Künstliche Intelligenz Die Suche nach A.I.

Von Markus Brauer 

Kultiger Zukunftskrimi: Szene aus „Blade Runner“ mit Harrison Ford in der Rolle des Roboter-Jägers Rick. Foto: defd Deutscher Fernsehdienst
Kultiger Zukunftskrimi: Szene aus „Blade Runner“ mit Harrison Ford in der Rolle des Roboter-Jägers Rick.Foto: defd Deutscher Fernsehdienst

Die Erforschung der künstlichen Intelligenz (englisch: Artificial Intelligence, Kürzel A.I.) ist eines der spannendsten Kapitel in der Wissen- schaft. Dass es sich auch um eines der lukrativsten handelt, zeigt der jüngste Kauf eines A.I.-Spezialisten durch den Internetkonzern Google.

Stuttgart - Die Idee der künstlichen ­Intelligenz, also der Fähigkeit von Maschinen, die Arbeit des menschlichen Gehirns zu kopieren, fasziniert Menschen seit ­langem, auch in Hollywood. US-Star-Regisseur Steven Spielberg drehte eigens einen Film gleichen Titels, „A.I.“. Aktuell läuft in den deutschen Kinos der Film „Her“ von Spike Jonze, in dem sich ein Mann in ein ­intelligentes Computer­programm verliebt.

Kein Wunder, dass auch in der Realität fleißig versucht wird, eine künstliche Intelligenz, kurz: K.I., zu entwickeln – und dass Hollywood dabei mithelfen will: Der Schauspieler Ashton Kutcher ist einer von drei Prominenten, die jüngst Millionen in ein Unternehmen gesteckt haben, das sich genau das zum Ziel gesetzt hat.

Zusammen mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sowie Multiunternehmer und Tesla-Visionär Elon Musk hat Kutcher 40 Millionen Dollar (29 Millionen Euro) in die Firma Vicarious FPC investiert. Nach dem Kauf der K.I.-Firma Deep Mind durch den Web-Riesen Google für 400 Millionen Dollar (290 Millionen Euro) vor wenigen Wochen ist es der zweite große Deal in diesem Bereich innerhalb kurzer Zeit. DeepMind arbeitet daran, Computern das Denken beizubringen. Schon seit langem wird spekuliert, Google könnte zu Methoden der künstlichen Intelligenz greifen, um seine riesigen Online-Datenbestände besser auszuwerten.

Pinocchio der Zukunft


Mitte des 22. Jahrhunderts: Der Klimawandel droht das Leben auf der Erde zu zerstören. Industrialisierung und Umweltverschmutzung haben die Polkappen schmelzen lassen. Um den Verbrauch der immer knapper werdenden Ressourcen zu beschränken, werden Lizenzen für Geburten eingeführt. Zum Glück gibt es „Mechas“ – Roboter mit künstlicher Intelligenz, die wie Menschen aussehen und empfinden können. Damit beginnt „A.I. – Künstliche Intelligenz“, ein Science-Fiction-Film von 2001. Sein Held ist ein kleiner, liebenswürdiger Android – David, gespielt von Haley J. Osment. David ist ein neuer Serien-Prototyp der Firma Cybertronics, der schon bald auf den Markt kommen soll. Er sieht aus wie ein empfindsamer elfjähriger Junge, vermag emotionale Bindungen aufzubauen und wie ein echtes humanoides Wesen zu lieben. David wird einem Paar überlassen, dessen eigener komatöser Sohn im Sterben liegt. Damit beginnt für den Roboter eine 2000-jährige Odyssee durch die Zeit, an deren Ende sein sehnlichster Wunsch mit Hilfe einer geheimnisvollen „Blauen Fee“ in Erfüllung geht: für einen Tag die ungeteilte Liebe einer echten menschlichen Mutter zu erfahren und an ihrer Seite für alle Ewigkeit einzuschlafen. Wie schon bei „E.T. – Der Außerirdische“ (1982) führte Steven Spielberg auch bei „A.I.“ Regie. Der Film überträgt das klassische Pinocchio-Thema in eine ferne Zukunft. Ein zeitloses Meisterwerk.

Die drei Roboter-Gesetze

 

„I, Robot“ ist ein Science-Fiction-Film von Alex Proyas aus dem Jahr 2004, frei nach dem gleichnamigen Buch des russisch-amerikanischen Biochemikers und Science-Fiction-Schriftstellers Isaac Asimov (1920–1992), „Ich, der Robot“ (1950). Darin formuliert der Autor die nach ihm benannten Asimov’schen Robotergesetze. Damit sich kein Roboter jemals gegen einen Menschen auflehnen kann, muss jedes Maschinenwesen die drei Gesetze der Robotik einhalten: 1. Ein Roboter darf keinem Menschen schaden oder durch Untätigkeit einen Schaden an Menschen zulassen. 2. Ein Roboter muss jeden von einem Menschen gegebenen Befehl ausführen, aber nur, wenn dabei das erste Gesetz nicht gebrochen wird. 3. Ein Roboter muss seine eigene Existenz bewahren, es sei denn, dies spricht gegen das erste oder zweite Gesetz. „I, Robot“ – mit Will Smith in der Hauptrolle als Polizist Del Spooner – spielt im Chicago des Jahres 2035. Androide werden in vielen Bereichen als unentbehrliche Arbeiter und Helfer eingesetzt. Als kurz vor Einführung des neuen Robot-Typs NS-5 der Chefentwickler des Herstellers U. S. Robotics, Dr. Alfred Lanning, nach einem Sturz aus seinem Bürofenster tot aufgefunden wird, entspinnt sich ein Zukunftskrimi, der wie „Blade Runner“ zu den absoluten Highlights des Genres zählt. Literarische Vorlage dieses Hollywood-Kultfilms von 1982 (mit Harrison Ford in der Hauptrolle) ist der Roman „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“ von Philip K. Dick. Das Buch wurde später ebenfalls unter dem Titel „Blade Runner“ vertrieben.

Roboter auf Mars-Mission


Roboter sind technische Geräte, die dem Menschen Arbeit abnehmen sollen. Je nach Einsatzgebiet unterscheidet man humanoide Roboter, Industrie-Roboter, Medizin-Roboter, Service-Roboter oder Militär-Roboter. Rover und Lander sind mobile Roboter, die in der Raumfahrt eingesetzt werden und sich auf der Oberfläche anderer Himmelskörper fortbewegen. Während die Mond-Rover der Apollo-Missionen keine Roboter waren, weil sie von Menschen gesteuert wurden, sind die Mars-Rover echte Roboter: ferngesteuerte Fahrzeuge für die Marsforschung, welche mit Messgeräten und Werkzeugen ausgestattet sind. Bisher gab es vier Missionen mit Mars-Geländewagen, von denen der 2003 gestartete Rover Opportunity und der im Rahmen des „Mars Science Laboratory“ der Nasa im August 2012 gelandete Rover Curiosity aktiv sind. Sie werden beide per Funk von der Erde aus gesteuert.

Frankenstein – der Urmythos vom künstlichen Menschen

 

„Frankenstein“ (mit Boris Karloff als Monster und Colin Clive als Dr. Henry Frankenstein) ist die erste Tonverfilmung des berühmten Romans von Mary Shelley, „Frankenstein, or the Modern Prometheus“ (1818). Regisseur James Whale schuf mit dem Schwarz-Weiß-Streifen von 1931 einen Klassiker des Horrorfilms, dem viele weitere Verfilmungen folgten. Dr. Frankenstein und sein Helfer Fritz erschaffen aus Leichenteilen einen künstlichen Menschen, den sie mit Hilfe von Elektrizität zum Leben erwecken. Doch bei dem zuvor gestohlenen Gehirn handelt es sich um das Organ eines Mörders. Frankensteins Monster kann aus dem Laboratorium fliehen und tötet dabei Fritz. Unbeabsichtigt ertränkt es auf der Flucht ein kleines Mädchen. Daraufhin jagen die Dorfbewohner die Kreatur bis zu einer Mühle, die sie in Brand setzen. Das Monster kommt in den Flammen um. In „Frankenstein“ geht es um den uralten Mythos von der Erschaffung eines künstlichen Menschen. Das archetypische Thema hinter dieser cineastisch grandiosen Adaption ist die Prometheus-Sage aus der griechischen Mythologie: Der Titan Prometheus erschafft aus Ton den Menschen und schenkt ihm das Feuer. Der erboste Göttervater Zeus lässt ihn zur Strafe mit Eisenketten an einen Felsen schmieden, wo er fortan ausharren muss. Jeden Tag frisst der Adler Ethon von seiner Leber, die sich zu seiner Qual immer wieder erneuert, da Prometheus unsterblich ist. Erst der Held Herakles erlöst den Gepeinigten von seinen Leiden. Der Mythos vom künstlichen Menschen wird auch in der Golem-Sage aufgegriffen, die erstmals im 12. Jahrhundert in Osteuropa auftaucht. Der Golem (hebräisch für „Ungeformtes“) ist eine Figur der jüdischen Legende, die in Böhmen und in ganz Mitteleuropa verbreitet war. Bei dieser rätselhaften Erscheinung handelt es sich um ein in menschenähnlicher Gestalt aus Lehm gebildetes Wesen, das durch Magie zum Leben erweckt wird. Es besitzt enorme Kräfte und befolgt Befehle, kann aber nicht sprechen. 

Actroid – die gute Roboter-Fee  

Einer der bekanntesten und am weitesten entwickelten humanoiden Roboter ist der Actroid, ein menschenähnlicher Roboter des japanischen Robotik-Herstellers Kokoro. Er wurde erstmals auf der Weltausstellung ­Expo 2005 in der japanischen Präfektur ­Aichi gezeigt. Actroid hat die äußeren Merkmale einer erwachsenen Japanerin und ist technisch in der Lage, menschliche Mimik und Bewegungen nachzuahmen. Dabei wirkt das Maschinenwesen so realistisch, dass man meinen könnte, einen echten Homo sapiens vor sich zu haben. In dem Androiden ist eine Vielzahl sogenannter Aktoren damit beschäftigt, menschliche Bewegungsabläufe umzusetzen. Aktoren bestehen aus einem Gehäuse mit einem Luftkompressor als Antriebselement und einem Steuerungscomputer. Der Kompressormotor setzt die als elektrische Signale vom Computer ausgehenden Befehle in mechanische Bewegungen um. Die Sensoren sind so konstruiert, dass der Android menschliches Verhalten imitieren kann. Hätte der Roboter aus Nippon das markante Aussehen des Schauspielers Arnold Schwarzenegger, wäre der erste Schritt hin zum „echten“ Terminator vollzogen. Anders als der Cyborg aus dem gleichnamigen Kinofilm sind die Roboter aus der Actroid-Serie keine Killer-Maschinen, sondern dienen friedlichen Zwecken und sollen in naher Zukunft den Menschen als Krankenschwester oder Haushaltshilfe zur Hand gehen. 

Data – der edle Android 



„Der Weltraum – unendliche Weiten. Wir befinden uns in einer fernen Zukunft. Dies sind die Abenteuer des neuen Raumschiffs Enterprise, das viele Lichtjahre von der Erde entfernt unterwegs ist, um fremde Welten zu entdecken, unbekannte Lebensformen und neue Zivilisationen.“ So beginnt der Vorspann zur Science-Fiction-Serie „Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert“, die von 1987 bis 1994 erstausgestrahlt wurde. Der Android Data dient unter dem Kommando von Captain Jean-Luc Picard auf der neuen „U.S.S. Enterprise“, die im Jahr 2363 das terrestrische Weltraumdock verlässt. Data gilt als Vollendung der humanoiden Robotik-Forschung. Der weiß getünchte Android ist ständig bemüht, menschlich zu sein und zu fühlen. Dabei denkt und handelt er edelmütiger als die meisten Erdenbewohner. Data ist Zweiter Offizier im Range eines Lieutenant Commander auf dem Sternenflotten-Flaggschiff. Erschaffen wurde er von Dr. Noonien Soong, einem genialen Kybernetiker, der zeit seines Lebens versuchte, einen Roboter mit lebensfähigem positronischem Gehirn zu entwickeln, was ihm nach einigen Fehlversuchen mit Data schließlich auch gelang. Der Begriff positronisches Gehirn ist ein Kunstwort, das auf den Science-Fiction-Autor Isaac Asimov zurückgeht. Er verwendete es erstmals in seiner Kurzgeschichte „Reason“ (1941). Seitdem zieht sich der Terminus durch das Zukunfts-Genre. Da Asimov wissenschaftlicher Berater beim ersten „Star Trek“-Film (1979) war, floss der Begriff Positronik in das Star-Trek-Universum ein und wurde zum Synonym für die modernste Roboter-Technik zukünftiger Generationen.

Killer-Cyborg

„Terminator“ (englisch „to terminate“, beenden) ist ein Science-Fiction-Film von 1984. Arnold Schwarzenegger spielt darin einen Cyborg, der 2029 per Zeitmaschine in die Gegenwart reist. Er wird auf Sara Connor, die Mutter von John Connor, angesetzt, um sie zu töten, bevor sie ihren Sohn gebären kann, der in der Zukunft die Rebellion der Menschen gegen die Herrschaft der Maschinen anführen wird. Im Jahr 2029 ist die Erde infolge eines Atomkriegs total verwüstet, der Großteil der Menschheit ausgelöscht. Von Menschen entwickelte, intelligente Maschinen begannen den Krieg gegen ihre Schöpfer. Den Überlebenden bleibt nur die Wahl, den Maschinen als Arbeitssklaven zu dienen oder sich der Rebellion anzuschließen. Nachdem die Menschen kurz vor einem Sieg über das zentrale Maschinengehirn Skynet stehen, schicken die Maschinen einen Cyborg ins Jahr 1984 zurück. Der Terminator T-800 ist eine Maschine, die dank einer organischen Außenhaut wie ein Mensch aussieht und mit einer ebenbürtigen Intelligenz ausgestattet ist. Am Ende wird der Terminator in einer hydraulischen Presse fast vollständig zerstört.

Außerirdisches Leben

Sind wir allein im All? Gibt es Aliens? Existieren in den unendlichen Weiten des Universums erdähnliche Planeten? Neben der Erschaffung künstlicher Intelligenz beflügelt nichts so sehr die Fantasie der Menschen wie die Suche nach E.T. (Extraterrestrial Life) – außerirdischem Leben. Im Dezember 2010 gab die US-Weltraumbehörde Nasa überraschend bekannt, dass im unwirtlichen Salzsee Mono Lake in Kalifornien Bakterien entdeckt wurden, die Arsen fressen und verwerten können. „Es handelt sich um irdisches Leben, aber nicht um Leben, wie wir es kennen“, gab die Astrobiologin Mary Yotek damals zu Protokoll. Bei dem entdeckten Bakterienstamm GFAJ-1 handelt es sich um sogenannte extremophile Organismen, die in lebensfeindlicher Umgebung wie beispielsweise hoher Salz- und Säurekonzentrationen oder extremer Hitze existieren können. Auch wenn die Nasa den Sensationsfund kurz darauf relativierte, sind sich Forscher wie der Tübinger Astrophysiker Willi Kley sicher: „Irgendwann werden wir anderes Leben entdecken. Die Wahrscheinlichkeit ist groß.“

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