgarter Regionaldirektorin Jeannette Wopperer getroffen. Thema des Gesprächs war die Frage, welche Aufgabenverteilung bei der Wiederbelebung der Bahnlinie in Form einer verlängerten S-Bahn denkbar wäre. "Beide Seiten haben ihr Interesse bekundet, das Projekt voranzubringen", fasst Roland Bernhard zusammen. Es zeichne sich ab, dass auch der Regionalverband die Planung, den Bau und den Betrieb der Bahnlinie nicht mehr als Ganzes sieht, sondern sich eine Aufgabenteilung vorstellen könnte. Ein Partner könnte den eigentlichen Schienenstrang bauen, der andere dann später den Bahnbetrieb darauf übernehmen.

Vor allem die Landkreise drücken aufs Tempo. Denn klar ist, dass die 69-Millionen-Euro-Investition nur Aussicht auf Verwirklichung hat, wenn nicht nur aus Fördertöpfen des Landes, sondern auch nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) des Bundes Zuschüsse fließen. Dieses Programm, das bis zu 60 Prozent der Baukosten übernimmt, soll aber 2019 auslaufen. Die Zeit drängt also.

Die beiden Landräte verfolgen deshalb das Ziel, den Bau der Eisenbahn-Infrastruktur selbst in die Hand zu nehmen. "Es ist der Region nicht so wichtig, Schienen zu legen. Sie will den Betrieb der S-Bahn in ihrer Verantwortung haben", fasst der Böblinger Landrat zusammen. Nachdem sich Jeannette Wopperer im vergangenen Dezember in einem Brief noch eher kritisch gezeigt hatte, sei man nun "doch wieder ein gutes Stück vorangekommen".

Roland Bernhard ist optimistisch, dass zwischen Weil der Stadt und Calw in nicht allzu ferner Zukunft S-Bahnen fahren werden. Zurückhaltender ist da Wolfgang Faißt, der Kreisvorsitzende der Freien Wähler. "Diese Verbindung ist ein Projekt des Kreises Calw", betont der Renninger Bürgermeister. Seine Fraktion, immerhin die Größte im Böblinger Kreistag, könne sich höchstens eine Beteiligung an den Baukosten für die Strecke vorstellen. An den späteren Betriebskosten solle sich der Landkreis aber "keinesfalls beteiligen", macht Faißt die Haltung seiner Fraktion deutlich. Zumal er die Aufteilung von 20 Prozent (Kreis Böblingen) und 80 Prozent (Kreis Calw) für unrealistisch hält: "Dem haben wir nur bei den Planungskosten zugestimmt", merkt er an. Zwar liegen 20 Prozent der etwa 20 Kilometer langen Strecke auf Böblinger Kreisgebiet, aber eben kein einziger Bahnhof. Weshalb "die Vorteile dieses Vorhabens eindeutig bei den Calwern liegen", wie Wolfgang Faißt betont.

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