Land sieht Handlungsbedarf Flüchtlingszustrom treibt Zahl der Kinderehen nach oben

Von Rainer Wehaus 

Andere Länder, andere Sitten: Junge afghanische Bräute bei einer kollektiven Eheschließung – Deutschland denkt nun darüber nach, die Kriterien für die Anerkennung von Kinderehen zumindest zu verschärfen Foto: EPA
Andere Länder, andere Sitten: Junge afghanische Bräute bei einer kollektiven Eheschließung – Deutschland denkt nun darüber nach, die Kriterien für die Anerkennung von Kinderehen zumindest zu verschärfen Foto: EPA

Die Zahl der registrierten Kinderehen hat sich in Baden-Württemberg in den vergangenen zwei Jahren versiebenfacht. Das Statistische Landesamt führt dies auf den Flüchtlingszustrom zurück. Die Politik denkt nun über schärfere Gesetze nach.

Stuttgart - Von den Flüchtlingen, die nach Baden-Württemberg kommen, wurden offenbar einige in jungen Jahren verheiratet. Wie das Statistische Landesamt unserer Zeitung mitteilte, hat sich die Zahl der verheirateten ausländischen Minderjährigen im Land in den letzten zwei Jahren versiebenfacht – von 26 im Jahr 2013 auf 181 Ende 2015. Bundesweit sind es 1475. Die Statistiker führen den Anstieg auf den Flüchtlingszustrom zurück. Vermutlich gibt es noch deutlich mehr Kinderehen, denn laut Innenministerium gibt es „keine Verpflichtung, eine im Ausland geschlossene Ehe in Deutschland nachregistrieren zu lassen“.

Meistens trifft es Mädchen

162 der 181 verheirateten Minderjährigen im Land sind Mädchen, 18 von ihnen sind erst 14 oder 15 Jahre alt, Landesjustizminister Guido Wolf (CDU) sieht deshalb „dringenden Handlungsbedarf“. Ausländische Ehen sollten seiner Ansicht nach nur noch dann anerkannt werden, wenn ein Partner mindestens 16 und der andere mindestens 18 Jahre alt ist – so wie dies für in Deutschland geschlossene Ehen gilt. Wolf vermutet, dass Ehen, die mit 14 oder 15 Jahren geschlossen werden, Zwangsehen sind. „Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass jemand, der jünger ist als 16, sich autonom und selbstbestimmt für eine Ehe entscheidet“, sagt er. Es lohne sich auch, darüber nachzudenken, die Heiratsgrenze generell auf 18 Jahre anzuheben, wie dies zum Beispiel Holland gemacht habe. Dies fordern auch Frauenrechtler.

Der Stadt Stuttgart sind keine Fälle bekannt

Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe beschäftigt sich gerade mit dem Problem und soll bis Ende des Jahres Vorschläge vorlegen. Derzeit werden alle Kommunen in Deutschland abgefragt, von wie vielen Kinderehen sie wissen. Aus Stuttgart lautet die Antwort: „Uns sind aktuell keine Fälle bekannt.“ Ende November wolle man aber intern erörtern, wie man mit dem Thema umgehe.

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