Frau Dieterich, wie wird man Reittherapeutin?
Der Beruf ist leider nicht geschützt. Man sollte schauen, dass man zu jemandem geht, der eine abgeschlossene Ausbildung im medizinischen oder pädagogischen Bereich hat, also Physiotherapeut, Ergotherapeut, Erzieher oder Psychologe. Ich bin Physiotherapeutin mit Schwerpunkt Neurologie. Pferde haben mich schon immer begeistert, auch ihre Wirkungsweise auf die Gesundheit von Menschen. Deshalb habe ich eine Fortbildung zur Reittherapeutin gemacht.
Welche Arten von Reittherapie gibt es?
Es gibt drei Sparten: Die Hippotherapie, das heilpädagogische Reiten und das Reiten als Sport für Behinderte. Bei der Hippotherapie, die sich beispielsweise für Menschen mit körperlichen Behinderungen oder neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Schlaganfall oder Parkinson eignet, geht es darum, den Körper und den Bewegungsapparat zu aktivieren. Beim heilpädagogischen Reiten bauen wir Berührungsängste ab, fassen Vertrauen zum Tier und finden den Mut, auf das Pferd zu steigen. Auf dem Pferd werden dann gezielt spielerische Übungen zur Verbesserung der Koordination oder des Gleichgewichts durchgeführt. Schließlich verwirklichen die kleinen oder großen Reiter sogar eigene Ideen. Das stärkt bei Kinder oder Erwachsenen das Selbstbewusstsein. Ebenso eignet sich diese Therapieform als Ergänzung zu den gängigen Therapien zum Beispiel für autistische Menschen, Menschen mit depressiven Erkrankung oder bei psychischen Erkrankungen wie Magersucht.
Und die Erlebnispädagogik?
Die Erlebnispädagogik ist ein Teil des heilpädagogischen Reitens. Da steht der Spaß in der Gruppe im Vordergrund, das gemeinsame Erleben von Mensch und dem Tier als Freund. Das kann eine Schnitzeljagd mit den Pferden sein, oder auch mal das Pferd mit Fingerfarben anzumalen, um dann als Indianer verkleidet die Umgebung mit dem Partner Pferd zu erkunden.
Das lässt sich Ihre Moni gefallen?
Aber ja, sie genießt es sogar. Auch die Pferde sind ausgebildet. Sie sind menschenfreundlich, sozial, sehr kontaktfreudig, dürfen aber auch mal temperamentvoll sein und ihre eigenen Ideen mit einbringen. Ein Zirkuspferd, das immer nur brav im Kreis läuft, ist nicht das richtige für die Reittherapie. Das Pferd sollte wach sein und auf das reagieren, was das Kind macht. Plötzliche Bewegungen sind nicht von Nachteil, das zeigt, auch der Reiter muss wachsam sein. Für Kinder ist es ein gutes Erlebnis, wenn sie sich durchsetzen können.
Das Gespräch führte Frank Wittmer.