Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren

Landeshaushalt-Sanierung Sturm über den Amtsstuben

Frank Krause, vom 20.10.2011 19:05 Uhr
Die Bereitschaft der Beamtenschaft, erneut einen Sparbetrag zur Sanierung des Landeshaushalts zu leisten, scheint nun verschwindend gering.  Foto: AP
Die Bereitschaft der Beamtenschaft, erneut einen Sparbetrag zur Sanierung des Landeshaushalts zu leisten, scheint nun verschwindend gering. Foto: AP
Siehe auch

Stuttgart - Das Klima zwischen dem Beamtenbund und der grün-roten Landesregierung gleicht derzeit der Wetterlage im Herbst: stürmisch. Im Zusammenhang mit möglichen Sparopfern fordert die SPD nun eine Rückkehr zu Verhandlungen.

Mal ging es um die Verlängerung der Wochenarbeitszeit, mal um die Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld, mal um die Einführung von Lebensarbeitszeitkonten, mal um die Zukunft der Leistungsprämien, mal um die Schaffung einer Ballungsraumzulage: Die strittigen Themen zwischen dem Beamtenbund und der Landesregierung in den vergangenen Jahren gleichen einem Fortsetzungsroman.

Immer wieder beharkten sich die damalige CDU-FDP-Regierung und die Staatsdiener, immer wieder gab es mehr oder weniger gute Lösungen. Nun aber scheint die Bereitschaft der Beamtenschaft, erneut einen Sparbetrag zur Sanierung des Landeshaushalts zu leisten, verschwindend gering. Nicht anders ist zu verstehen, dass der Landesvorstand der Organisation diese Woche bei einer Sitzung in Karlsruhe den eigenen Vorsitzenden Volker Stich bremste. Der hatte zuvor angeboten, man sei allenfalls bereit, die für Januar 2012 geplante Lohnerhöhung von 1,2 Prozent für einige Monate zu verschieben. Mehr aber nicht.

Interne Giftliste

Doch selbst dieser Schritt scheint derzeit (noch) nicht mehrheitsfähig zu sein, zu groß ist der Unmut bei den Beamten über die Politik der grün-roten Regierung. Zur Erinnerung: Wenige Wochen vor der Landtagswahl waren der Beamtenbund und SPD-Landeschef Nils Schmid noch in Stuttgart gemeinsam aufgetreten und hatten Front gegen das sogenannte Vorgriffsstundenmodell der Regierung Mappus gemacht.

Woher kommt also nun der plötzliche Gegenwind der Staatsdiener? Die mögliche Erklärung: Die Regierung hat inzwischen eine interne Giftliste zusammengestellt, die bei der Sitzung in Karlsruhe das Licht der Welt erblickte und "für Fassungslosigkeit" gesorgt haben muss, wie es einer der Teilnehmer umschreibt. Während sich die Beamten bereits damit abgefunden hatten, dass bis zum Jahr 2020 insgesamt 1700 Stellen in den Regierungspräsidien und Ministerien gestrichen werden sollen (so hatte es die alte CDU-FDP-Regierung noch beschlossen), gibt es nun neue Kürzungspläne.

Weihnachtsgeld senken

Nach Recherchen unserer Zeitung wird unter anderem überlegt, das Weihnachtsgeld der Pensionäre in mehreren Schritten auf noch 30 Prozent des letzten Verdienstes zu senken. Damit würde das Land nach internen Berechnungen rund 90 Millionen Euro sparen. Eine weitere Sparidee sieht die schrittweise Absenkung der Pensionärsbezüge um rund fünf Prozent bis zum Jahr 2020 vor. Der Effekt hier: Einsparungen von 190 Millionen Euro.

Beamtenbund-Landeschef Volker Stich bestätigte am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung die Existenz des Sparpapiers und bezeichnete beide Schritte als nicht hinnehmbar: "Es wäre ein massiver Eingriff in die Struktur, wenn bei den Pensionären gekürzt wird." Das Bundesverfassungsgericht habe in früheren Urteilen deutlich gemacht, dass solche Kürzungen verfassungswidrig seien. "Wenn es die Landesregeirung dennoch versucht, werden wir klagen", erneuerte Stich seine Drohung.

Kommentare (6)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
Anzeigen
OKT
27
16:20 Uhr, geschrieben von Politik
Warum nicht!
Denken wir mal nach.... Die lange CDU - Regierung hatte ein super in sich gefestigtes System mit einem absolut rigiden operativem Apparat, dem Regierungspräsidium, geschaffen. Mehr als personell notwendig, bald unabhängig! Nichts, aber auch garnichts ging ohne das RP. Vor allem sind diese nicht da für die Schüler sondern für die Schulen! Vielerorts ist das RP und die untere Schulaufsichtsbehörde damit beschäftigt Probleme in den Schulen zu deckeln als diese schonungslos offenzulegen und zu lösen. Jetzt wechselt das Parteibuch der Regierung. Erklärt mir, wie die neue Regierung auf die Schnelle fähige Leute vor allem in das Kultusministerium bringt. Denn die bisherigen Leute sind in der CDU oder haben eine super Schlüsselposition im RP. Selbst die Amtschefin im KM war jahrelang bei der CDU, ist zwar ausgetreten, hatte zuvor aber eine zentrale Position im RP. Der Regierung bleibt nichts anderes übrig, als fähige Leute aus dem Rp ins KM zu holen. Die sind natürlich linientreu oder haben zumindestens noch sehr gute Verbindungen in die alte Welt. Wie will die Regierung einen Durchgriff auf das Volk bekommen, wenn dazwischen ein riesiger Beamtenapparat steht? Ich denke, eine der wesentlichen Aufgaben, nicht nur im RP, Bereich Schule, das RP UND die untere Schulbehörde neu und schlanker zu organisieren. Probleme an den Schulen müssen aufgedeckt und schnell gelöst werden. Nur so können die Wahlversprechen umgesetzt werden! Im anderen Fall erscheint der Eindruck, dass das RP daran arbeitet, dass die CDU wieder ans Ruder kommt.
OKT
24
19:40 Uhr, geschrieben von Kleiner Nils
Alter Wein
in neuen schläuchen! Ein bischen auf den Beamten rumhacken, ist immer gut. Bei nden beamten sparen, noch besser. Aber Achtung, beamte sind auch Wähler! Nils und Kretsche schmeißen das Geld andernorts mit beiden Händen raus, es wirds sich rächen, so oder so! Die MAPPUS oder S21-Weg-Wähler sollten die Zeche zahlen! Verlässlichkeit der politik ist dahin, Wahlbetrug regiert BW.
OKT
21
14:00 Uhr, geschrieben von Josef Schneider
Sturm über den Amtsstuben
Wenn man keine Ahnung hat, dann soll man ruhig sein. Erstens gibt es seit Jahren für die Beamten und die Pensionäre des Landes kein Weihnachtsgeld mehr. Zweitens wurden die Reste des ehemaligen Weihnachtsgeldes in zwölf gleichen Teilen in die Monatsgehälter integeriert. Und drittens war bei dieser Gelegenheit das Weihnachtsgeld für Pensionäre bereits auf 30 Prozent eines Monatsgehalts gekürzt. Aber vielleicht wissen das unsere Politker gar nicht?
Kommentar-Seite
vorherige
1  von  2
nächste
Polizeibeamte werden zunehmend Opfer von Gewalt
Die Polizei soll aus der Opferrolle aus, in die sie vielfach geraten ist. Das Land ergreift Maßnahmen.
EnBW-Deal: Kanzlei weist Vorwürfe zurück
Die Stuttgarter Kanzlei Gleiss Lutz hat Vorwurf der Lüge von Stefan Mappus (CDU) zurückgewiesen.

 

Anzeigen

 

Anzeige
Nachrichtenticker
08:42   Nach Amokalarm: Schule nimmt Unterricht wieder auf
08:36   Forsa: Union stürzt nach NRW-Wahlfiasko in Wählergunst ab
08:25   Wahl in Ägypten hat begonnen: Wer wird Mubaraks Nachfolger?
08:10   Euro rutscht vor EU-Gipfel unter die Marke von 1,27 Dollar
07:37   "Bild": Hertha will Urteil am Freitag akzeptieren
1   2   3   4   5   6   7   weiter
» aktualisieren
Video
Interaktiv
  • Umfrage
VfB Stuttgart - FC Bayern Muenchen

Der Vertrag von Arthur Boka beim VfB läuft aus und Bobic/Labbadia überlegen nun doch, den Linksverteidiger zu behalten. Soll Boka weiter für den VfB spielen?

 
Ja sicher, Boka hat sich einen neuen Vertrag beim VfB verdient
Nein. Boka hatte so viele Chancen, ist aber einfach nicht gut genug
 
(Ergebnis anzeigen)
 
  • Facebook
  • Foren
  • Twitter
 
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
 
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise