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Landgericht Stuttgart: Bankräuber muss in die Psychiatrie

Von George Stavrakis 

Der Beschuldigte hat in der Klett-Passage für einen Polizei-Großeinsatz gesorgt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Der Beschuldigte hat in der Klett-Passage für einen Polizei-Großeinsatz gesorgt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Das Landgericht Stuttgart hat einen psychisch kranken Mann in die Psychiatrie geschickt. Der 45-Jährige hatte auf merkwürdige Weise versucht, eine Bank zu überfallen.

Stuttgart - Ein Verfahren vor dem Landgericht ist kein Wunschkonzert. „Ich möchte ins Gefängnis, nicht in die Psychiatrie“, sagt der 45 Jahre alte Mann vor der 18. Strafkammer. Doch Vorsitzende Richterin Manuela Haußmann und ihre Kollegen werden dem Ansinnen des Beschuldigten nicht entsprechen. „Wir können Sie nicht bestrafen“, sagt die Richterin. Denn der verhinderte Bankräuber leidet an paranoider Schizophrenie. Er ist für sein Tun nicht verantwortlich.

Wenn der mehrfach vorbestrafte Beschuldigte kein Geld hat, setzt ihn das massiv unter Druck. Die Folge ist ein psychotischer Schub. Dann hört er Stimmen, die ihm Dinge befehlen, die er lieber bleiben lassen sollte. Davon konnte sich die Strafkammer live überzeugen. Ein Verhandlungstag musste abgebrochen werden, weil der 45-jährige Mann die Stimmen in seinem Kopf nicht mehr aushielt.

Kein Geld für Bier und Marihuana

So auch am 18. Oktober vorigen Jahres. Der berufs- und arbeitslose Mann hatte kein Geld für seine Tagesration Bier und Marihuana. Da erschien ihm eine Polizistin, die ihn zu einer Bankfiliale in die Klett-Passage nach Stuttgart schickte. Dort legte er einen gefalteten Zettel auf den Tresen mit dem Inhalt: „Das ist ein Überfall, ich will mein Geld, sonst schieße ich. Ich komme in fünf Minuten wieder.“ Unterzeichnet war das Schreiben mit seinem richtigen Namen. Der Mann verließ die Bank, schaute sich den Aufmarsch der Einsatzkräfte an und fuhr dann in seine Unterkunft nach Stuttgart-Wangen.

Dasselbe hatte der schwer kranke Mann bereits bei einer Bankfiliale in Stuttgart-Wangen versucht. Dort hatte er einen Zettel in den Briefkasten geworfen. Inhalt: „Dies ist ein Überfall. Ich komme morgen gegen 9 Uhr. Ich will mein Geld, sonst schieße ich.“ Auch diese Nachricht war mit seinem Klarnamen und sogar mit seinem Geburtsort und -datum versehen.

„Ein Glück, dass nichts Schlimmeres passiert ist“

„Seine Tagesstruktur ist auf Alkohol und Marihuana ausgerichtet“, sagt Richterin Haußmann. Dafür braucht der Mann, der an Krebs und Hepatitis C leidet und der HIV-positiv ist, Geld. Am 21. Dezember 2016 wollte er Bares von seinem Sparbuch haben, eine Sozialarbeiterin in seiner Unterkunft wollte aber erst seinen Betreuer fragen. Da bedrohte er einen zu Hilfe geeilten Sozialarbeiter mit einem kleinen Messer. Schließlich ließ er sich widerstandslos von der Polizei festnehmen. „Es ist geradezu ein Glück, dass noch nichts Schlimmeres passiert ist“, zitiert die Richterin die psychiatrische Gutachterin.

Am Ende sind sich alle einig: Verteidiger, Staatsanwalt, Strafkammer. Nur der Beschuldigte nicht. Er will ins Gefängnis, wird aber in der Psychiatrie untergebracht. „Glauben Sie mir, das ist das Beste für Sie“, sagt Richterin Haußmann.

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