Landespartei in Führungskrise Chef der Nord-CDU gibt komplett auf

dpa, 08.01.2013 10:56 Uhr
Neuer Paukenschlag bei der Nord-CDU. Der Landesvorsitzende de Jager tritt zurück. Der 47-Jährige zieht die Konsequenzen aus einem persönlichen Schreckensjahr. Ein Nachfolger ist nicht absehbar.  

Kiel - Der schleswig-holsteinische CDU-Landesvorsitzende Jost de Jager zieht sich komplett aus der Politik zurück. Der 47-Jährige bestätigte der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag die am Vorabend durchgesickerte Information, dass er den Parteivorsitz aufgibt. Zu einem konkreten Rücktrittstermin wollte er sich zunächst noch nicht äußern. Nach Angaben von Landtagsfraktionschef Johannes Callsen steht er auch nicht mehr als Bundestagskandidat zur Verfügung. Die CDU steckt mit seinem Schritt erneut in einer Führungskrise.

Am späten Dienstagvormittag erörterte de Jager mit dem geschäftsführenden Landesvorstand in Kiel die Situation. Danach war eine Pressekonferenz angesetzt, auf der er sich auch selbst äußern wollte.

Der frühere Landeswirtschaftsminister stand seit dem 24. September 2011 an der Spitze der Nord-CDU. Von seiner Entscheidung waren auch die anderen Mitglieder der Parteiführung überrascht. Wer Nachfolger wird, ist noch nicht absehbar.

Landtagsfraktionschef Johannes Callsen sprach von einer überraschenden Entscheidung. Es habe dafür keine Anzeichen gegeben. „Wir sind jetzt ohne Frage in einer schwierigen Situation.“ Zu den Beweggründen de Jagers für seinen Rückzug wollte Callsen nichts sagen. Auf die Frage nach einem möglichen Nachfolger meinte er: „Es ist jetzt nicht der Zeitpunkt, Personalspekulationen zu machen“.

De Jager war erst Ende November als CDU-Landesvorsitzender wiedergewählt worden. Er bekam aber kaum 80 Prozent - zu wenig, um alle Führungsdebatten verstummen zu lassen. De Jager hatte die Nord-CDU als Spitzenkandidat in die Landtagswahl im Mai vorigen Jahres geführt. Sein Ziel, Ministerpräsident zu werden, verfehlte er, obwohl die CDU ganz knapp vor der SPD stärkste Partei wurde. De Jager persönlich schaffte es nicht in den Landtag, weil er kein Direktkandidat war und die Landesliste seiner Partei nicht zum Zuge kam. Seit Juni wird Schleswig-Holstein von einer Koalition aus SPD, Grünen und Südschleswigschem Wählerverband (SSW) regiert.

 
 
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