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Kurpark Ein kleiner Tempel an der Daimlerstraße

Annina Baur, 27.01.2013 18:17 Uhr

Kurpark - Die Männer und Frauen in den farbigen, langen, wallenden Gewändern fallen auf. In Bad Cannstatt sieht man sie besonders häufig. In einem unscheinbaren Hinterhof an der Daimlerstraße befindet sich ihr Tempel, der Sitz des vedischen Kulturvereins. „Mit unserer Kleidung zeigen wir unsere Verbundenheit mit der vedischen Kultur“, sagt Thomas Winkler, Mitglied des dreiköpfigen Vorstands des Vereins. Die traditionellen indischen Gewänder Sari (bei Frauen) oder Dhoti (bei Männern) zu tragen, sei aber keine Pflicht. Vielmehr zähle die Lebenseinstellung, bei welcher der spirituelle Aspekt im Mittelpunkt stehe, das Streben danach, die Seele bei allen Tätigkeiten des Lebens mit zu berücksichtigen.

Thomas Winkler verdeutlicht am Beispiel eines Politikers, was er darunter versteht: „Ein Mensch kann aus dem Streben nach Macht und Einfluss heraus eine politische Laufbahn einschlagen oder sein Tun in den Dienst Gottes und der Gesellschaft stellen.“ Dabei gebe es für die Angehörigen des vedischen Kulturvereins nur einen Gott – die Religionszugehörigkeit spiele keine Rolle, sagt Winkler: „Viele der rund 150 regelmäßig praktizierenden Mitglieder sind Hindus, aber es kommen auch Angehörige anderer Religionen.“

Im Tempel an der Daimlerstraße feiern die Mitglieder des Vereins Verehrungszeremonien nach hinduistischen Ritualen und praktizieren Mantra-Meditation, außerdem gibt es Vorträge und Seminare, die sich mit universellen Fragen beschäftigen. „Wir gehen der Frage nach, was Gott und die Seele sind“, sagt Winkler. Die Seele spiele die zentrale Rolle im Weltbild: „Die Seele ist unsterblich, sie bleibt immer gleich. Nur der Körper verwandelt sich“, erklärt Winkler. Wer verstanden habe, was seine Seele zufrieden stelle, löse viele andere Probleme gleich mit: „Wer weiß, dass er ein spirituelles Wesen ist, wird frei von niederen Tendenzen wie Zorn, Angst und Neid und kann stattdessen Achtung vor sich, seinen Mitmenschen, der Umwelt und der Gesellschaft entwickeln“, sagt Winkler. Der Glaube an die unsterbliche Seele bringe aber auch Pflichten mit sich: Wer die vedische Lehre voll und ganz praktiziert, ernährt sich vegetarisch, verzichtet auf Rauschmittel aller Art und das Glücksspiel. Kontrolliert oder gezwungen, die Regeln einzuhalten, werde aber niemand.

Schriften als Grundlage zur Zusammenarbeit

Die vedische Lehre zu verbreiten sei eine der wichtigsten Aufgaben des vedischen Kulturvereins. Dafür übersetzen die Vereinsmitglieder die vedischen Schriften aus dem Sanskrit, dem Bengali oder dem Hindi ins Deutsche und verkaufen oder verleihen die Bücher. Die vedische Kultur könne aber noch mehr: „Die Schriften bilden eine Grundlage, auf der die verschiedenen Religionen zusammenarbeiten können“, sagt Winkler. Auf diese Weise, davon ist er überzeugt, könne das Positive aller Religionen zu Tage kommen und die Religion als ein mächtiges Instrument genutzt werden, mit dem viel Positives erreicht werden könne.

Er wolle aber nicht nur von Selbstlosigkeit sprechen – Winkler informiert in weiterführenden Schulen in Stuttgart über die vedische Kultur – sondern sie auch leben: Unter anderem engagiert sich der vedische Kulturverein bei der Aktion Essen ohne Kohle, in deren Rahmen Ende des vergangenen Jahres Bedürftigen ein vegetarisches Menü aufgetischt wurde. Auch der Tempel stehe jederzeit offen – für interessierte Neulinge gibt es etwa immer sonntags die Möglichkeit, Vorträge zu hören, die Mantras mitzuerleben und ein indisches Essen zu kosten. Wer nicht zum vedischen Kulturverein kommt, wird die Mitglieder sicher einmal in Bad Cannstatt antreffen: Mit Trommeln, Zimbeln und spirituellen Mantras ziehen sie regelmäßig durch die Straßen, um den Menschen zu vermitteln, was die vedische Kultur zu bieten hat.

 
 
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